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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-06-01 · 6 (1.6.1911) · p. Seite 20

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
6 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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Ziehen Sie doch Ihre Abänderungen zurück. Wir können heute nicht unseren Tendenzparagraphen umiverfen. P i n th u S-Nordhausen : Ich höre zwar aus der ganzen Stimmung, daß für diesen Antrag keine Meinung besteht, möchte aber diese Gelegenheit benutzen, zunächst zu konstatieren, daß nach zweijährigem Bestehen des Verbandes auch unser Verein Nordhausen einen erfreulichen Aufschwung genommen hat und augenblicklich 38 Mitglieder zählt. Wir müssen dem Vorstande Dank sagen für die vielen Anregungen, die er uns gegeben hat. Der verehrte Herr Vorsitzende hat soeben den § 1 verlesen. Darin steht nur, was die Jugendvereine nicht wollen. Es ist heute morgen von vielen Vertretern der Organisation gesagt worden, daß die Jugendvercine das Selbstbewußtsein fördern wollen. Wo steht das? Das steht nirgends in unserem Statut. iLichtenberg: Das steht in uns selbst). Eö steht nur in unseren Statuten, daß wir die gemeinsamen Interessen fördern wollen. Welches sind die gemeinsame» Interessent Das muß vor allen Dingen im Statut zum Ausdruck gebracht werden. Wenn schon ein Normalstatut aufgestellt werden soll, dann muß darin stehen, daß wir gemeinsam das jüdische Selbstbewußtsein fördern wollen. Waö sollen wir den neuen Vereinen sagen t Wohin geht unsere Werbetätigkeit t Wir wollen nicht, daß bestimmte Richtungen vertreten werden, aber was wir eigentlich wollen, steht nicht in unserem Statut. Ich will mich bei meinen weiteren Ausführungen kurz fasten. Wir wollen hier nicht die Vereine zusammenfasten, die eine bestimmte Tendenz haben. Das ist nicht der richtige Standpunkt. Gewiß, neutral sollen die Vereine sein, aber ich sehe gar keinen Grund ein, weshalb ein Verein von jungen Leuten nicht auf einem gemeinsamen Gebiete arbeiten soll. Das ist doch, eine Förderung des Selbstbewußtseins der jüdischen Jugend. Ich sehe keinen Grund ein, weshalb wir solche Vereine ausschlicßen sollen. Um jeder Mißdeutung vorzubeugen, will ich erklären, daß ich kein Zionist bin. Dieser Antrag soll keineswegs dem Zionismus die Wege ebnen, aber wenn jede Richtung in den Vereinen ausgeschlossen werden soll, dann erreichen wir eine Farblosigkeit, die niemand mag. R.-A. Lichtender g-Hannover: Im Namen desVorstandes darf ich eine offizielle Erklärung abgebeu. Alle diejenigen Herren, die auf der ersten Delegiertentagung gewesen sind, werden wissen, wie wir Stunden um Stunden gekämpft haben um die Fassung dieses Paragraphen, bis wir uns auf dieser neutralen Basis geeinigt haben. Ich glaube nicht, daß wir so schwer Errungenes in vieler Stunde in kurzer Ueberlegung wieder fallen lassen wollen. Auf dem § I beruht unser Statut, er ist das Panier, mit dem wir kämpfen, darauf beruht unsere Größe und infolgedessen möchte ich bitten, daß der § l wörtlich so bleibt wie er ist. Vors. Dr. Apfel: Als Verbandsvorsitzender warne ich Sie davor, daß wir unsere Fahne ohne einen Anlaß nach zwei Jahren ändern. Durch eine Aenderung kann unser Verband auseinanderfallen. Zacharias- Bremen: Es ist ein Antrag auf Schluß der Debatte gestellt. M a r g u l i e s-Kattowitz: Ich halte den Antrag-Nordhausen für außerordentlich wichtig. Es liegt nicht ein Heilmittel darin, wenn wir die Diskussion abschneiden. Wenn eben das Bedürfnis vorhanden ist, und anscheinend ist es vorhanden, so ist es unsere Pflicht und Schuldigkeit, dieser Stimmung Ausdruck zu geben. Wir können uns in Ruhe darüber äußern. Aus diesem Grunde stimme ich gegen den Antrag auf Schluß der Debatte. Z a ch a r ija s-Bremen:"Wie uns Herr R.-A. Lichtenberg gesagt hat, hat dieser Paragraph unendliche Schwierigkeiten bis zu seiner Annahme bereitet. Es ist unglaublich, wenn wir ihn jetzt bereits ändern würden. Eine Aenderung des § 1 halte ich für nicht ersprießlich, da uns diese sehr leicht die Unterstützung der Organisationen kosten könnte. Ich bitte Sie dringend, den tz t in seiner bisherigen Form zu belasten, und empfehle Ihnen, die Debatte zu schließen. (Schluß der Debatte wird angenommen.) P i n t h u s - Nordhausen: Ich freue mich, wenn unsere Bestrebungen in hochherziger Weise unterstützt werden, aber das muß bedingungslos geschehen. Es geht nicht an, daß ein Verein verwarnt worden ist, weil er die Kühnheit gehabt hat, bestimmte Meinungen zum Ausdruck zu bringen. Geben Sie den Jugendvereinen Freiheit. Wenn diejenigen Vereine, die keine bestimmte politische oder religiöse Richtung verfolgen, in die Jugendbewegung eintreten wollen, dann können sie es auch tun, wenn der Antrag Nordhausen angenommen wird. Der Verband soll neutral bleiben, aber es soll die Möglichkeit gegeben werden, daß Leute, die frei und offen ihre Meinung zum Ausdruck bringen, Mitarbeiten können. Die Vereine dürfen nicht gezwungen werden, ihre Mitglieder nur deshalb anszuschtießen, weil sie eine bestimmte Richtung verfolgen. Damit hem'men wir die Entwickelung der Vereine. Wir müssen ihnen Freiheit geben. Das ist der Grundsatz dieses Antrages. Wir müssen also den Satz in die Statuten aufnehmen, daß wir in erster Linie das Selbstbewußtsein der jüdischen Jugend fördernwolleen. Vors. Dr. Apfel: Ich bringe den Antrag Nordhausen hiermit zur Abstimmung. Ich konstatiere, daß der Antrag unzweifelhaft a b g e l e h n t ist. Wir kommen jetzt zum § 2 der Statuten, ein Antrag liegt hierzu nicht vor. stuck.jur. Weilt- Straßburg (zurGeschäftsordnung): Es ist hier rühmend hervorgehoben worden, daß unser Vorsitzender, Herr Dr. Apfel, die Geschäfte schneidig führe. Dies erkenne ich rückhaltlos an, aber gerade durch diese allzu schneidigeGeschäftsführung bin ich zu kurz gekommen. Mein Antrag zu tz I ist nicht erledigt worden, es ist das sehr merkwürdig. Vors. Dr. Apfel: Ich möchte mir doch diese Art Kritik meiner Geschäftsführung verbitten. Wenn es mir im Drange der Geschäfte einmal passiert, daß ich einen Antrag übersehe, so ist das doch nicht gleich als merkwürdig aufzufassen. stuci. jur. W e i l l - Straßburg: Ich habe meinen Antrag formgerecht gestellt, bin aber in gewissem Sinne vergewaltigt worden. Vors. Dr. Apfel: Ich protestiere dagegen, daß Sie hier vergewaltigt werden sollten. stuck, jur W e i l l - Straßburg : Es ist das Hauptmoment des ersten Paragraphen, daß der Verband durchaus neutral sein soll, während im Antrag Nordhausen das wesentliche Moment war, der Verband solle das jüdische Selbstbcwußtsein fördern. Es lag mir daran, den Antrag Nordhausen mit dem Anträge zu K 1 zu verschmelzen. Darum habe ich folgenden Antrag gestellt (verliest den Antrag). Regensburger - Braunfchweig: Nur ein Wort, das rch als Statuten-Neferent Ihnen dringend ans Herz legen möchte. Die Fassung des § 1 ist damals von uns ausgearbeitet worden mit unserem Herzblut und jedes Jota erschüttert unsere Grundlage. Alle haben sich einmütig darauf geeinigt. Der Paragraph ist kein Zankapfel. Ich bitte dringend, auch diesen Antrag abzulehnen. (Der Antrag wird a b g cl e h n t.)

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