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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-06-01 · 6 (1.6.1911) · p. Seite 12

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
6 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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uns erklärt hat, er habe dem Redakteur'der)„Mitteilungen" gekündigt, was natürlich der Sanktion' des Vorstandes des Verbandes noch bedürfe. Hier hat Herr Dr. Apfel glattweg gesagt: „Nein, das ist nicht der Fall." Man muß nicht mal so und mal so reden. Vors. Dr. Apfel: Herr Dr. Rosenkranz, sagen Sie doch ganz offen, Herr Dr. Apfel habe die Unwahrheit gesagt. Dr. Rosenkranz: Nein, das sage ich nicht; in dem Moment, wo Sie es sagen, meinen Sie es jawohl auch so. Meine Herren! Nun kommt die Kritik der Geschäftsführung. Herr Dr. Simon hat sich schon darüber verbreitet. Wir können die Kritik der Geschäftsführung auf einen Punkt beschränken, weil wir zugeben müssen, daß die Verbandsgeschäfte in guter Weise geführt worden sind, daß die Vereine das Gefühl gehabt haben, daß sie von einer Zentrale sorgfältig behütet und geleitet wurden. Aber, meine Herren, es ist doch nicht recht gewesen, daß, wenn ein Kollegialvorstand besteht, sich eine derartige Autokratie ausgebildet hat. Es wäre recht und billig gewesen, nach den demokratischen Prinzipien der Jugendvereinsbewegung zu verfahren. Auf meine Person lege ich keinen Wert. Man hätte streng nach den Statuten verfahren müssen. Wenn in Berlin ein Vorstgndsmitglied anwesend war, entsprach es den demokratischen Prinzipien, daß dieser Herr etwas zu den Verbandsgeschäften heran-, gezogen würde, wenn auch nur telephonisch. Herr Dr. Apfel möge sich in seiner Antwort nicht darauf berufen, daß ich nicht erschienen bin, das wäre ein ungerechtfertigter Vorwurf. Allerdings habe ich mein Interesse für die ganze Sache ganz außerordentlich gründlich verloren, als ich bemerkte, daß nian dort absolut beiseite geschoben wird. Einen Tag nach der ersten Delegiertenversammlung fand eine meines Erachtens verbindliche Besprechung der Vorstandsmitglieder statt, von denen man meiner Meinung nach annehmen konnte, daß sie von den Vereinen delegiert werden würden. Ich als einziger in Berlin Ansässiger wurde beauftragt, ein Rundschreiben abzufassen und zu verschicken. Am nächsten Tage erhielt ich von Herrn Ref. Regensburger eine Karte, die ungefähr folgendes enthielt: „Ich habe nach einer Rücksprache mit Herrn Dr. Finket verabredet, daß vorläufig Herr Dr. Kinkel die Arbeit weitermacht, sodaß Sie also weiter keine Arbeit davon haben." Ich sollte mich wahrscheinlich bedanken. Das war das Erste. Man sah, bei der guten Organisation und bei den guten Beziehungen war nicht viel zu machen und dabei ist es geblieben. Ich komme jetzt zur Zeitungsfrage. Diejenigen Herren, die auf dem ersten Delegiertentage anwesend waren, wissen, wie ich mich für die Gründung der Zeitung interessiert habe, daß ich mich mißliebig gemacht habe, daß ich auf der vorigen Versammlung in später Stunde mit außerordentlicher Energie für die Gründung der Zeitung eingetreten bin. Das waren Fragen, die von dem Delegiertentage erledigt wurden und nicht dem Vorstand überlassen blieben. Mir ist Interesselosigkeit vorgeworfen worden, ich habe aber meine Beweise. Ich habe ein leidlich ausführliches Expose für die Zeitung entworfen. Meine Grundsätze sind damals angenommen, die Zeitung ist gegründet worden; keiner meiner Vorschläge in bezug auf die.Uebernahme der Redaktion durch Leute, welche mir für die Leitung eines Blattes außerordentlich befähigt schiene», die mir bekannt und halb so billig zu haben waren, keiner dieser Vorschläge ist überhaupt der Prüfung für würdig befunden worden. Ich habe mehrere Herren vorgeschlagen, welche hervorragend geeignet gewesen wären und die Arbeit ehrenamtlich übernommen hätten. Sollten das zufällig Zionisten gewesen sein V (Lachen.) Lachen Sie doch nicht.1 Warum sollen denn immer die Zionisten auf einem Ausnahmestandpunkt stehen. Wenn wir Zionisten hier nur geduldet sein sollen, auf diese Stellung verzichten wir, dazu geben wir der jüdischen Jugendbewegung viel zu viel von unserer besten Kraft. Wenn wir nicht die Geduldeten sein wollen, dann ist auch dieses Lachen und Ihr Oho vollständig unangebracht. Selbstverständlich verkehre ich mit Zionisten, aber wenn die Herren, die ich vorgeschlagen yatte, auch Zionisten gewesen sind, so war dieses nach unseren Prinzipien durchaus kein Grund, überhaupt nicht in die Diskussion dieser Frage einzutreten. Diese übertriebene Aengftlichkeit war umso unangebrachter, als daneben eine Redaktionskommission noch hätte eingesetzt werden können, um eventuelle Befürchtungen als grundlos erscheinen lassen zu können. Nachdem ich nun gesehen hatte, welche Rolle ich bei der Zeitungsgründung zu spielen genötigt war, habe ich natürlich weiter keinerlei Interesse an der Sache gehabt. Was ich gesagt hätte, wäre doch in den Wind gesprochen gewesen. Herr Dr. Apfel kann mir deswegen nicht antworten, er sagt ja allerdings, er würde mir überhaupt keine Antwort geben, ich hätte mich um die Sache nicht gekümmert; damit kann er wohl bei der Versammlung wirken, aber berechtigt wäre der Einwand nicht. Die Zeitung, für die ich heute noch das größte Interesse habe, steht nicht auf der Höhe. Wer meint, daß die Zeitung auf der Höhe steht, ist nicht genügend bewandert, der kennt nicyt das unendliche Gebiet, das sich vor demjenigen auftut, der an der Wiedererstarkung jüdischer Gefühle arbeiten will. Ich hoffe, daß die Zeitungsdebatte zu Mitteln und Wegen leiten wird, um die Zeitung auf ein würdiges Niveau zu bringen. P i n t h u s - Nordhausen (zur Geschäftsordnung): Ich möchte doch bitten, die Debatte so einzurichten, daß wir auswärtige Delegierte, die wir mit großen Opfern von Geld, Zeit und Mühe hierher gekommen sino, um Anregung zu erhalten, auf unsere Kosten kommen, und solche persönlichen Zänkereien fortzulasfen. Vors. Dr. Apfel: Ich muß dringend bitten, das Wort persönliche Zänkereien zurückzunehmen. Keiner der Anwesenden hat hier persönliche Zänkereien vorgebracht. Das, was die Herren gesagt haben, haben sie für wichtig genug gehalten, um hier vorgebracht zu werden. Ich bitte also, diesen Ausdruck zurückzunehmen. P i n t h u s - Nordhausen : Wenn der Ausdruck nicht angebracht ist, so nehme ich ihn zurück. Ich habe aber jedenfalls den Eindruck bekommen, daß es sich hier um ' persönliche Zänkereien handelt. Vors. Dr. Apfel: Wir wollen aus den Worten des Herrn Pinthus eins aufgreifen. Wir wollen die übrige Debatte wieder auf ein allgemeineres Niveau zurückführen und nicht nur lokale Vereinssachen erörtern. Wenn ich Herrn Dr. Rosenkranz nicht antworte, so tue ich das im Interesse der Verhandlungen. Mich hat an der ganzen Rede des Herrn Dr. Rosenkranz nicht das Mindeste verletzt. Ich muß mich nur wegen eines Passus mir ihm persönlich auseinandcrjetzen, das geht aber die Delegiertenversammlung nichts an. Meine Herren, Sie wollen beachten, daß die Geschäfte schneller gefördert tmrbett müssen. Es liegt der Antrag vor, die Redezeit auf ö Minuten zu beschränken. Ich mache darauf aufmerksam, daß jetzt langsam die Zeit kommt, wo wir die Generaldebatte kontingentieren müssen, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, mit unserem alten Statut weiter wirtschaften zu müssen. Vielleicht will ein Redner gegen den Antrag sprechen. - 12 — )

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