Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 6 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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werden, wird der Jugendverein aufgehört baben zu existieren. Ich hoffe und wünsche, daß der Geist des Judentums walten möge zum Segen aller. Heller- Berlin.- Als Delegierter des Berliner Vereins bin ich beauftragt, Ihnen über eine Reihe von Erfahrungen zu berichten, die der Berliner Verein auf sportlichem Gebiete gemacht hat. Wir haben vielleicht die meisten Erfahrungen in Deutschland auf diesem Gebiete und können Ihnen recht viel bieten, was Sie in Ihrem eignen Interesse verwerten können. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß sportliche Betätigung das beste Mittel darstellt, die jüdische Jugend unter der Fahne des Jugendbundes zu vereinigen. Der erste Punkt, zu dem ich sprechen will, ist der Antrag der Ortsgruppe Aachen, der den Verbandsvereinen empfiehlt, das Turnen ihrer Mitglieder eifrig zu förden. Vors. Dr. Apfel: Die Herren Stenographen beschweren sich, daß sie bei der großen Unruhe die Redner nicht verstehen können. Ich habe bereits mehrfach um Ruhe gebeten, muß aber nochmals ganz energisch zur größten Ruhe anffordern. Heller-Berlin: Der Antrag Aachen erfordert meiner Ansicht nach eine längere Erörterung. Er ist nicht unwichtig und enthält Umstände, die möglicherweise dem Jugendbunde Schaden zufügen könnten, wenn man nicht weiß, in welcher Weise man diesen Antrag gebrauchen soll. Ich mache darauf aufmerksam, daß in zahlreichen Städten Deutschlands jüdische Turnvereine bestehen, die teils in der „Jüdischen Turnerschaft" vereinigt sind, teils auf neutralem Gebiete stehen. Ich gebe dem Vorstande anheim, Mittel und Wege zu finden und den Vereinen bekanntzugeben (nicht als Resolution), daß in allen denjenigen Städten, in denen jüdische Turnvereine bestehen, gleichgültig welcher Richtung sie sind, diese Vereine sich den Jugenbbünden anschließcn. In denjenigen Städten aber, in denen solche Vereine nicht bestehen, soll eö den Vereinen unbenommen sein, eigene Turnerriegen zu errichten. Sie können versichert (ein, daß sie sich bei der Schaffung einer Konkurrenzturnvereinigung in 'solchen Städten, wo schon jüdische Turnvereine bestehen, die Gegnerschaft dieser Vereine zuziehen werden. In Berlin hat man in dieser Beziehung gewisse Erfahrungen gemacht. Die Konkurrenz hat zur Folge, daß diesen Vereinen, die heute zum Teil nur notdürftig bestehen, der Boden entzogen wird. Adler- Stuttgart: Ich möchte nur ganz sachlich einige Vorschläge zur Zeitnngsfrage bringen. Wir haben in unserem Verein eine kkmsrage angestellt, und da sind wir zu folgendem Vorschläge gekommen. Man möchte der Zeitung folgende Dreiteilung geben: 1) jüdische Rundschau, 2) Verbandsmitteilungen, 3) Belletristik. Der Zweck unserer Mitteilungen ist doch in erster Linie der, die einzelnen Verbandsvereine mit ihren Arbeiten bckanntzumachen. Allerdings soll der Zweck der Zeitung auch der sein, unsere Leser, die jüdische Jugend, in alle Fragen einzuführen und sie über alle Angelegenheiten aufzuklären. Wenn wir nun die bisher erschienenen Nummern der Mitteilungen betrachten, so müssen wir leider seststellen, daß der Zweck nach der einen Seite fast gar nicht und nach der anderen Seite recht mangelhaft erfüllt worden ist. Unser Vorschlag geht daher zunächst darauf hinaus, die Mitteilungen zu einem wirklichen Verbandöorgan zu machen. Die erste Abteilung, vielleicht am besten als Rundschau bezeichnet, soll als Einleitung des Ganzen dienen und Aufsätze oder kleinere Abhandlungen über wichtigere jüdische Fragen enthalten. In dieser Form bietet sie nicht nur unseren Mitgliedern, sondern auch den älteren Herren einen Interessanten Lesestoff. Sie wrrd uns dadurch neue Freunde zuführen. Als Hauptpunkt möchten wir aber die Verbandsnachrichten sehen. Da es sich um Mitteilungen handelt, fällt es aus. daß so wenig Verbandsvereine Aufnahme in den Mitteilungen gefunden haben. Diese bisher schwächste Seite der Verbandszeitnng muß dadurch gehoben werden, daß man von sämtlichen Vereinen einen Bericht über die verflossene Tätigkeit verlangt. Der nächste Pu»kt betrifft die Aufnahme der Belletristik. Das ist der Wunsch unserer jüngeren Mitglieder. Diese Abteilung soll eine fortlaufende Erzählung bringen, Biographien bedeutender Männer aus dem Judentum und solche Vorträge aus Vereinen, die es wirklich verdienen. Darauf wird ein Antrag auf Schluß der Generaldebatte angenommen. Folgende Telegramme werden verlesen: Der Dclegiertenversammlung wünscht guten Verlauf und erfolgreiche Arbeit zur Weiterentwicklung und Erstarkung unserer Jugendbewegung Jugendverein Gabriel Rießer in M.-Gladbach. Herzlichsten Dank für liebenswürdiges mick ehrendes und erfreuendes Gedenken, wünsche der Tagung erfolgreichen harmonischen Verlauf. Beste Grüße Maximilian Stein. Goslar- Berlin: Ich habe das Wort zu einer persönlichen Erklärung erbeten, da das, was ich heute vormittag angeführt habe, vom Verbandsvorsitzenden völlig falsch verstanden und interpretiert morden ist. Ich bin nicht so naiv, auf dem Standpunkt zu stehen, daß ein liberaler Jude minderwertig sei, wie eö mir Herr Dr. Apfel so liebenswürdig in den Mund legte, sondern ich bin nur der Ansicht, daß vor allem die in Berlin entstandene liberale Jugendbewegung zu bekämpfen sei, weil sie außer einem negativen und inhaltslosen Programm nur den Kampf gegen den Zionismus auf ihre Fahne geschrieben hat. Schönenberg - Berlin : Ich komme zufälligerweise nach Herrn Goslar zum Wort. Meine persönliche Bemerkung ricbtet sich auch gegen Herrn Goslar. Er hat gesagt, baß der Liberalismus entjudaisierend wirke. Ich glaube dazu Stellung in einer persönlichen Bemerkung nehmen zu dürfen, weil ich als Liberaler mich dadurch getroffen fühle. WennHerr Goslar der Ansicht ist, daß wir Liberalen entjudaisierend wirken, so ist seine Ansicht nicht richtig. Rabbiner Dr. Pvsn er-Eottbuö: Ich habe daö Wort nicht ergriffen zu einer persönlichen Bemerkung, sonder» zu einer persönlichen Erklärung, deren ich allerdings teilweise durch die letzte Erklärung des Herrn Goölar überhoben bin, die bereits durch den Vorredner rektifiziert worden ist. Die Worte des Herrn Goslar waren so allgemein gehalten, waren so unreif und so wenig. Vorsitzender Dr. Apfel: Ich bitte, da cs sich um eine persönliche Bemerkung handelt, nur Dinge zu be- < sprechen, die Ihre Person angehen. Den Ausdruck unreif weise ich hiermit zurück. Dr. P o s n e r - Eottbus: Ich habe mich schon um kt Uhr zum Worte gemeldet, weil ich hier in diesem Kreise der einzige liberale Rabbiner bin. Wenn die Worte unwidersprochen geblieben wären, so hätte das einen eigentümlichen Eindruck gemacht. Ich bin hauptsächlich hierher gekommen, um etwas zu lernen. Die Jugendvereine treten auf, als wären sie bereits fertig. Die Herren, die hier sind, mögen ja in ihrer Ausbildung fertig fein. Die Ausführungen des Herr» Blumenfeld 17