Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 7/8 (Juli/August 1911)
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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auf hohen Schaukeln durch die Luft, andere vergnügten sich an Rundläufen usw., kurzum, ihnen allen konnte man anfehen, daß sie sich hier recht wohl befänden. Ganz zutraulich kamen sie näher und begrüßten uns recht freundlich, auf unsere Fragen ohne jede Schüchternheit Antwort gebend. Meistens hübsche, gut gewachsene Mädchen, die zutraulich an einen der uns begleitenden Lehrer heransprangen und ihn umschmeichelten. Man konnte seine Helle Freude an ihrem Treiben haben. — So schieden wir mit dem Bewußtsein, nicht nur etwas Neues, Interessantes, auf dem Gebiete der Jugenderziehung Vorbildliches gesehen zu haben, sondern auch mit dem stolzen Gefühl, daß hier das Judentum auf dem Wege ist, sich eine neue, schönere Zukunft zu schaffen. Weit mehr als alle theoretischen Erörterungen über die Erhaltung des Judentums und somit der Judenheit hat der Anblick der Kinder uns gelehrt, festzuhalten am alten Stamme, der solch herrliche Früchte zu zeitigen imstande ist. Mit dem stillen Gelöbnis, mitzuarbeiten und mitzustreben, mitzuhelfen an der Größe und Zukunft des jüdischen Volkes, verließen wir Ahlem. Gustav Lazarus, Cöln a. Rh. Die Iriterrmlionale Hygiene-Ausstellung zu Dresden 1911 und der Anteil der Juden an derselben. Von Georg Keller, Dresden. Schon in den ältesten Zeiten wurde Hygiene betrieben und bei unfern Urahnen in Palästina und Aegypten wurde dieselbe sehr hoch geschätzt. Ist doch ein großer Teil unserer Religionsgesetze und Speisevvrschriften, so z. B. die über die vorzunehmenden Waschungen, die Beschneidmig, das Verbot des Schweinefleischgenusses u. a. in. von hygieneschen Standpunkten aus entstanden. Es ist daher eigentlich selbstverständlich, daß in einer Ausstellung wie es die hier kurz „Jha" genannte, die am 6. Mai ihre Pforten den Besuchern öffnete und die im Grunde weit über den Rahmen einer rein hygieneschen hinausgeht und eine Weltausstellung im Sinne des Wortes ist, da nicht allein was Hygiene bedeutet und mit derselben zusanimenhängt, von der ältesten Zeit bis auf den heutigen Tag gezeigt ivird, sondern auch gleichzeitig dem Besucher ein Bild des Aufschivunges von Industrie/ Handel und Gewerbe aller Länder darstellt, dem Judentum ein Platz eingeräumt ist. Der Raum 3 der historischen Abteilung ist vollständig der „Hygiene der Juden ini Mittelalter" gewidmet. Auch Raum 26 dieser Abteilung, die uns die zweite Hälfte des Mittelatters vor Augen führt, wird zuin großem Teil voin Judentum eingenommen. Dank gebührt allen denen, die dazu beigetragen haben, diese Abteilungen zustande zu bringen. Es soll weder meine Aufgabe fein, noch ist hier genügend Platz vorhanden, alle diejenigen zu nennen, die an dem Gelingen mitgearbeitet haben; trotzdem sei es mir gestattet, folgende Organisationen und Einzelaussteller, die das ihnen gehörige recht wertvolle Material der Ausstellungsleitung zur Verfügung stellten, zu nennen: Komitee für die historische Gruppe „Hygiene der Juden", Berlin; Lehranstalt für Geschichte des Judentums, Berlin; Verein für Statistik der Juden, Berlin; Jüdische Gemeinde zu Brünn; Herr Charles Lewy, Colmar i. Elf.; die Israelitische Religionsgemeinde zu Dresden; die Herren Landesrabbiner Dr. Jacob Winter und Rabb. Dr. L. Stein zu Dresden; Herr I. Hugo Bondi für die Ortsgruppe „Jüdische Hygiene", Frankfurt a. M.; die Herren Rabb. Dr. Kroner, Oberdorf-Bobftngen, und Dr. Bamberger, Wandsbek; die Israelitischen Gemeinden zu Wandsbek, Wien und Worms sowie der Verein für „Jüdische Völkerkunde", Hamburg. Den kultur- und religionshistorischen Wert der ausgestellten Gegenstände zu besprechen, muß ich berufener Seite überlassen. Meine Aufgabe soll es sein, eine kurze Übersicht der ausgestellten Gegenstände zu geben. Wenn man den Raum 3 betritt, so fallen zunächst an der rechten Wand fünf in zwei Glasschränken untergebrachte alte Thorarollen mit Schmuck auf. Zwischen diesen beiden Schränken befindet sich ein Brouzeguß, der Moses des Michelangelo darstellt. An den Wänden sind Pläne der salomonischen Teiche, der Wasserversorgung des Tempels, sowie Anweisungen über kultische Waschungen und Waschungen der Leichen und Bestattung derselben u.a.m. untergebracht. Ferner befinden sich in diesem Raum noch drei Schränke mit kleinen Modellen von Häusern, Quellenanlagen, Backräumen und anderen Geräten zur Nahrungsbereitung. Zu erwähnen wären noch die Modelle, altjüdisch-phönizische Grabanlagen darstellend. Bei Betreten des Raumes 26 zieht zunächst die in einer Nische untergebrachte Sabbatstube die Augen der Besucher auf sich. In einem Glasschrank an der linken Wand dieses Raumes ist eine Kollektion Beschneidungsutensilien von der ältesten Zeit bis auf den heutigen Tag misgestellt. Allgemeines Interesse dürften ferner das Modell einer rituellen Schlichtung und zwei präparierte Schafherzen in Anspruch nehmen. Die beiden Herzen rühren von zwei gleich großen und schweren Tieren her, wovon das eine durch Schlichtung, das andere durch die auf den Schlachthöfen übliche Weise verendet ist. Während nun bei deni durch Schlichtung verendeten Tiere eine völlige Blutentleerung eiugetreteu ist, ist dieses bei dem anderen Präparate flicht der Fall. Gerade diese beiden letzterwähnten Ausstellungsgegenstände dürften vielleicht geeignet sein, diesen oder jenen Gegner der Schlichtung davon zu überzeugen, daß dieselbe durchaus keine Tierquälerei ist und auch für den Genuß des Fleisches gut ist. Es befinden sich ferner in diesem Raum die Mobelle eines „Getto", des Judenbades in Friedberg aus deni Jahre 1260 und des Judenbades in Offenburg aus dem Jahre 1380. Nicht unerwähnt lassen möchte ich das in einem Glasschrank an der rechten Wand 6