Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 6 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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wir werden uns von unserer Auffassung nicht abbringen lassen, daß es sich um ein ganz bewußtes klares Vorgehen handelt, die jüdische Verinnerlichung und Vergeistigung in einem Verein zu unterdrücken, daß man in Kattowitz Lieber aus „Jung-Juda" singt, und daß der Verein von dem Zionisten Blumenfeld gegründet wurde, das ist eine zweite Einzelheit. Eine dritte Einzelheit ist folgende: Der Kattowitzer Verein hat beschlossen, da er die 'Reisespesen nur für einen Delegierten ersetzt bekommt, als ersten Delegierten, wie cs selbstverständlich ist, den Vorsitzenden zu entsenden. Die beiden anderen Mandate, über die wir verfügen konnten, haben wir denjenigen beiden Herren übertragen, die sich dazu erboten hatten, sie kostenfrei zu übernehmen, und die in Beziehung zu unserem Verein standen, nämlich dem Herrn Parteisekretär Blumenfeld und Herrn Neumann short, hört!). Dieses Hört, Hört ist vollkommen ungerechtfertigt. Die Generalversammlung allein hat über die Entsendung der Delegierten zu beschließen. Ich halte es für notwendig, dieses Hört, Hört als außerordentlich charakteristisch fcstzunageln. Das Erste, das wir erhielten und zwar postwendend, das ist außerordentlich interessant, war folgender Bescheid, nicht vom Vorsitzenden des Verbandes, sondern von der Statuten-Kommission, d. h. von der Kommission, die sich damals mit der Vorbereitung von Aenderungen befaßte. Diese Statuten-Konnnission schrieb uns, sie sei zu der Ansicht gekommen, daß der von uns gewählte Modus nicht im Sinne des § 4 der Verbandchatzung erachtet werden könne. Denn wenn an sich der § 4 auch nicht ausdrücklich bestimmt, daß nur ortsansässige Herren Delegierte werden könnten, so folge das doch aus dem Sinn des Paragraphen. Die Statutenkommission fühlte sich also berufen, eine Interpretation dieses Paragraphen in dem Sinne zu geben, daß auswärtige Vertreter für einen Verein nicht zuzulassen sind. Es ist außerordentlich interessant, ich erinnere an das Hört, Hört, daß hier auswärtige Delegierte der zionistischen Partei, nämlich der zionistische Parteisekretär Blumenseld und Herr Neumann aus Hamburg gewählt wurden (hört, hört!). Ich möchte betonen, daß wir Kattowitzer mit diesen beiden Persönlichkeiten vollkommen vertraut sind, daß der Verein vollkommen gewußt hat, wen er wählt, und ich nehme für den Verein das Recht in Anspruch, seine Mandate so zu verteilen, wie es ihm paßt. Der Verein hat nicht nötig, sich Wahlbeeinflussungen von irgend welchen Instanzen gefallen zu lassen. Wir halten uns an das Statut und haben infolgedessen der Kommission einen entsprechenden Bescheid zukommen lassen. Darauf erhielren wir eine Antwort mit der merkwürdigen Einlenkung, daß es der Statutenkommission ferngelegen habe, die Plandate zu beanstanden, sie hätte nur darauf aufnierksam machen wollen, daß nach ihrer Ansicht diese Mandate, wenn auch dem Wortlaute, so doch nicht dem Sinne des betr. Paragraphen entsprächen. Im übrigen hätten wir das Recht, nach der Geschäftsordnung des Reichstages zu verfahren und die Prüfung der Mandate einzig und allein dem Plenum zu überlassen. Ich resümiere. Ich habe Ihnen hier alle Einzelheiten vorgebracht, die eins charakterisieren. Ueberall, wo jüdisches Leben pulsiert und wo nur irgend der Verdacht hervorgerufen werden kann, daß es zionistisch sei, wird es unterdrückt, in irgend einer Weise angegriffen und die Berichte darüber werden in den Verbandsblättern in einer Weife entstellt, daß die Berichterstatter jede Verantwortung ablehnen müssen. Ich bin also wieder da angelangt, wovon ich ausgegangen bin, bei der Zeitungsfrage. Ich habe heute privatim gehört, daß der erste Herr Vorsitzende demI Redakteur Jacoby gekündigt hat. Ich weiß nicht, ob das verbindlich ist, und es wäre mir außerordentlich interessant, dieses zu erfahren, denn damit würde die ganze Debatte ziemlich gegenstandslos sein. Wir fordern, daß an der Leitung unseres Blattes ein Mann steht, der es versteht, das Blatt so zu redigieren, ich möchte hier seine eigenen Worte zitieren, daß jeder seine Meinung frei äußern und seinen Standpunkt vertreten kann; nicht aber, daß, wenn einer einen positiv jüdischen Standpunkt einnimmt, daß dann in dem Bericht ein Satz gestrichen oder entstellt wird. Wenn man bedenkt, daß das Blatt Kosten verursacht, die unverhältnismäßig groß sind, und daß der Redakteur ein hohes Salär bekommt für seine Mitarbeit, wenn man diese ganzen Kosten zusammenrechnet, dann kann man unbedingt ein anständiges Blatt verlangen, ein Blatt, das auf einem Niveau steht, wie es der Verband beanspruchen kann. Ich muß leider gestehen, wenn ich mir dadurch auch einen Ordnungsruf zuziehen sollte, das Blatt steht noch lange nicht auf dem Niveau, wie es der große Verband für sich in Anspruch nehmen kann. Vors. Dr. Apfel: Herr Margulies, ich kann Sie wirklich für diesen Ausdruck nicht zur Ordnung rufen, denn Sie haben ja dem Verband ein außerordentliches Kompliment gemacht. Margulies: Ich entnahm aus den Worten des ersten Vorsitzenden, daß er ebenfalls bemüht sein wird, dieses Niveau zu erklimmen, daß er danach trachten wird, das Blatt auf dieses Niveau zu bringen. Meine Herren! Das, was ich in dieser krassen Form inbezug auf den Redakteur unseres Verbandsblattcs vorgetragen habe, gilt in gemilderter Form, ich kann mich hier nicht auf> Einzelheiten stützen, sondern beziehe mich auf die ganze Art der Korrespondenz und des schriftlichen Verkehrs, auch auf den Geschäftsführer-. Das ist nun das Wesentliche, was ich bezw. wir in der Provinz an der Leitung der Geschäfte auszusetzen haben. Man kann unmöglich über den Kopf der Provinz hinweg handeln, die Provinz hat ein Recht darauf, speziell die oberschlestsche Provinz hat ein Recht darauf, gefragt zu werden und auf die Leitung der Geschäfte Einfluß zu gewinnen. Das werden wir bei der StatutenänderungSdcbatte sehen. Damit wäre ich eigentlich zum Schluß gelangt. Ich möchte aber noch etwas nachholen, was nicht zu diesem Thema gehört. Mit außerordentlicher Betrübnis habe ich eine Aeußerung gehört und ich gestehe, es betrübt mich noch mehr, wenn ich bedenke, wer diese Aeußerung hat fallen lassen, nämlich derjenige Manu, dem wir in jeder anderen Beziehung uneingeschränktes Lob zollen, Herr Rechtsanwalt Dr. Apfel. Ich bin fest überzeugt, daß es sich nur um einen lapsus linguae handelt. Herr Dr. Apfel hat die Bemerkung fallen lassen, daß wenn Herr Brünn nicht wäre, so könnte der Verband nicht existieren, so wären wir nicht hier. Alle Hochachtung vor der Tätigkeit des Herrn Brünn, der den Verband balanziert, und vor der jüdischen sozialen Wohltätigkeit. Was für eine Vorstellung sollen wir in der Provinz vom Verbände erhalten? Der Verband als solcher ist nur möglich durch die finanzielle Unterstützung? Damit wird leicht der Anschein erweckt, der Verband hätte keine Existenzberechtigung. Der Verband als solcher hat nur dann Existenzberechtigung, wenn er aus sich heraus existieren kann. Entweder, der Verband ist ein Bedürfnis, dann wird er selbst stark genug sein, sich in seiner bisherigen Größe aufrecht zu erhalten, oder das Bedürfnis ist nicht so groß und dann ist es notwendig, daß Herr Brunn an der Spitze steht. Ich bin der festen