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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-06-01 · 6 (1.6.1911) · p. Seite 15

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
6 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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-CMS letzt^einen ganz ausgezeichneten formellen Rahmen, der sich wirklich als Organisation glänzend bewährt hat. Auf der anderen Seite sind wir jetzt in dem allersckwierigsten Stadium der Jugendbewegung überhaupt. Nickt mit Unrecht hat Herr Ref. Löwerrstein gesagt, der K. C. enthalte genau dieselben Richtungen wie der Jugendbund und habe auch dieselbe neutrale Organisation in jüdischen Dingen. Ich akzeptiere diesen Vergleich, und zwar deshalb, weil ich n. ine. daß die Gefahr in folgendem liegt. Ich glaube nicht, daß ich Sie mißverstanden habe, sonst möchte ich Herrn Löwenstein bitten, mich zu berichtigen. (Ref. Löwen st ein - Aachen: Ihre Auffassung war r chtig.) Blumenfeld: Ich möchte dazu folgendes sagen: Es ist auf der anderen Seite durch diese gute Organisation zu einer gewissen Stagnation gekommen. Dadurch, daß die jüdische Jugend gesehen hat, daß in den Vereinen viele hunderte von jungen Juden zusammensttzen, sind die Verhältnisse so verfahren, ist der Auflösungsprozeß ein so starker, daß es schon ein Ereignis war, daß man diese Erfolge im Judentum errungen hat, daß alle, die jüdisches Gefühl hatten, in die Jugendvereine eintraten und dann sagten: Nun sind wir gute Juden. Wir können mit diesem Erfolge zufrieden sein. Es ist außerordentlich charakteristisch, daß wir uns immer auf das minimale Programm, einigen wollen, während die ganze Zukunft der Dinge nur dadurch garantiert wird, daß alle, gleichgültig wer es auch immer fei, ein echtes Bild davon haben, daß die Leute, die daran arbeiten, eine innere Begeisterung hineinlegen, daß die Leute sehnsüchtig danach trachten, ihren ganzen Lebensinhalt für die jüdische Sache einzusetzen. Das ist gerade jetzt, wo die Jugendorganisation so außerordentlich gut funktioniert, die Hauptaufgabe der Jugendbünde. Wenn wir jetzt den Antrag Goslar annehmen, daß die Vereinsparagraphen gestrichen werden sollen, die die Gegenwartsdebalte aurschließen, so ist das etwas außerordentlich Symptomalisches, etwas, was ich speziell für den Anfang einer neuen Aera deshalb balte, weil die Jugendbünde Kampfplätze sein müssen. Das werden sie immer mehr werden, wenn sie ernsthaft sind, Kampfplätze der Geister. Es ist gerade das Große dieser neutralen Jugendbewegung, daß verhindert werden kann, daß die Richtungen aufetnanderplatzen. Damals war cs so, als wir den Verband noch nicht hatten, da konnten unbeilbare Risse entstehen, die eine Heilung auefchlossen. Atzt, wo wir einen festen Zusammenschluß haben, können im Schutze dieser Organisation, die auf absehbare Zeit gesichert ist, alle gegenseitigen Kämpfe innerhalb dieser Organisation ausgetragen werden. Gerade in den besten Jugendbünden, wo die Mitglieder die meiste Begeisterung haben, und die getragerr werden von einem großen Ziel, tobt dieser Kampf der Geister. Wir würden unsere jüdische Jugend sehr niedrig einfchätzen und ihr jede Entwickelungsmöglichkeit nehmen, wenn wir das aus den Jugendbünben ausscheiten wollten, wenn wir sie wirklich zu rein geselligen Vereinen, zu rein .neutralen" und ganz farblosen Organisationen machen wollten. Wen interessieren denn diese Dinge auf die Dauer 's Daß unsere Vorträge so schlecht besucht waren, daß das Vereinsleben in den geiclligen Veranstaltungen seinen Schwerpunkt hat, diese Tatsache gibt mir durchaus recht. Wo wirklich cin Kampf jüdischer Meinungen vorhanden ist, dort ist auch ein starkes Interesse an den Vorträgen und geschäftlichen Sitzungen. Wenn heute bei dieser ganzen Debatte immer wieder gesagt worden ist, Zionismus und Liberalismus, das sind die gefährlichen Dinge, so verstehe ich die Leute nicht. Vergessen Sie nicht, daß die ganze Jugendbewegung nur dadurch stark ist, daß es Richtungen im Judentum gibt. Das ist die ganze innere Triebfeder im Jugendbunde. Jeder einzelne muß so objektiv sein, dies zuzugeben, daß das die lebende Seele des Jugendbundes ist und ihm die ganze innere Existenzmöglichkcit gab. Ich will Ihnen davon ein Beispiel geben, das aber sehr charakteristisch ist. Wenn z. B. über den Zionismus geredet werden soll, dann sagen die Mitglieder, das darf kein agitarorischer Vortrag sein, sondern das muß irgend Jemand vortragen, der sich mit dem Zionismus beschäftigt hat, während eö doch so sein müßte, daß von jeder Richtung der hervorragendste Vertreter hinkommen müßte, damit die Mitglieder ein richtiges Bild von der Sache bekommen. Denn auf diese Weiie gehen sowohl die Zionisten als auch die anderen Richtungen in dem Jugendbund moralisch kaput, weil dann beide eine unehrliche Vertuschungspolitik treiben. Der einzelne will nicht immer offen sagen, ich bin Zionist oder ich vertrete irgend einen anderen Standpunkt, sondern die Leute werden sich in ihrer Betätigung immer so verhalten, daß sie erklären, wenn ich auch Zionist bin, so will ich doch für unsere Gesinnung in dem Jugendbunde niemals etwas erreichen. Wir gehen hinein in den Verein, um »ritzuarbeiten an dem allgemeinen Werk. Was ist das für ein allgemeines Werk? Für jeden doch der Kampf um seine Gesinnung und gleichzeitig der formelle Ausbau der Organisation, der so fest sein muß. daß ein Auseinanderfallen ein Ding der Unmöglichkeit ist. Diese Jugendbünde geben allen Richtungen die Möglichkeit, dort moralische Eroberungen zu machen. Sie müssen so organisiert sein, daß jeder einzelne mit vollem Herzen sagen kann, ich will hier für meine Ueberzeugung moralische Eroberungen machen und gleichzeitig kämpfen für den Jugendbund. In diesem Moment wird das Mißtrauen und die Gehässigkeit verschwinden, wenn sie von jedem wissen, daß er offen und ehrlich ist. Und jeder wird sagen können, ich will meine Ueberzeuaung im Jugendbund vertreten in der Form, die die einzig würdige ist, daß ich der Kenntnisreichste bin und möglichst viel verstehe und daß ich mich in einer Organisation nickt separieren kann, wo ich dauernd mit anderen Richtungen zusammen fein muß, wo die Kraft der Argumente ausschlaggebend ist. Es ist vielen von uns sehr schwer geworden, für einen Antrag zu stimmen, gegen den die meisten Zionisten sich ausgesprochen haben. Aber wir wollen einen persönlichen Leiter des Jugendverbandes haben und Männer, die persönlich von der Versammlung gewählt werden, damit sie mit der ganzen Autorität des Jugendverbandes umgeben sind, überall die Organisation zusammenhalten und verhinvern können, daß die Organisation irgendwie Schaden leiden kann. Jedem ehrlichen Zionisten und Anti-Zionisten ist der Jugendverband so wertvoll, daß er unter keinen Umständen eine Schwächung der Organisation wird gestatten wollen. Ich möchte Ihnen noch eins sagen. Ich kann auf den Inhalt der Dinge nicht näher eingehen. Vielleicht läßt sich das bei der Statuten- Debatte ermöglichen. Ich glaube aber, daß die Leitung so objtkliv sein wird, das zugestehen, daß man ruhig die Maßnahmen der Leilung unter diesem Gesichtspunkte kritisieren kann und daß man sagen kann, wir glauben, daß die Verbandsleitung z. B. bei dem Katlowitzer Bericht latjächlich von Rücksichten geleitet worden ist, die ich im Prinzip für falsch halte. Herr Dr. Apfel glaubt, mit Recht das streichen zu müssen im Interesse der Neutralität des Jugendverbandes. Das ist ein prinzipieller Irrtum. Gerade wenn wir so stark geworden sind, daß 15

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