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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-06-01 · 6 (1.6.1911) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
6 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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denjenigen Mitgliedern zugute kommen, welche fast das ganze Jahr auf Reisen sind, welche ihre Heimat im "Eisenbahnwagen haben, und denen daher die einzelnen Vereine sehr wenig bieten können. Diesen soll unser großer Verband in ganz Deutschland ein Heim bieten, wir wollen ihnen Gelegenheit geben, überall eine Heimstätte zu finden, mit Gesinnungsgenossen Zusammensein zu können. Die technische Ausführung ist außerordentlich einfach, und zwar durch die Ausgabe gemeinsamer L eg i t i m a t i o n s k a r t e n. Der Vorstand wird die technische Ausführung übernehmen. Den Gewinn wird der ganze Verband haben. Ich komme jetzt zum zweiten Punkte. Ich wollte, das ist die Absicht meines Vereins, darum bitten, daß das Turnen in den Vereinen gehörig gepflegt wird. Meine Damen und Herren! Wir Juden haben eine vielhundertjährige geistige Kultur, aber vielfach wurde über der geistigen Kultur die körperliche Ausbildung vergessen. Wir müssen bemerken, daß unsere Mitglieder meistens Berufen angehören, welche sich mit körperlicher Tätigkeit nicht befassen. Diesen Ausgleich müssen die Jugendvereine geben. Wir müssen darauf hinarbciten, daß nicht nur eine geistig hochstehende Generation heranreift, sondern auch eine körperlich gesunde. Eine körperlich gesunde Generation ist von größter Wichtigkeit. Ich bitte Sie dnng-nd, gehen Sie in die einzelnen Vereine und fordern Sie dazu auf, daß überall neben der geistigen Kultur das Turnen gefördert wird, sei es nun in Turnriegen oder auf andere Weise. Wirken Sie in den einzelnen Vereinen darauf hin, daß gerade der. körperlichen Ausbildung allergrößter Wert beigemesfen wird. Die Judenheit wird nur dann etwas leisten, wenn sie körperlich gesund ist. Ich muß auch noch auf einige allgemeinere Ausführungen eingehen. Ich glaube, daß wir alle außerordentlich bedauern, daß sich eine besondere liberale Bewegung gegründet hat, und daß gerade die liberalen Kreise möglicherweise durch die liberale Bewegung von uns ferngehaltcn werden. Dadurch könnte, das wäre die einzige Möglichkeit, unseren Vereinen der Anschein gegeben werden, daß sie zionistisch sind. Liberale sollten so viel wie möglich in die Vereine hineintommen. Es wurde tie Frage angcschnilten, wie sollen .wir uns den eirrzelnen Bewegungen im Judentum gegenüber stellen. Meine Damen und Herren! Es ist selbstverständlich, daß wir keine Vertuschungömethode betreiben. Wir müssen unsere Mitgrieder belehren über alle Fragen, die die Judenheit angehen. Wenn wir aber die Fragen der einzelnen Organisationen beiprechen, dann müssen wir uns darauf beschränken, zu belehren, und wir dürfen niemals eine Propaganda in unfern Vereinen zulassen. Unser Verband darf kein Kampfplatz sein, auf dem sich die verschiedenen Parteien betätigen. Es darf keinen Sieger und keinen Besiegten geben. Wenn ein Kampfplatz geschaffen wird, dann werden die «inen siegen und die andern unterliegen. Wir wollen Individualitäten heranbilden und dürfen nicht zugeben, daß in unseren Vereinen der eine Zionist und der andere Antizionist ist. Wir müssen nur das eine Bestreben haben, die Jugendvereinsbestrebungen weiter zu bringen, wir wollen die Gesamtheit der Juden zusammenfassen. Darum dürfen wir selbstverständlich nicht die Vereine zu politischen Vereinen herausbilden. Run möchte ich zu dem Anträge des Vereins Düsseldorf Stellung nehmen. Nach meiner Ansicht ist es nicht angängig, daß tieJugendvereine als solche an den -Kaufmannsgerichts-und ähnlichen Wahlen teilnehmen. Das ist eine Aufgabe, die andere Verbände übernommen haben. Die Jugendvereine dürfen in diesem Kampfe als solche nicht auftreten. Es wird ein jeder einzelne soviel Selbstbewußtsein haben, wenn es sich um die Bekäckpfung des Antisemitismus handelt, daß er seine ganze Kraft einsetzt; das ist keine Verletzung unserer Neutralität, da sich die Neutralität nur auf die einzelnen jüdischen Organisationen bezieht, aber niemals auf unser Verhältnis zu den Antisemiten, die immer unsere Feinde bleiben werden und bleiben müssen. Resolution Schönenberg wird verlesen. Der Antragsteller ist nicht anwesend. Die Resolution wird abgelehnt. Rechtsanwalt H v r o v i tz-Frankfurt a. M.: Ich mache die Mitteilung, daß mein Verein auf Erstattung der Reisekosten verzichtet. Bevor ich daö Wort ergreife, möchte ich mich eines Auftrages entledigen. Der Frank» surter Jugendverein zählt 1200 Mitglieder, er ist der größte und älteste Jugendverein in Deutschland. Er hegt den Wunsch, die Verbandsvereine auf der nächsten Delegiertenverjammlung in Frankfurt begrüßen zu können. Dieser Wunsch ist einmal in unserer Vormachtstellung begründet, des weiteren darin, daß Frankfurt auch in allen humanitären und jüdischen organisatorischen Fragen vorbildlich dasteht. Frankfurt istdieGeburtsstätte derJugendvereine und ich hoffe, daß sie seiner Einladung Folge leisten werden. Bevor ich nun zn den einzelnen Anträgen übergehe, muß ich zu meinem Bedauern der Tätigkeit deS Verbandsvorstandes einen Tadel aussprechen. Dieser Tadel bezieht sich einmal auf die Enquete, die veranstaltet worden ist. Die Enquete ist zu begrüßen, der Zeitpunkt ist geeignet, und wir werden wohl aus den Antworten nur lernen können; es ist aber unzulässig gewesen, baß man einen Mann, wie Maximilian Harden, neben Leute setzt, deren Charakter wir bewundern und anerkennen, einen Mann, den wir vor allen Dingen trotz seines schillernden Geistes bei Beurteilung jüdischer Fragen nie zu Worte kommen lassen dürfen. Ein weiterer Fehler scheint mir in der Organisation der Tagesordnung zu bestehen. Wir wollen bei unserer Tagung die Bei bandsvereine über ihre Tätigkeit, ihre Einrichtungen und Erfolge berichten sehen. So wünschenswert und erfreulich Begrüßungen von Organisationen sind, so dürfen diese Begrüßungen doch nicht einen so wesentlichen Teil unserer Zeit wegnehmen, wie es geschehen ist. Wir müssen uns überlegen, ob nicht in künftigen Fällen, wenn die Tagung nur einen Tag dauern soll, die Begrüßungen auf den Vorabend der eigentlichen Tagung zu verlegen sind. Ich komme nun auf die Anträge zu sprechen, die hier gedruckt vor uns liegen. Es ist da zunächst die Frage der Teilnahme der Jugendvereine an den Kaufmannsgerichts- und ähnlichen Wahlen zur Sprache gebracht. In Frankfurt haben wir vor kurzem, zwar nicht offiziell, teilgenommen; es ist geglückt, drei Herren unseres Gremiums hineinzuwählen. Vor allen Dingen ist cs uns gelungen, nicht nur dieAntisemitenzmückzudrängen, sondern auch die neutralen Vereine, den 5der Verein und ähnliche, dazu zu zwingen, daß sie die jüdischen Kandidaten in aussichtsreiche Stellen placierten. Es ist notwendig, mit aller Macht zum Ausdruck zu bringen, daß die Kaufmannsgerichtswahlen kein Tummelplatz sein dürfen für extremantisemitische und extrem-bcutschnationale Bestrebungen. Wir können nicht wünschen, daß die Jugendvereine als solche politischen Anstrich erhalten, wir müssen aber darauf dringen, daß in allen Städten, wo es einigermaßen angängig erscheint, in dieser Beziehung gewirkt wird. Ueber den Kreis der Arbeit in unseren Jugendvereinen ist verschiedenes gesprochen worden. Es liegt auf der Hand, s —

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