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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-06-01 · 6 (1.6.1911) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
6 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Ueberzeugung, ^Herr Dr. Apfel wird seine Bemerkung nicht aufrecht erhalten. Wir sind der festen Ueberzeugung, für die jüdische Jugend ist die Jugendbewegung, nicht die Jugendvereinsbewegung, eine Bedürfnisfrage. Wenn auch der Verband vielleicht ohne Herrn Brünn nicht existieren kann, eine jüdische Jugendorganisation in Deutschland hätten wir trotz Herrn Brünn und ohne seine finanzielle Unterstützung. Vors. Dr. Apfel: Als ich heute morgen auf den Geschäftsbericht verzichtete und bat, auf etwaige sachliche Vorwürfe in der Debatte erwidern zu können, da sprach ich den Wunsch aus, hinter Herrn Margulies zu Worte zu kommen, weil mir bekannt war, daß er eine Reihe von Vorwürfen gegen den Vorstand erheben würde. Ich muß zunächst sagen, ich hätte von Herrn Margulies etwas anderes erwartet, denn was er vorgetragcn hat, sind mit einer einzigen Ausnahme solche Kleinigkeiten, daß sie besser nicht erwähnt worden wären. Herr Margulies hat zwei Personen angegriffen, Herrn Dr. Finkel und Herrn Jacoby. Diese Vorwürfe waren so außerordentlich unberechtigt, weil ich Sie nämlich sofort darüber unterrichten will, daß derjenige, dem Sie so reichlich Lob gespendet haben, nämlich ich selbst, in den betnffenden Angelegenheiten der alleinige Attentäter gewesen bin. Wir haben ein Redaktionskomitee, bestehend aus Herrn Dr. Finkel, Herrn Jacoby und mir. Die Gerüchte über die Kündigung des Herrn Jacoly find insofern unrichtig, als die Kündigung nur vom Vorstände ausgesprochen werden kann. Es hat bisher nur eine freundschaftliche Aussprache stattgefunden zwischen Herrn Jacoby und mir über eine Lösung des Vertrages. Herr Jacoby hat sich darüber beschwert, daß er nicht genügend Einfluß im Redaktionskomitee gehabt habe. Der gegen Herrn Jacoby gerichtete Vorwurf trifft vielmehr Herrn Dr. Finkel und mich, und wir find bereit, ihn zu tragen. Ich gestehe ohne weiteres zu und will das in keiner Weise beschönigen, daß ich damals die Tatsache der Begründung des Kattowitzer Jugendvereins durch Herrn Blumenfeld, ferner die Geschichte mit dem Liederbuch „Jung-Juda" im vollsten Bewußtsein aus den eingesandten Berichten herausgestrichen habe. Damals, als das Eingesandt kam, da brach gerade in Berlin der große Sturm los mit dem Hordengeschrei: „Der ganze Verband ist zionistisch." Ich wollte nun nicht, daß in den gegnerischen Blättern steht: Seht, selbst der zionistische Parteisekretär gründet schon Jugendvereine. Heute, wo der Verband so erstarkt ist, würde ich nicht mehr so ängstlich sein. Jedenfalls ist es in der besten Absicht geschehen, die enormen Schwierigkeiten, unter denen unser Berliner Bruderverein zu leiden hatte, nicht noch zu vermehren. Dieser Versicherung werden Sie glauben. Weiter ist die Person des Herrn Blumenfeld nochmals in die Debatte gezogen worden und da will ick noch offener sein. Eines Tages bekamen wir vom Verein Kattowitz die Nachricht, als Delegierte wären der Vorsitzende, Herr Rappaport, ferner der zionistische Parteisekretär, Herr Blumenfcld, und der Zionist Herr Neumann, früher in Kattowitz, jetzt in Hamburg, gewählt. Als dieser Brief ankam, erhob sich von manchen Seiten ein großes Geschrei. Ich sagte, wir wollen den Fall in Ruhe betrachten, und da ich von den oberschlesischen Zionisten als ein besonders schlimmer Zionistenfreffer verschrien werde, so wollte ich mich nicht hineinmischen. Ich verwies die Sache an Herrn Regensburger und Herrn Lichtenberg, der als außerordentlich objektiv gilt und gern den Standpunkt der parlamentarischen Minderheit zu vertreten sucht. Die Herren haben mit mir über den Fall gesprochen. Nach dem Sinne unseres Statuts ist es doch zweifellos, daß wir die außerordentlichen Kosten und Mühen einer Delegiertenversammlung übernehmen, damit wir Gelegenheit haben, einmal mit den Leuten zusammen zu sein, mit denen wir sonst nicht in Berührung kommen können. Man muß den Kattowitzern zugute halten, sie haben in gutem Glauben gehandelt insofern, als das Statut die Sache nicht ausdrücklich berücksichtigt. Aber auch wir hatten insofern im besten Glauben gehandelt, als wir auf einmal vor der Tatsache standen, daß der Kattowitzer Verein den offiziellen zionistischen Parteisekretär Deutschlands in die Delegiertenversammlung entsenden würde. Nun bitte ich diese Frage einmal ganz nüchtern zu betrachten. Gegen die Anwesenheit des Herrn Blumenfeld als solchen hat kein Mensch etwas einzuwenden.. Aus der Anwesenheit des Herrn Blumenfeld verspreche ich mir eine gute Wirkung im Sinne der Vertiefung der Debatte. Aber Sie werden einmal sehen, was für eine Suppe Sie uns hier eingebrockt haben. Unsere Gegner werden aus dieser Tatsache Nutzen ziehen, es wird in ihren Berichten über unsere Tagung nichts weiter erwähnt werden als die Tatsache, daß selbst der zionistische Parteisekretär zugegen war. Nun kam die Frage, was soll gemacht werden? Ich bin immer derjenige gewesen, der gesagt hat, Blumenfeld ist uns willkommen. Die Kattowitzer haben im besten Glauben gehandelt. Wir wollen in Zukunft dafür sorgen, daß nur ortsansässige Delegierte bezw. Angehörige des Vereins entsendet werden. Gegen Herrn Blumenfeld richtet sich das nicht. Wir können uns nicht immer nur nach unseren Anhängern richten, wir müssen uns vielmehr auch nach den Gegnern richten. Wir wollen ja gerade, daß die gegnerischen Kreise zu uns herüberkommen. Durch diese Affäre wird uns die Arbeit sehr erschwert. Das sind Sachen, die ich absichtlich mit aller Schärfe betont habe, denn es ist wirklich nicht meine Art, etwas hinterrücks zu macken. Ich will mich hier nicht weiter daraus einlassen. Ich übernehme die Verantwortung für alles, was vorgekommen ist. Ich möchte noch aussprechen, daß Herr Margulies doch vielleicht nicht ganz die Stimmung der oberschlesischen Vereine zum Ausdruck gebracht hat. Mir fliegen da allerhand Zuschriften zu, die etwas anders lauten, aber einerlei, wir rechnen mit der Tatsache: Sie sind unsere Delegierte und damit unsere Freunde. Wir freuen uns so recht, aus der Rede des Herrn Margulies entnehmen zu können, daß er außer dieser Tatsache nichts weiter zu kritisieren hatte. Aber gegen eins müssen wir uns noch wehren, nämlich dagegen: Berlin gegen die Provinz auszuspielen. Ich persönlich bin doch noch nicht lange genug rn Berlin und bin noch zu viel mit der Provinz verwachsen, als daß dieser Vorwurf gegen mich zu recht erhoben werden könnte. Ich meine, das sind Sachen, die wir hier weglassen sollten. Wenn dann zum Schluß Herr Margulies mir den Ausdruck vorgeworfen hat, ich hätte gesagt, ohne Herrn Brünn wären wir nicht hier, dann weiß ich nicht, was daran tragisch ist. Herr Margulies ist an dem Ausdruck selbst ein bischen schuld. Es wäre mir lieber gewesen, der Verein, den er vertritt, hätte seinen Beitrag bis heute bezahlt, dann wäre die Bemerkung vielleicht überflüssig gewesen. Hopp-Bremerhaven: Meine Herren, es ist mir im Laufe der Debatte immer klarer geworden, daß Zionismus, Liberalismus und wie die Ismen alle heißen, nur dazu angetan sind, in unsere Bewegung Zwiespalt und dcn trennenden Keil zu treiben. Vors. Dr. A p f e >: Ich muß die Behauptung zurückweisen, daß irgend eine jüdische Partei geeignet ist, Zwiespalt in den Verband zu bringen. Ich darf eine

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