Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 7/8 (Juli/August 1911)
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nervands-Uachrichten. Protokoll über die VIII. Uorstandsfitzung. Berlin, den 28. Mai 1911, in den Logenriinmen, Wilhelmstraße 118. Uhr vormittags. Anwesend sind: 1. R.-A. Dr. Apfel (I. Voi sitzender) 2. Dr. Simon und cancl. mecl. Schönenberg (Jgdb. Berlin). 3. Referendar Dr. Regensburger (Jugdv. Braunschweig). 4. Eugen Mittwoch (Jgdv. Breslau). 5. FclirMeyer (Monteftore-Verein,Frankfurta.M.). g. R.-Ä. Lichtenberg lZgdv. Hannover). i. Referendar Ist Kahn (Gabr. Messer-Verein, Cöln). 8. stuck. jur. Weill (Jgdv. Straßburg). S. R.-A. Wilk (Jgdv. Thorn). 10. Maximilian Stein (Großloge für Deutschland Vlll. U. O. B. B.). I I. R.-A. Brodnitz (Centralverein deutscher Staatsbürger jüo. Glaubens). 12. Dr. W. Reumann (Deutsch-Israelitischer Gemeindebund). 13. Rabb. Dr. Finkel, Berlin (Geschäftsführer). 14. Siegfried Brünn als Gast. Der Verbandsvorsitzende eröffnet um 9V-> llhr vormittags die Versammlung. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß wie bisher die Vertreter der allen Vorstandsvcreine so auch die neuen Delegierten in kollegialer Weise zum Wöhle des Verbandes zusammenarbeiten werden. Dr. Apfel begrüßt ferner Herrn Brünn, dankt ihn, für das bisher der Jugendbewegung gewidmete Interesse und spricht die Uebcrzeugung aus, daß dasselbe uns auch in Zukunft ungeschwächt erhalten bleiben werde, wie dies Herr Brünn z. B. durch feine Stiftung, deren Beratung auf der heutigen Tagesordnung steht, gezeigt babe. Bei dieser Gelegenheit gedenkt auch Herr Dr. Apfel unseres Heimgegangenen Gönners, des Kommerzienrates Benjamin Hirsch, Halberstadt, indem er ausführte, daß der Verewigte in sich das Programm unseres Verbandes gleichsam verkörperte. Unbeschadet seiner streng konservativen Uebcrzeugung habe der Heimgegangene das Wohl der jüdischen Gesamtheit stets im Auge gehabt. In diesem Sinne soll der verklärte Benjamin Hirsch der Jugend als leuchtendes Beispiel dienen. (Die Versammlung hört den Nachruf stehend an). Dr. Apfel nimmt noch Veranlassung, dem Vorstandsverein Hannover für die anläßlich der Delegiertenversammlung gehabten Bemühungen zu danken, ebenso der Erziehungsanstalt A h l e m b. Hannover für die srdl. Einladung und Bewirtung der Delegierten. 1. Der Vorstand konstituiert sich: a) Zum stellvertretenden Vorsitzenden wird R.-A. Lichtenberg e i n st i m m i g gewählt. b) In die Statutenkonimission werden die bisherigen Mitglieder R.-A. Lichtenberg und Referendar Dr. Regensburger wiedergewählt. c) Die Kassenverwaltung wird auf Vorschlag des Herrn Meyer einem Mitgliede des Berliner Jugendbundes übertragen. In Zukunft wird Herr cand. med. Schönenberg, Berlin- Wilmersdorf, Hohen,zollerndamm 203, die Kassengeschäfte führen. d) Mit der Geschäftsführung wird Herr Rabbiner Dr. Finkel auch weiterhin betraut. e) In die Redaktionskommission werden gewählt: die Herren Dr. Simon, als Vertreter desselben Herr Schönenberg (I. I. B. Berlin), R.-A. Lichtenberg, Hannover, und Dr. Finkel, Berlin. Es wird ferner beschlossen, daß der Verbands-- Vorsitzende an allen Kommissionssitzungen mit Stimm recht teilnehmen kann. 2. Hierauf findet eine eingehende Besprechung der Lage sämtlicher Verbandsvereine statt; diejenigen Vereine, die der Förderung bedürfen, sollen solche im nächsten Herbst bezw. Winter von Vorstandsmitgliedern erhalten, und zwar haben sich fast alle Vorstandsmitglieder bereit erklärt, einige Vereine zu besuchen. Auch sollen die einzelnen Vereine durch das Protokoll ersucht werden, diejenigen Mitglieder der Geschäftsstelle namhaft zu macken, die in der Lage und bereit sind, Vorträge in den Ra chb arv erei n e n zu halten. Bei dieser Besprechung wird festgestellt, daß München reorganisiert werden müsse, und daß auch Ratibor und Krotoschin in den letzten Monaten unzureichend gearbeitet hätten. Hingegen wird hervorgehoben, daß auch kleinere Vereine, wie Allenstein, Aurich, Emden, Lörrach, Hameln u. a. sehr eifrig sind. Es wird von den verschiedensten Rednern bedauert, daß manche zionistische Mitglieder der Jugendbewegung vielfach schadeten, indem sie die neutrale Jugendbewegung dazu benutzten, um zionistische Propaganda zu treiben. Freilich gebe es, wie weiter betont wird, viele Zionisten, die in loyaler Weise mitarbeiteten und für die neutrale Jugendbewegung begeistert seien; aber es sei auch eine große Anzahl von Zionisten vorhanden, die auf eine unzulässige Art die Neutralität unserer Jugendvereine störe. Auch die älteren Mitglieder des Vorstandes, wie . B. Herr Maximilian Stein, meinten, in weiten Kreisen ei die Anschauung verbreitet, daß manche Zionisten die Jugendvereine nur als Mittel zum Zweck benützen wollten, und daß ihre Taktik darauf gerichtet sei, zur Herrschaft in den Jugendvereinen zu gelangen. Solche Zionisten schädigten die Jugendbewegung ungemein und riefen die Gefahr neuer liberaler Gründungen hervor. Herr Dr. Simon-Berlin widerspricht Liesen Anschauungen und ist darüber erstaunt, daß man die Zionisten als die zerstörenden und zersetzenden Elemente der Jugendbewegung hinstelle. — Wenn die Zionisten auf der Delegiertenversammlung in manchen Punkten geschlossen stimmten, so fei dies ihr gutes Recht gewesen. - 12