Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 6 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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bergen, daß ferner, wenn wir, die mit der Sache ausgewachsen sind, die Flinte ins Korn werfen, dieses für die Zukunft des Verbandes etwas Bedauerliches sein würde. Selbst die Zionisten sagen, daß sie mich als Vorsitzenden weiter haben wöllen. Ob oaS mit Liebe geschieht, weiß ich nickt. Da aber sagte man sich, hier müssen wir eine lex Apfel schaffen. Man suchte zunächst im Vorstande einen Antrag durchzubringen, der auch angenommen wurde, nach welchem Dr. Apfel zum ersten Vorsitzenden und irgend ein anderer zum zweiten gemacht werden sollte. Dann kamen die Skeptiker und sagten: Natürlich, wenn Apfel erster Vorsitzender wird, dann verlangt er, daß Regensburger zweiter Vorsitzender wird. Das ist geradezu lachhaft. Herr Regensburger kam für einen derartigen Posten nicht in Betracht, denn er hat von vornherein erklärt, daß er einen derartigen Posten niemals annehmen würde. Dann hat man an die Person des Kollegen Lichtenberg-Hannover gedacht. Das sind die Motive, die dön Vorstand bewogen haben, den Antrag zu stellen. Dies alles war offen und ehrlich, es ist nie Heimlichkeit damit betrieben worden und man brauchte daher nicht in einem Rundschreiben gegen die Diktatur aufzutreten. Ich habe mich nun inzwischen davon überzeugt, daß das, was der Vorstand will, obschon ersichtlich ist, daß es die meisten Mitglieder anch wollen, nicht richtig und nicht gut ist. Ich habe den Vorstand gestern Abend dazu bekommen, den Antrag zurückzuziehen. Ich bin der Ansicht, daß wir, um alle Streitigkeiten aus dem Wege zu räumen, in folgender Weise Vorgehen sollten. Wir vergrößern den Vorstand auf 7, 8 oder 9 Vereine; die Zahl ist ganz gleichgültig. Ich persönlich bin aus Kostcngründen für 7 Vereine. Lassen wir cs bei dem alten Zustand, lassen wir die Vereine den Verbandsvorstand bilden. Die Vereine als solche sollen ein oder mehrere Leute in die Sitzungen schicken, wie es ihnen paßt. Ich erinnere daran, daß der Berliner Verein mit mehreren Leuten zu kommen pflegt, aber natürlich nur eine Stimme hat. Ein Kompromißantrag, der bisher 19 Unterschriften gefunden hat, will cs folgendermaßen halten: Dr. Apfel soll erster persönlicher Vorsitzender sein, um ihn von dem Kölner Verein loszulösen. Der Vorschlag ist für mich sehr ehrenvoll, ich rate Ihnen jedoch auf das dringendste, nehmen Sie ihn im Interesse der Sache nicht an. Ich persönlich könnte Ihnen ja das Versprechen abgeben, daß ich niemals einen Mißbrauch damit treiben werde, ich halte es aber für außerordentlich verderblich, die Sache auf eine Person zuzuschneidcn, das birgt eine große Gefahr in sich und kann der Anfang vom Ende sein. Ich wehre mich natürlich auch dagegen, daß man sagt, gut, Apfel nehmen wir als ersten Vorsitzenden und als zweiten muß er irgend jemand zur Seite habe.», einen zionistischen Kontrolleur zum Beispiel, daß er nicht übermütig wird, und der ihm gegenüber immer den zionistischen Standpunkt vertritt. Etwas derartiges würde ich mir durchaus verbitten, ich würde das für mune Person niemals akzeptieren. Sie ersehen hieraus, es herrschen die verschiedensten Meinungen. Die überwiegende Mehrheit ist dafür, einen persönlichen Vorstand und mehrere Vereine zu wählen. Ich habe mir die Sache reiflich überlegt und komme zu einem Vorschläge, der für meine Person außerordentlich ungünstig ist: Wählen Sie nur Vereine in den Vorstand. Der Kölner Verein hat gestern erklärt, daß er sich das Recht eines besonderen Delegierten in dem Verbantsvorstande nicht nehmen lasse. Natürlich können die Kölner Herren ihre Stimme abgeben, wie sie wollen. Mein Vorschlag birgt ja vielleicht irgend welche Zwistigkeiten in sich, aber ich muß sagen, daß ich mit Ausnahme eines einzigen Falles überhaupt noch keinen persönlichen Zwist gehabt habe, und daß ich mit den Kölner Freunden einen Zwist bekommen könnte, das wird niemals der Fall sein. Mein Antrag geht dahin, damit wir zu einem guten Ende kommen: Wählen Sie 7 Vereine, vielleicht auch 8, aber nicht zu viel, das kostet sehr viel. Der Kölner Verein wird sein Versprechen halten, dann bleibt es wie bisher und alles Persönliche, das dem bisherigen Vorschläge anhaftet, und dem cventl. Anträge auch, fällt weg. Niemand kann sagen, der Verband ist auf eine Person zugeschnitten, die sicherlich das Beste meint, aber doch auch nur ein Mensch ist, der seine Dummheiten machen kann. Ich glaube, daß heute eine große Debatte nicht nötig ist. Wenn Sie meinen Vorschlag akzeptieren, dann bleibt es bei dem bisherigen Usus, daß die tüchtigen und arbeitsamsten Delegierten die erste Flöte spielen. Ich bitte Sie also, sich in der Debatte meine:» Anträge, über dessen Form man noch reden kann, anzuschließen. Meyer-Frankfurt: Ich schließe mich den Worten des Herrn Dr. Apfel an, 7 Verbandsvereine zu wählen, die je einen Delegierten resp. 2 Delegierte in die Verbandssitzung senden. R.-A. Lichtenberg-Hannover: Die Debatte muh auf die Kürze des Herrn Meyer zurückgeschraubt werden, denn ich muß bekannt geben, daß wir in einer halben Stunde den Saal geräumt h'ben müssen. Es ist mir unklar, wie wir die Debatte dann foctsetzen wollen. Auf der Straße würde es zu kalt sein. Vorsitzender Dr. Apfel: Ich bitte Sie, zunächst in dem Sinne die Abstimmung vorzunehmen, ob mir das persönliche Prinzip oder das Vereinsprinzip wünschen. Wir müssen uns auch darüber einig werden, wieviel Vereine im Vorstande nötig sind. Dr. Simon- Berlin: Wir in Berlin haben ein imperatives Mandat. Unser Verein hat beschlossen, den Vorschlag des Verbandsvorstandes aufzunehmen und zu vertreten. Ich muß hinzufügen, daß ich persönlich diesen Antrag auch für richtig halte und daß dieser imperative Auftrag nicht meiner eigenen Meinung widerspricht. Wir sind der Meinung, daß die Leitung eines derartigen Verbandes mit einem solch umfangreichen Geschäftsbetrieb nicht einer unpersönlichen juristischen Person zu übertragen ist, die ihrerseits jeden Tag die Leitung einem anderen Mitgliede übertragen kann. Wenn Herr Dr. Apfel bis auf den heutigen Tag mit dem Kölner Verein vorzüglich steht, wer garantiert uns dafür, daß er im nächsten Augenblick sich nicht mit seinem Verein verkracht. Ich halte das für unzulänglich. Es gibt ja Studentenverbände, die aus 6 oder 7 Verbindungen bestehen und eine präsidierende Verbindung haben, aber unser Verband kann sich das nicht leisten. Wir müssen einen persönlichen Vorsitzenden haben, und daß Herr Dr. Apfel dazu der geeignetste ist, ist hier mehrfach hervorgehoben worden. Ich glaube, daß wir allen Anlaß haben, den vom Verbanvsvorstande fallen gelassenen Vorschlag aufzunehmen und für einen persönlichen Vorsitzenden einzutreten. Es ist weiter vorgeschlagen, einen stellvertretenden Vorsitzenden zu wählen, der seinen Wohnsitz in Berlin haben muß. Wenn Herr Dr. Apfel in der Führung der Geschäfte behindert ist, kann nur jemand einspringen, der am Orte wohnt. Herr Dr. Apfel hat allerdings gesagt, das würde er sich nicht bieten lassen. Er darf seine Erklärung doch nicht davon abhängig machen, ob sein Vertreter ein Zionist ist oder nicht. Um Weihnachten war der Fall schon einmal aktuell, als Herr Dr. Apfel sagte, ich bin nicht mehr in der Lage, die Geschäfte weiterzuführen, ich bitte um Urlaub