Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 6 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Blumenfeld -Insterburg Kattowitz: Ich möchte bitten, den Antrag abzulehnen. Es sind noch Dinge von so prinzipieller Bedeutung vorzubringen, die sich in Minuten nicht sagen lassen. Bislang har man sich über Dinge unterhalten, die hauptsächlich persönliche Angelegenheiten betrafen. Gerade jetzt, wo man anfängt, sich auch über andere Dinge zu unterhalten, ist eine Beschränkung der Redezeit durchaus nicht angebracht. Behrens -Hamburg: Ich habe den Antrag auf Beschränkung der Redezeit gestellt, weil ich nach Einsichtnahme der Rednerliste, in die noch 30 Redner eingezeichnet sind, fand, daß wir vor Vs 8 Uhr mit der Generaldebatte nicht fertig werden. Sie wollen bedenken, daß auch bei 5 Minuten Redezeit beinahe 3 Stunden verstreichen werden, ehe alle 30 Redner zu Worte gekommen sind. Wenn wir bald zur Beratung der Statuten kommen und den Delegierten genügend Anregung geben wollen, müssen wir die Redezeit cinschränken. Vors. Dr. Apfel: Ich lasse über den Antrag auf Beschränkung der Redezeit abstimmen. Der Antrag wird mit 8l gegen 38 Stimmen angenommen. Bloch-Mainz: Ich bin in der angenehmen Lage, von der Redezeit keinen Gebrauch machen zu müssen. Ich habe von meinem Verein lediglich den Auftrag, anzufragen: ist es praktisch, weibliche Mitglieder in die Jugendvereine aufzunehmen, oder ist es vorzuziehen, einen selbständigen weiblichen Jugendverein zu gründen? Eö wäre mir sehr erwünscht, wenn ich hierüber etwas erfahren könnte, und wenn mir dafür Direktiven gegeben werden könnten. B l u m e n f e l d - Insterburg, Kattowitz: Ich stelle den Antrag auf Schluß der Debatte. Rabbiner Dr. P o s n e r- Cottbus: Es wäre eine Vergewaltigung, wenn wir jetzt die Generaldebatte schließen wollten. Es sind gerade von einer Seite so unendlich viele Dinge in die Debatte hineingeworfen worden, daß die Gegenseite unbedingt zu Worte kommen muß. Hören Sie deswegen diejenigen Herren an, die sich heute vormittag gleich zum Worte genieldet haben. Es ist doch ein großer Nnrerschied, ob man die Redezeit beschränkt, weil dann doch alle diejenigen, die sich gemeldet haben, zum Worte kommen, oder ob eine Vergewaltigung durch Schluß der Debatte eintrilt. Vors. Dr. A p f e l: Ich muß auf das energischste dagegen protestieren, daß hier irgend jemand beabsichtigt, die Versammlung zu vergewaltigen. Für den Schlußantrag spricht jetzt Herr Blumenfeld. B l u m e n t e l o - Insterburg, Kattowitz: Ich sehe nicht ein, daß ein geschaftsordnungsmäßiger Antrag eine Vergewaltigung bedeuten kann, dagegen weiß ich, daß geschäftsordnungsmäßige Anträge eine Vergewaltigung bedeuten können für die, die an der prinzipiellen Aussprache ein Interesse haben. Es ist unmöglich, daß in einer Generalversammlung des Jugendverbandeö, wo ein größerer Teil von uns über die allerwichtigsten Lebensfragen sprechen will, daß man da in 5 Minuten irgend etwas sagen kann. Das ist einfach lächerlich. Da kann man wohl fragen, ob es gut ist, besondere Frauengruppen zu gründen. Man kann aber nickt über prinzipielle Dinge reden. Deshalb halte ich diese ü-Minutendebatte für zwecklos. Die Sache liegt doch so, daß wir alle den Wunsch haben, uns hier ernsthaft auszusprechen, und wenn es auch bis Vs 8 Uhr dauert. Die Meinung der Delegierten zu vielen Dingen ist doch so wichtig, daß man sich durch eine längere Dauer der Aussprache nicht abschrecken lassen sollte. Gegen Ende der Debatte verzichten die meisten sowieso auf das Wort. Ich bin dafür, Schluß der Debatte zu machen. Diese 5-Minutendebatte ist eine Farce. Vors. Dr. Apfel: Wir kommen zur Abstimmung. Wir müssen uns darüber schlüssig werden, ob wir hiermit einfachem Modus abstimmen lassen wollen. Dr. Rosenkranz-Berlin: Vielleicht ist cs möglich, nur nach Personen abzustimmen. Vors. Dr. Apfel: Diese Anregung wäre nur dann durchführbar, wenn sie einstimmig akzeptiert wird, da es sich um eine Aufhebung der Statuten handelt. (Zwischenruf: Ich widerspreche.) Der Antrag Blumenfeld auf Schluß der Debatte wird abgelehnt. Felir Meyer-Frankfurt a. M.: Ich vertrete im Vorstand dcö Jugendverbandeö den neutralen Frankfurter Montefiore-Verein und bin auch der Ansicht des Herrn Blumenfeld, daß hier prinzipielle Fragen zur Debatte stehen. Ich bin aber der Ansicht, daß diese prinzipiellen Fragen absolut nicht im neutralen Jngendverbande interessieren können. Ich will nur zwei Tatsachen dorführen. Heute morgen vor der Pause hat das Vorstandsmitglied des Verbandeö, Dr. Simon, gegen den Vorstand des Verbandes polemisiert. Heute nachmittag hat Herr Dr. Rosenkranz in einer Weise gegen den Vorstand oes Verbandeö polemisiert, die mich auf das tiefste erregt hat. Wenn Sic sich nun vergegenwärtigen, was für Gegenstände es waren, die die Herren vorgebracht und weshalb die beiden Herren gegen den Vorstand polemisiert haben, aus welchen prinzipiellen Gründen die Herren handeln, dann überlasse ich es der Versammlung, aus diesem Vorkommnis den Schluß zu ziehen. Ich halte mich als neutrales Mitglied für verpflichtet, dies der Versammlung vorzutragen, und überlasse es der Versammlung, ihre Konsequenzen aus diesem Vorkommnis zu ziehen. Dr. Meyer- Bonn (zur Geschäftsordnung): Ich beantrage, die Rednerliste zu schließen. (Der Antrag wird angenommen.) Dr. O r z e g o w - Düsseldorf: Meine erste Aufgabe ist es, über die Anregung zu sprechen, die Düsseldorf gegeben hat. Das ist' die prinzipielle Frage, eie uns in letzter Zeit beschäftigt hat. Ich kann mich da ganz kurz fassen. Ich stehe auf dem Standpunkte des Frankfurterneutralen Vereins, daß alle Richtungen in unserem Verein zu Worte kommen müssen, daß irgendeine Propaganda in unserem Verein nicht stattfinden soll. Ich konime jetzt auf den Antrag Goslar, der bezweckt, caß an alle Vereine die Aufforderung ergehen soll, die Bejtimmung zu streichen, daß politische und religiöse Fragen im Verein nicht erörtert werden sollen. Dieser Antrag hat etwas ganz Selbstverständliches. Wir in Düsseldorf sind uns vollkommen darüber klar, daß diese Bestimmung, nachbem wir dem Verbände beigetreten sind, gestrichen werden muß. Wenn wir die Aufgabe, die der Vorsitzende bezeichnet hat, erreichen wollen, daß die verschiedenen Richtungen im Verein einander näherkommen sollen, gegenseitige Eindrücke auszutauschen und sich gegenseitig aufzuklären, so ist dieses nur dadurch möglich, daß diese Dinge erörtert werden. Andererseits haben wir einen Weg gefunden, um Mißstände, die sich ergeben könnten, zu beseitigen. Wir haben in die Statuten hineingesetzt, daß oerartige Debatten abgcschnitten werden können, wenn sie die Eintracht unter ken Mitgliedern und die Vereinsinteresfen gefährden. In dieser Form, glaube ich, ist der Vorschlag Goslar durchaus annehmbar, und sogar eine Notwendigkeit. Wir sind der Ansicht, daß alle Richtungen zu Worte kommen sollen, und wir müssen dann anderer» 18