Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 6 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Antrag vorerst nicht zu verlesen, sondern dies erst dann zu tun, wenn der nächste Redner länger als fünf Minuten spricht. Referendar Regensburge r-Braunschweig: Lassen Sie mich in ganz furzen Worten anknüpßn an die Mahnung, die unser verehrter Gönner Herr Brünn uns eben telegraphisch hat zuteil werden lassen. Als ich zu dieser Tagung kam, ich bekenne es ganz offen, war ich von einem hohen Grade von Skeptizismus erfüllt; ich glaubte, daß die Verhandlungen schon im Anfänge gewisse Differenzen ergeben würden, und daß sich nicht ein solcher Geist der Gemeinsamkeit zeigen würde, wie er heute zutage getreten ist. Ich bekenne mit Vergnügen, daß ich von einem Saulus zu einem Paulus geworden bin, und ich kann sagen, daß ich nach dem Verlaufe der heutigen Vormiltagstagung ebenso wie unser verehrter Freund Apfel von einem unentwegbaren Optimismus für unsere jüdische Sache erfüllt worden bin. Meine Damen und Herren! Wenn man nur einen Blick in diesen Saal tut, so betrachte ich und betrachten mit mir sicherlich viele schon die bloße Tatsache der heutigen Tagung als ein bedeutendes Ereignis im Verlaufe der jüdischen Bewegung. Vor drei Jahren wäre es noch unmöglich gewesen, daß überhaupt eine solche Versammlung hätte stattfinden können, und wenn wir uns, das ist ungeheuer lehrreich, einmal die Tagung von vor zwei Jahren in Berlin vergegenwärtigen und die Tatenfreudigkeit, die heute herrscht, mir der damaligen Debatte vergleichen, so können wir nicht anders sagen, als daß wir in den zwei Jahren, die wir existieren, nicht nur ein gehöriges Maß von Arbeit geleistet Kaben, sondern daß in diesen zwei Jabren das ganze Niveau gehoben und der ganze innere Geist, das ganze jungjüdische Bewußtsein, das auf ein großes Ziel losstrebt, wachgeworden sind in ungeahntem Maße. Meine Damen und Herren! Wir dürfen dies als einPrognostikon für dieZukunft betrachten, und ich möchte wünschen und hoffen, baß die heutige Nachmittagsversammlung, besonders soweit die Statutenberatungen in Frage kommen, an der mein Freund Lichtenberg und ich als Statutenreferenten beteiligt sind, unter demselben Geiste der Einmütigkeit stehen mögen. Das ist ja das Große an der Geschichte, wie Friedrich Schiller sagt, daß sie Enthusiasmus in uns wachruft, und wenn wir untere jüdische G>schichte betrachten, wir brauchen nicht auf die Vergangenheit zu blicken, sondern ich meine die Gegenwartsgeschichte unserer jungjudischen Garde, so ist sie auch im Stande, in uns jenen freudigen geschichtlichen Optimismus wachzurufen, von dem der große Dichter singt: Es ist eine Lust zu leben in diesen Zetten. Ich möchte der Meinung Ausdruck geben, daß unser Verband der Jugendvereine in der kurzen Zeit seines Bestehens auch nach außen hin eine ungewöhnlich geachtete Stellung einnimmt, und in diesem Zusammenhang sehe ich allerdings den Tadel, den Herr Goslar ausgesprochen hat inbezug auf die Veranstaltung unserer Emanzipations-Rundfrage, anders an. Ich bin vielmehr der Meinung, wir können cs auf das Konto unserer inneren Erstarkung und unseres Ansehens setzen und als eine Rechtfertigung der von uns vertretenen Ideen auffassen, daß so viele nichtjüdische Persönlichkeiten sich für diese Nummer zur Verfügung stellten. Es ist kein Kriechen und Buhlen um die Gunst der anderen, denn was die von uns denken, danach haben wir als selbstbewußte Juden nicht zu fragen. Aber es ist für uns eine freudige Tatsache, daß unser VerbandSbüro mit diesen Anfragen bei der Elite der deutschen Nation sich keinen Koib geholt hat, und ich glaube, daß diese Emanziparionsnummer sehr zur Popularisierung unserer jungjüdischen Ideen in den weitesten Kreisen unseres Vaterlandes beitragen wird. Und nun noch eins. Was mir den Grundton der heutigen Tagung anzugeben scheint, und was so viele unter Aufopferung von Zeit und, wie ich dankbar anerkenne, auch von Geld nach Hannover geführt hat, das scheint mir ein neues geschichtliches Faktum zu sein. Es ist endlich soweit wieder gekommen, daß wir uns Wenigstens allesamt vor dem Forum unseres Intellekts als Juden bekennen, und dieses Bekenntnis zu der großen Tatsache prägt sich in der heutigen Tagung aus. Der einzelne ist nichts, Organisation ist das Schlagwort unserer Zeit. Aber es soll sich einer am andern begeistern und beleben, und wenn auch widerstreitende Meinungen herrschen, so soll dock herausklingen der eine jungjüdische Wille zur Tat. Und das ist es, meine Herren, was auch einen Skeptiker, wie ich es gewesen bin, mit dem Geiste schönster Hoffnung für die Zukunft erfüllt. M a rg u I i e s -Kattowih: Ich bin in der unangenehmen Lage, heute als erster Redner einen gewissen Mißton in die Debatte zu werfen. Vors. Dr. Apfel: Herr Margulies, ich glaube nicht, daß irgend ein Delegierter in die heutige Debatte einen Mißton werfen könnte. Margulies: Es wird mich freuen, wenn Sie das, was ich zu sagen habe, richtig auffassen, nqmlich, daß ich nicht die Absicht habe, einen Mißton in die Debatte zu bringen, daß ich meine Ausführungen nur deshalb vorbringe, weil ich ebenfalls beseelt bin von dem großen Gedanken der Einigkeit und Einheit, waS von Herrn Brünn und dem Vorredner ausgesprochen ist. Aber, meine Herren, für mich ist dieses Ideal der Einigkeit ein viel höheres, das ich nur anerkennen kann unter der Voraussetzung, daß wir uns dort nicht Einigkeit Vortäuschen dürfen, wo sie in Wirklichkeit nicht vorhanden itt. Wir sind aus Oberschlesten herbeigekommen, haben Zeit, Mühe und Kostenaufwand nicht gescheut, um hier klinge zur Sprache zu bringen, die doch einmal ausgesprochen werden müssen. Es läßt sich nicht leugnen, daß wir in Oberschlesien und vielen anderen Provinzvereinen eine ganze Reihe von Dingen auf dem Herzen haben, bezüglich deren wir mit den Arbeiten des Verbandes in seiner bisherigen Tätigkeit nicht zufrieden sind. Ich betone von vornherein, daß alles, was ich hier vorbringe, in keiner Beziebung gegen den verehrten Vorsitzenden sich richtet; im Gegenteil, wir sind fest davon überzeugt, daß Herr Rechtsanwalt Dr. Apfel der tatkräftigste und geeignetste Führer des Verbandes ist, und wir hoffen auch, daß er die Geschäfte noch weiterhin und möglichst lange führen wird. Ich werde mich bemühen, Personen überhaupt nicht in die D-ba te zu ziehen. Wenn ich hier etwas vorzubringen habe, so richtet sich das gegen unseren Geschäftsführer, Herrn Dr. Finket, und gegen den Redakteur unteres Vereinsblattes, Herrn Albert Jacoby. Der Verband kann nur existieren und fruchtbar willen unter der Voraussetzung eines friedlichen Einvernehmens zwischen den Provinzvereinen und der Zentrale. Das ist bei der bisherigen Zusammensetzung der Zentrale nicht möglich gewesen. 10 bis 15 maßgebende Vereine haben sich zu einem Vorschläge zuiammeugefundcn, der erst in der »achfolgendenStatntenänderungs-Debatte zurBeratung kommen wird, den, zufolge die Vereine in der Provinz mehr Einfluß auf die Leitung der Geschäfte gewinnen sollen. Das ist das Positive, das ve,schiebe ich auf die nachfolgende Debatte. Ich beschränke mich hier auf die Kritik, bas Negative.