Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 6 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4926451-6352328-6352450--0164-4929438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ieits verlangen, daß man auch unserem Verein Gerechtigkeit widerfahren läßt, was nickt immer geschehen ist. Es ist wiederholt vorgekommen, daß der Wert unseres Vereins nicht gewürdigt und zu gering dargestellt worden ist. Selbst von osfiziellen Rednern ist betont worden, daß der Jugendverein seine Existenz nur der zionistischen Partei verdanke. Es ist bestritten worden, daß wir sehr viel tun, was wir längst als eine Aufgabe der Jugendvereine betrachtet haben, nämlich daß die Fragen der jüdischen Religion und Geschichte besprochen werden. Ich möchte bemerken, wir haben einen Antrag gestellt und darin angeregt, daß der Verband seinen Vereinen empfiehlt, zum Vorschläge Düsseldorf Stellung zu nehmen. Wir meinen, wenn auch die innerliche Vertiefung eine der wichtigsten Aufgaben der Jugendvereine ist, so ist daneben doch ein aktives Eingreifen in die großen Fragen des praktischen Lebens erforderlich. Es ist bisher zu dem Anträge von zwei Seiten gesprocken, von einer Seite dafür, von einer anderen dagegen. Früher hat man gesagt, wir könnten uns in dieser Weise nicht betätigen, weil wir kein politischer Verein sind. Vors. Dr. Apfel: Ihre Zeit ist abgelaufen. Dr. O r z e g o w - Düsseldorf: Ich bitte noch, den Antrag Aachen anzunehmen. Blumenfeld -Jnsterburg-Kattowitz: Ich möchte den Herrn Vorsitzenden zunächst bitten, mich besonders zu schützen, da einige Herren von der Gegenseite mich als Geschäftsführer einer großen Organisation betrachten. Vors. Dr. Apfel: Sie sind hier nicht als geschäftssührender Sekretär, sondern als unser Delegierter und haben daher das gleiche Recht wie die anderen. B l u m e n f e l d: Wenn Sie das sofort getagt hätten, wäre meine Bitte überflüssig gewesen. Ich möchte Ahnen folgendes sagen. Was hat unser Verband zu leisten? Es ist hier manches gesagt worden, aber ich vermisse doch immer wieder eins. Die Herren haben alle möglichen Worte gebraucht, die an sich sehr schön gewesen wären, mit denen aber kein Mensch irgend einen Inhalt wird verbinden könnxn. Sie sprechen von der jüdischen Wissenschaft, die Sie den einzelnen beibringen wollen. Das war der Kernpunkt. Sie sprachen Worte, die dem zionistischen Wortsckatz entnommen sind, wre das Wort vom jungjüdischen Charakter; Worte, die uns allen heilig sind, und mit denen wir einen sehr tiefen Wesensinhalt verbinden. Es handelt sich um Worte, bei denen sich die einzelnen sehr begeistern, und die stimmungsmäßig wirken, aber es sind alles Begriffe, denen bestimmte klarumrissene Inhalte fehlen. Wenn Sie immer von der Begeisterung gesprochen haben, so meine ich, und diese Kritik muß gestaltet werden, daß mehr von dieser Begeisterung gesprocken worden ist, als sie tatsächlich vorhanden war. Im Gegenteil, wenn ich in Jugendbünde gekommen bin, dann habe ich gefragt: Wie arbeitet Ihr und was tut Ihr? Dann hörte ich immer wieder folgende Antwort: Zu den wissenschaftlichen Vorträgen, insbesondere zu den jüdischen, kommen sehr wenige Mitglieder, der stärkste Kitt und die größte Attraktion für die Jugendbünde sind immer die rein geselligen Veranstaltungen. Es gehört schon eine enorme Energie des Jugendbundvorsitzenden dazu, ich weiß daS selbst aus praktischer Erfahrung, das Interesse für ernste Dinge bei den einzelnen wachzuhalten, gleichgültig, wie die Gegenstände gestaltet sein mögen. Ich möchte Sic nun bitten, einmal zu überlegen, worin liegt der Grund für diese Erscheinung. Weil dadurch, daß man das Prinzip der Neutralität nicht nur als ein formales, sondern direkt als ein Ziel und als einen idealen Zustand für den Jugendbund hingestellt hat, die Jugendbünde ihre Aktivität und ihre Lebendigkeit eingebüßt haben. Es ist nichts klarer, als daß die Jugendvereine Erziehungsvercine zu sein haben, und daß sie aus ihren Mitgliedern solche Juden zu machen haben, die im späteren Leben Partei nehmen und ihren Mann stehen, ganz einerlei, in welcher Richtung. Es kommt nicht darauf an, daß man in einerkurzen Zeit die jungen Leute zusammenschließt, weil ein gescheiter Vorsitzender und . das Verbandsstatut immer wieder die Möglichkeit geben, daß die Gegensätze nicht aufeinander platzen, sondern der Verband soll ein wirksames Glied sein in der ganzen Entwickelung eines jungen Juden überhaupt. Und jeder einzelne, der in einen Jugendbundverein eintritt und dort arbeitet, tut es sicher nur aus der Erwägung heraus, weil er sich sagt, ich will mich für ein letztes jüdisches Ideal, das ich im Herzen trage, heranbilden. Die Kenntnisse sind allerdings etwas wichtiges, aber die Hauptsache ist die jüdische Gesinnung, Liebe zum Judentum, die sich dann einstellt. Vors. Dr. Apfel: Herr Blumenfeld, Ihre Redezeit ist abgelaufen. Dr. Simon- Berlin: Ich beantrage zur Geschäftsordnung, Herrn Blumenfeld weitere 10 Minuten reden zu lassen. Es ist für jeden von uns interessant zu hören, was Herr Blumenfeld uns sagen will. Vors. Dr. Apfel: Wenn ein wesentlicher Teil dieser Versammlung den Wun>ch hat, daß Herr Blumenfeld noch weitere 10 Minuten spricht, dann möchte ich bitten, das so einzurichten, daß vielleicht Herr Dr. Simon und noch ein anderer Redner auf das Wort zu Gunsten des Herrn Blumenfeld verzichten. Dr. Simon- Berlin: Ich bitte die Versammlung zu befragen und darüber abstimmen zu lassen, ob Herr Blumenfeld nicht jetzt gleich weiterreden kann, statt nachher für die beiden Herren einzuspringen, denn dann sind wir aus dem Zusammenhang heraus. Rechtsanwalt Müller- Halle: Es ist hier der Antrag gestellt worden, Herrn Blumenfeld ausnahmsweise das Wort länger als 5 Minuten zu geben. Ich bin ganz entschieden dagegen, und zwar aus dem Grunde, weil jeder andere für einen Herrn, der etwas anderes sagen will, oder für sich selber mit demselben Anträge kommen kann. Vors. Dr. Apfel: Ich bin der Ansicht, daß aus der Versammlung heraus der Antrag nur deshalb gestellt worden ist, weil der sachliche Kern der Ausführungen des Herrn Blumenfeld interessiert hat. Dr. Simon- Berlin: Ich gebe zu, daß jeder andere im entgegengesetzten Sinne genau so sachlich sein kann. Mein Antrag führt allerdings dazu, daß wir den vorher gefaßten Beschluß über die Verkürzung der Redezeit aufheben, aber meiner Ansicht nach ist die Versaizimlung in jeder solchen Frage autonom. Vors. Dr. Apfel: Wenn wir über diesen Antrag wieder einzeln abstimmen sollen, dann vergehen wiederum 10 Minuten. Da könnte es doch auf keinen Fall schaden, wenn Herr Blumenfeld weiterredet. Ich frage deshalb, welche Herren zu Gunsten' des Herrn Blumenfeld verzichten wollen. (Es verzichten 4 Redner und der Antrag wird darauf angenommen.) B l u m e n f e l d - Insterburg, Kattowitz: Ich ergreife mit einem gewissen peinlichen Gefühl noch einmal das Wort, weil ich weiß, daß viele Herren unbedingt dagegen sind und gleich von vornherein eine gewisse gegensätzliche Stimmung da ist, die eine ernsthafte Erörterung vollkommen unmöglich macht. Ich möchte Ihnen folgendes sagen im Anschluß an das, was ich vorhin ausgeführt habe. Ich sagte, unsere ganze Arbeit habe bis 14