Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 6 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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vlche Behauptung Nicht durchgehen lassen, denn sie erchüttert die Grundpfeiler unseres Verbandes. Bedenken Sie doch, bitte, es handelt sich hier nicht um die Frage des Zionismus und des Liberalismus, diese Fragen werden besser in der Debatte gar nicht angerührt. Hopp- Bremerhaven: Ich sage und bleibe dabei, nicht, daß sie trennend sind, sondern daß sie trennend werden können. Es geht doch schließlich darauf hinaus, daß Liberalismus, Zionismus, mögen sie heißen wie sie wollen, ihren Anhängern wirtschaftliche Vorteile bieten wollen. Das ist nicht zu bestreiten. Wenn wir die Jugendvereine zu Vereinen ausbilden, die wirtschaftliche Vorteile bieten sollen, so weise ich doch darauf hin, daß uns ganz andere Mittel zur Verfügung stehen, als wir sie heute anwenden. Ich verachte diese Mittel, ich halte sie sogar für schädlich und für geeignet, unserer Jugendbewegung, die so herrlich herangewachsen ist, daö Grab zu graben. Vor drei Wochen habe ich nicht ohne Scham und Zorn gelesen, daß schon im türkischen Parlament Rifaat Pascha gesagt hatte, in Europa sind ein paar verrückte Kerle... Vors. Dr. Apfel: Es würde zu weit führen, wenn Sie hier die Mitteilungen des türkischen Premierministers anführen wollten. Sie wissen nicht, was Sic damit anrichten. Hopp- Bremerhaven: Es ist aber notwendig, diese Mitteilungen anzuführen, um daö zu erklären, was ich Ihnen sagen wollte. Vors. Dr. Apfel: Ueberspringen Sie doch diesen Passus. Hopp-Bremerhaven: Das kann ich nicht, dann muß ich aufs Wort verzichten. Dr. Rosenkranz - Berlin: Obwohl Sie alle mit mir einig sind, daß die Rede des Herrn Hopp als eine Purim-Kundgebung anzusehen ist, muß ich doch mit wenigen Worten darauf zurückkommen, nur wenige Sätze. Vors. Dr. Apfel: Ich bitte, doch auf diese Rede nicht weiter einzugehen, da der Herr Vorredner auf das Wort verzichtet hat. Dr. Rosenkranz-Berlin: Ich will zunächst, bevor wir auf das Prinzipielle kommen, einzelnes unterstreichen, was der Vertreter des Ratiborer Vereins, Herr Margulies-Kattowitz, gesagt hat, und versuchen, es in das rechte Licht zu stellen. Ich wünschte allen, die die Rede zu beurteilen haben, die Vereinsberichte vor Augen führen zu tonnen, die in den Verbandsmitteilungen abgedruckt stehen. Es sind Berichte von den verschiedensten Vereinen, und wenn man mit diesen Berichten den Bericht des Kattowitzer Vereins vergleichen würde, dann würden Sie sehen, wie der Kattowitzer Verein zusammengesetzt ist. Jedenfalls steht fest, daß die Herren außerordentlich Ersprießliches geleistet haben. Das Programm, das der Kattowitzer Verein in diesem Winter aufgestellt hatre, kann den Anspruch machen, als ein vorbildliches Jugendbunds-Programm bezeichnet zu werden. Es ist die Tatsache nun einmal vorhanden. Ich nehme an, daß im Kattowitzer Verein meine zionistischen Gesinnungsfreunde die maßgebende Rolle spielen. Es ist der Beweis erbracht, daß die Zionisten einen Verein in geradezu mustergültiger Weise leiten können. Daß die Zionisten in Kattowitz die Oberhand haben, geht den Verband abolut nichts an, daö ist ein reiner Zufall. Wenn in Kattowitz die Liberalen die Oberhand hätten, dann würden eben liberale Vertreter hier sein und denen würde das Etikett nicht aufgeklebt werden. Wir müssen doch einmal, so sehr wir auch an der Jugendbewegung Mitarbeiten, uns ganz energisch verbitten, daß wir etikettiert werden. Rur wir Zionisten werden etikettiert, warum wird den anderen Herren kein Etikett angeklebt. Warum wird nachgeprüft, ob der Herr Neumann, der aus Hamburg kommt, zionistisch ist. Es muß doch ein eigenartiges Interesse bei der Verbandsleitung vorherrschen, festzustellen, welcher Gesinnung die einzelnen Delegierten angehören. Ich denke, bei den verschiedenartigen Kundgebungen, welche hier Widerhall gefunden haben, daß die Parteistellung innerhalb der Jugendvereine unmaßgeblich ist, daß das ein Verfahren ist, bei dem die Taten mit den Worten nicht im Einklang stehen. Ich selbst als Zionist wußte nicht einmal, daß der Parteisekretär, Herr Blumenfeld, heute hier anwesend sein würde. Herr Rechtsanwalt Dr. Apfel ist ja ein außerordentlich geschickter Leiter und wegen dieser außerordentlichen Geschicklichkeit haben wir eingesehen, obwohl wir vieles gegen ihn einwenden könnten, daß wir mit aller Macht dafür eintreten müssen, daß er die Leitung des Jugendverbandes behält. Herr Dr. Apfel ist so geschickt, daß ihm nicht einmal ausgefallen ist, daß es eine große Ungeschicklichkeit von ihm gewesen ist, dieses an die große Glocke zu hängen. Meine Herren! Sie würden das überhaupt nicht wissen. Ich frage Sie auf Ehre und Wort: Hätte einer von Ihnen in der heutigen Delegiertenversammlung Stellung dazu genommen, daß der Parteisekretär heute in unserer Mitte als Delegierter weilt? Herr Dr. Apfel hat auch in inkonsequenter Weise zum Ausdruck gebracht, daß Herr Blumenfeld ja als Jnsterburger Delegierter anwesend sei. Meine Herren! Sie haben vergessen, diese Inkonsequenzen zu beachten. Vorher hat er gesagt, daß nicht so sehr seine Delegation als seine Anwesenheit eine Gefahr für den Verbands der Jugendvereine bedeute. Der springende Punkt ist, daß er gesagt hat, seine Anwesenheit wäre überhaupt schädlich. Wenn die Verbandsleitung dieses nicht so hervorgchoben hätte, würden einige von Ihnen wissen, daß Blumenseld bei uns ist, keiner hätte prinzipiell dagegen gesprochen. Wenn ein Schade dadurch entsteht, so sind nur Sie daran schuld, denn nur Sie haben die Sache an die große Glocke gehängt. Ich bitte, schieben Sie die Fehler, die andere machen, nicht uns in die Schuhe. Ebenso hat Herr Dr. Apfel gesagt, man wollte den armen Berliner Jugendbund vor dem Vorwurf schützen, zionistisch zu sein. Meine Herren! Herr Dr. Apiel war es, der, als wir noch in Frieden lebten, als kein Mensch über Differenzen zwischen Zionisten und Anti-Zionisten gesprochen hat, selbst die Sache immer in die Debatte hiueingezogen hat, sodaß ihm selbst von antizionistischen Herren gesagt wurde, wir leben doch im völligen Frieden miteinander. Herr Ostberg hat in den Versammlungen Herrn Dr. Apfel gegenüber betont, daß Herr Dr. Apfel die Frage angeschnitten habe. Vors. Dr. Apfel: Im Interesse des Vereins möchte ich Sie bitten, diese Dinge nicht zur Sprache zu bringen. Wir sind in Berlin wieder die besten Freunde geworden und ich werde deshalb auf Ihre Rede nicht antworten. Die Berliner Veihältnisse haben sich wieder geglättet, und ich bitte Sie, Dinge, die beigelegt sind, nicht wieder zu zerstören. Dr. R o s e n k r a n z: So sehr wir auch dafür eintreten, daß Herr Dr. Apfel sein Amt möglichst lange behält, weil er ein außerordentlich geschickter Leiter ist, so sehr müssen wir doch immer wieder auf die Widersprüche Hinweisen, die Herr Dr. Apfel sich hier und dort hat zu Schulden kommen lassen, um ihn zu! einer gewissen Vorsicht zu erziehen. Ich weise darauf hin, daß Herr Dr. Apfel gestern und heute nachmittag einzelnen von