Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 6 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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zeugten von reifer Anschauung, wenn sie auch einseitig vom Standpunkte des Zionisten gesprochen waren. Ich möchte überhaupt hervorkehren, daß der Zionismus heute viel mehr Rechte in Anspruch genommen hat, als ihm in Wirklichkeit zukommt. Vorsitzender Dr. Apfel: Das betrifft Ihre Person nicht. Sie könnten höchstens sagen, daß Ihnen die Teilnahme der Zionisten persönliches Unbehagen bereitet hätte. Schönemann - Hannover: Ich bin in einer mich schmeichelnden Weise heute zum Mittelpunkt einer Diskussion geworden, bin mir aber nicht bewußt, daß ich Anlaß dazu gegeben hätte. Es scheint, daß das Persönliche gegen mich ausgespielt wird, und es ist notwendig, daß ich die Aeußerung, die ick in meiner Begrüßung als Vertreter der zionistischen Studenten-Korporationen gebrauche habe, richtig stelle, wie ich sie sagte, und wie ich sie meinte. Es ist klar, wenn ich als Vertreter zionistischer Korporationen spreche, daß ich dann nicht sage, entschuldigen Sie, daß auch ich da bin, sondern daß ich Sie als Vertreter zionistischer Vereine willkommen heiße. Ich meinte mit meinen Worten, daß alles, was jüdisch ist, für uns Zionisten ein Imperativ des Arbeitens ist, und mit meinem Wort, alles was zionistisch ist, muß jüdisch sein, meinte ich, daß alles, was Zionismus heißt, jeden Juden interessieren müffe. Vors. Dr. Apfel: Wir freuen uns, daß wir diese Rektifikation gehört haben. Wir sind am Schluß der Generaldebatte angelangt. Ich glaube konstatieren zu dürfen, daß jeder unbefangene Beurteiler von der heutigen Versammlung ein ganz ausgezeichnetes Bild gewonnen haben muß. Sollte dem einen oder anderen dieses oder jenes nicht gefallen haben, so hat doch die heutige Versammlung gezeigt, daß der Wille zur Einigkeit vorhanden ist, zu einer Einigkeit, die etwas leisten will zum Wohle des Judentums. Es wird ein Antrag auf Decharge des Vorstandes gestellt. Herr Rabbiner Dr. Galliner--Beuthen wünscht denselben zu begründen. Rabbiner Dr. G a l l i n e r - Beuthen: Die Generaldebatte ist beendet und damit auch die Kritik über die Geschäftsführung des Vorstandes. Man rann ja im Zweifel sein, ob die Wege, die der Vorstand eingeschlagen hat, immer die richtigen gewesen sind, und ob die Wege dieselben bleiben können. Aber wie dem auch sei, wie sich die Zukunft auch gestalten möge, eins wollen wir von Herzen wünschen, daß der Geist, der namentlich verkörpert ist in dem verehrten Vorsitzenden des Verbandes, der Geist jüdischer Duldung, jüdischer Treue, daß dieser Geist auch weiterhin im Vorstande walten möge. In diesem Sinne bitte ich Sie, dem Vorstand Dank auszusprechen und sich von Ihren Plätzen zu erheben. (Geschieht.) Vors. Dr. Apfel: Es ist beantragt worden, dem Vorstande Entlastung zu erteilen. Wenn sich kein Widerspruch erhebt, so nehme ich an, daß dem Vorstande einstimmig Decharge erteilt worden ist. Sodann habe ich im Interesse einer hier anwesenden, von uns hoch zu achtenden Persönlickkut folgendes zu erklären: Herr Jacoby, unser verehrter bisheriger und noch jetziger Verbandsredakteur, ist nicht etwa von mir gekündigt worden, sondern Herr Jacoby war dieser Tage bei mir und hat in freundschaftlicher Weise mit mir zusammen über eine Kündigung seines Vertragsverhältnisses gesprochen. Ich habe gesagt, daß ich dem Vorstande empfehlen würde, das Vertragsverbältnis zu löse», aber ausdrücklich betont, daß das nur durch Vorstandsbeschluß geschehen könne. Herr Jacoby wünscht aus dem Grunde feinen Posten bei uns nrederzulegen, weil er die Redaktion des Gemeindeblattes in Berlin bekommen hat, und weit er tatsächlich bei unserer Organisation, die noch in der Entwicklung begriffen ist, nicht diejenige Stellung haben kann, auf die er nach seiner ganzen journalistischen Vergangenheit mit Recht Anspruch zu haben glaubt. Es sind aus der Generaldebatte Anträge übrig geblieben, deren Erledigung nur wenige Minuten in Anspruch nehmen wird. Die Anträge sind sämtlich in der Generaldebatte berührt worden; ich schlage Ihnen deshalb im Namen des Vorstandes folgenden Modus vor. Jeder Antrag, der eingelaufen ist, wird verlesen, der Vorstand gibt seine Stellungnahme zu der Sache kund, und der Antragsteller hat dann das Schlußwort. Wir kommen zunächst zu dem Antrag Aachen. (Der Antrag wird verlesen.) Ich habe dazu die Erklärung avzugeben, daß der Vorstand in seiner Sitzung vom 4. Dezember 1910 zu diesem Punkte folgende Resolution gefaßt hat: „Jeder Verbandsverein hat die Pflicht, die Namen derjenigen Mitglieder, die aus dem Oi te seines Vereinssitzes wegziehen, der Geschäftsstelle des Verbandes unter gleichzeitiger Angabe des neuen Wohnones und der neuen Wohnung des Wegsiehenden mitzuteilen. Der Verbandsverein des neuen Wohnsitzes hat die Pflicht, den neu Hinzugezogenen zum Eintritt zu bewegen und etwaige finanzielle Vorausleistungen in den Vereinen des früheren Wohnsitzes in angemessener Weife in Anrechnung zu bringen." Der Vorstand bittet, es bei dieser Resolution des Verbandsvorftandes zu belassen. Ref. Löwen ft ein - Aachen: Die Resolution, die der Vorstand beschlossen hat, bezweckt etwas anderes. Was ich wünsche, ist, daß alle Leute, die an Orten fremder Verbandsvereine vorübergehend weilen, das Recht haben, an den Veranstaltungen dieser Vereine teilzunehmen. Dazu genügt es nicht, daß durch eine Liste bekannt gegeben wird, an welchen Orten und an welchen Tagen die Veranstaltungen statlfinoen, es muß jedem bas Recht gegeben werden, an den Veranstaltungen eines anderen Verbandsvereins teilzunehmen. Wenn das nicht geschieht, werden die Herren ihre großen Bedenken haben, dorthin zu gehen. Ich glaube, nachdem wir im Verbände zusammengeschlossen sind, daß jeder Angehörige eines VerbandövereinS zu allen nichtgefchäftlichen Veranstaltungen gern zugelassen wirb. Das ist im ersten Absatz ausgedrückt. Durch den zweiten Absatz will ich nur meinen Antrag praktisch ermöglichen, inoem wir den Mitgliedern Legitimationskarten ausftellen, aus denen zu ersehen ist, wo sie den Bruderverein finden können. Hierdurch läßt sich das praktisch durchführen, was der Vorstand will. Ich habe gar nichts darüber gesagt, und darüber geht die Resolution des Vorstandes hinaus, ob er auch berechtigt ist, dem Bruderverein zuzugehören. Das ist eine ganz andere prinzipielle Frage Ich habe von vielen Seiten bisher nur Zustimmungen f»r meinen Antrag gehört,, weil eö als ganz selbstverständlich erachtet worden ist, daß jeder Angehörige des Jugendvereins als gern gesehener Gast in allen Verbandsvereinen ausgenommen wird. (Der Antrag Aachen Nr. 1 wird einstimmig a n g e n o m m e n.) Herr Ref. Löweristein verliest seinen zweiten 'Antrag und Herr R.-Ä. Lichtenberg bringt den auf diese Sache bezüglichen Beschluß des Vorstandes, enthalten im Protokoll der lll. Vorstandssitzung vom 27. Februar 1910, zur Verlesung. Ref. Löwenstein (fortfahrend): Auch in diesem Falle handelt es si ch um eine ganz andere Frage, als mir der sich der Vorstand beschäftigt hat. Ich will keine Lösung der Frage der Stellung der verschiedenen Jugenbvereine zu den ein- 18