Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 6 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die ' Korrespondenzen, die wir in den Provinzvereinen mit der Zentrale geführt haben, sind in einer Weise geführt, die uns durchaus nicht befriedigt. Wir sind auf unsere Briefe oft ohne Antwort geblieben. Der Geschäftsführer hat gesagt, das hätte an dem ungeheuren Aufschwung des Verbandes gelegen. Das mag ja sein, aber wenn nach einem langen Stillschweigen Briefe kommen, die nur geeignet sind, das Mißverständnis nicht zu beseitigen, sondern nur noch zu verschärfen und einen Zwiespalt zwischen Provinz und Zentrale Hervorrufen, so muß ich bemerken, daß eine derartige Korrespondenz nicht eine solche ist, wie wir sie in den Provinzvereinen von der Zentrale wünschen und wie sie dem Verbände angemessen ist. Es handelt sich hier nicht um etwas, Persönliches, sondern um etwas Symptomatisches, um das System, das in der Verbandsleitung geherrscht hat. Ich werde Ihnen für die Einzelheiten Beweise bringen. Wir haben heute früh zu Beginn der Versammlung zugejubclt den begeisterten Worten des Herrn Ref. Ist Kahn: Wir müssen arbeiten an einer Vergeistigung, an einer Verinnerlichung der Jugendvereine. Wir müssen die Jugend mit jüdischem Wissen erfüllen und Werte schaffen in unermüdlicher Kleinarbeit. Meine Herren! Der Saal hat gedröhnt von Ihrem Beifall, aber ich bin davon überzeugt, wenn nicht Herr Kahn das gesagt hätte, sondern jemand, der als enragierter Zionist hier bekannt ist, Sie hätten ihn niedergezischt lOho-Rufes. Meine Herren! Es freut mich das Oho. Es beweist, In unserem Bericht hieß es: ... Die Gründung wurde seitens eines Komitees vorbereitet und in einer gut besuchten Versammlung am l. Februar v. I. nach einem Referat von Herrn Kurt Blumenfeld-Berlin durchgeführt. An einer anderen Stelle: ... Musikalische und rezitatorische Darbietungen und in letzter Zeit gemeinschaftliche Lieder aus dem von der jüdischen Turnerschaft herauegegebenen Liederbuch Jung- Juda, welches in 150 Exemplaren angeschafft wurde, trugen zur Unterhaltung und Gemütlichkeit bei. Durch Vorlesung jungjüdischer Lyrik, Erzählung östlicher Autoren, jüdische Volkslieder wurde zuweilen die jüdische Note gewahrt.. Der Schluß lautet in unserem Bericht: ... Die Tätigkeit des Jugendbundcs im ersten Jahre seines Bestehens war unifangreich und mannigfaltig. Ob Erfolge erzielt worden sind, kann jetzt noch nicht festgestellt werden. Erreicht ist worden der Zusammenschluß fast der gesamten Jugend der Gemeinde; ein großer Teil sucht und findet schon jetzt Befriedigung seiner gesellschaftlichen Bedürfnisse im Jugendbunde. Die Anfänge zu einem jüdisch-öffentlichen Milieu, das seinen Einfluß auch im Hause und in der Familie geltend macken wird, sind gegeben. Ob dieser Verheißung die Erfüllung bcschieden sein wird, hängt davon ab, inwieweit sich alle aktiven Mitarbeiter von der Ueberzeugung durchdringen lassen, daß die Existenzberechtigung eines jüdischen Jugendbundes lediglich in einer Politik beruht, die die Bildung und Entwickelung einer jüdischen Lebensanschauung bei seinen Mitgliedern zum Ziele hat. Und warum habe ich das vorgelesen? In diesen Berichten sind ausgerechnet die drei Stellen gestrichen oder entstellt worden, die ein positives jüdisches Leben im Verein zum Ausdruck bringen. Es wird Sache des Redakteurs sein, oder daß Sie mit dem bisherigen System in der Verbands' leitung nicht einverstanden sind. Ich werde beweisen, daß es in der Verbandsleitung so gemackt wurde. Der Kattowitzer Verein hat über seine Generalversammlung einen Bericht an das Verbandsorgan kommen lassen, wie es seine Pflicht ist. Der Bericht war 5 bis 6 Seiten lang und enthielt keine langweiligen Daten. Dieser Bericht ist von A bis Z wortgetreu abgedruckc worden, bis auf drei kleine Aenderungen, die ich mir erlauben werde, zur Illustrierung dessen vorzulesen, daß ich mich in meinen Ausführungen auf Tatsachen stütze. Vors. Dr. Apfel: Ich bin durch geschäftliche Angelegenheiten verhindert worden, zuzuhören. Mir wird mitgeteilt, der Herr Redner solle gesagt haben, daß, wenn ein Zionist die sraglichen Worte gesprochen hätte, daß er dann von uns ausgezischt worden wäre. Ich erblicke hierin eine Unterjckätzung dieser Versammlung, und ich möchte den Herrn Redner bitten, schon im Interesse der Bewertung seiner eigenen Kritik, derartige Ausdrücke nicht mehr zu gebrauchen. Margulies: Ich habe das Wort in vollster Absicht gebraucht, um die Meinung der Versammlung kennen zu lernen, und ich freue mich, daß Sie mir den gewünschten Beweis geliefert haben. Ich bestreite nicht, daß der Herr Redakteur das Recht hat, bei Artikeln und Berichten usw. aus sachlichen Gründen etwas zu kürzen oder zu streichen. In dem 5 Seiten langen Bericht sind folgende Aenderungen vorgenommen. Das Verbandsorgan druckte ab: ... Die Gründung wurde seitens eines Komitees vorbereitet und in einer gut besuchten Versammlung am I- Februar v. I. burchgeführt. Musikalische und rezitatorische Darbütungen und in letzter Zeit gemeinschaftliche Lieder trugen zur Unterhallung und Gemütlichkeit bei; zuweilen auch Vorlesung jung-jüdischer Lyrik, Erzählungen re. Wie nebenstehend, bis im Jugendbunde. Alles übrige gestrichen. wenn der Herr nicht anwesend sein sollte, des verantwortlichen Ersatzmannes, eine authentische Interpretation für diese Art der Entstellung und Wiedergabe eines Berichtes zu geben. Jedenfalls, wie diese Erklärung auch lauten wird, 8