Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 5 (1.5.1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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bisher noch keiner Richtung angehörten und nach keiner Richtung hin interessiert waren, aus einer Mittellinie zu sammeln. Wir wollen diejenigen Kreise, die sich zu uns bekennen, im jüdischen Jugcndvcrein bereinigen. Es ist uns 'dieses bisher noch nicht ganz gelungen, und ich wurde sehr dankbar sein, wenn die anderen Herren in der Generaldebatte »mir hierüber Erfahrungen Mitteilen oder Anregungen geben könnten. Die Schwierigkeit liegt aber in unferm Prinzip der Neutralität. Wenn uns jemand fragt:;Was seid Ihr und was wollt Ihr leisten?" dann müssen wir eine positive Antwort darauf schuldig bleiben. Wir können nur antworten: „Wir wollen alle jüdischen jungen Leute sammeln und ihnen Interesse für jüdische Fragen cinimpfen. Ich muß bekennen, das; der Besuch an den Freitagabenden bei uns in Breslau ein recht schwacher war, und m. E. fehlte auch das hohe geistige Niveau, auf dem die Freitagabende stehen müssen. Ich möchte ferner um Aufklärung darüber bitten, wie in andern Vereinen das Programm der körperlichen Ausbildung verwirklicht wird. Wir haben in Breslau einen jüdischen Turnverein, der auf nationalen; Standpunkt steht. Ter Verbandsvorstand soll empfohlen haben, daß an den Orten, wo jüdische Turnvereine bestehen, die Mitglieder des Ingcndvereins sich in diesen turnerisch betätigen. Dieser Vorschlag enthält m. E. eine Gefahr nach zwei Richtungen. Einmal gibt er ein Glied aus der Hand, er verliert eine Gelegenheit, seine Mitglieder persönlich aneinandcrzuschweißcn, und andererseits verletzt er damit gewissermaßen die neutrale Basis; denn es ist selbstverständlich, wenn vom Verbandsvorstande empfohlen wird, sich den national-jüdischen Turnvereinen anzuschlicßcn, daß dann die Mitglieder sehr leicht in national-jüdischer Hinsicht zu eng verbrüdert werden, und es kommt hinzu, daß die jüdischen Turnvereine, die nicht auf dem nationalen Standpunkte stehen, sich von der Arbeit an diesen Bestrebungen abhaltcn lassen. Wir in Breslau baben teilweise wegen dieser internen Schwierigkeiten nach dieser Richtung bin nichts nnternonnncn. Gerade der Sommer, der für sonstige Bestrelmngcn recht wenig Gelegenheit geben lvird, dürfte für körperliche AuSbildnng, für Rascnspicle usw. besonders günstig sein. Amb in dieser Beziehung bitte ich, daß der Vorstand uns eine gewisse Richtlinie verzeichnet, indem er uns sagt, lvie und in welcher Weise wir die Turnbewcgung in den jüdischen Iugendvcrcincn organisieren sollen. Ich möchte noch ganz kurz zu der Frage der Stellung der jüdischen Ingcndvercinc zu den liberalen Jugendvereinen sprechen. Ich glaube, daß es in einer derartigen Frage einen Zweifel nicht geben kann. Wer sich dem Verbände anschlicßt und die neutrale Basis, das Prinzip der Sammlung, ans seine Fahne geschrieben hat, der muß gegen den liberalen Verein Stellung nehmen. Aber das wird nur dann möglich sein, wenn wir auch den Liberalen Gelegenheit geben, in jüdischen Jugendvereincn z>l bleiben, wenn vermieden wird, daß die jüdischen Jngendvercine eine zu stackezionistische Färbung bekomnien. Ich bekenne mit Freuden, daß unser Iugendvercin in Breslau nach dieser Richtung hin volle Neutralität bewahrt hat. Wir sind uns darin einig, daß sich der Verein von irgend welchen zionistischen Tendenzen fernzuhaltcn _ hat. Es werden alle Fragen erörtert, vor allem jüdische Gegemvartsfragen. Es ist kürzlich bei uns einVortrag gehalten worden über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der Jugend, und dclnnächst lvird ein Vortrag über das Buch von Sombart gehalten werden. Diese Fragen müssen besprochen werden, aber trotzdem müssen wir uns davor hüten, daß selbst, Ivenn es innerlich cinnial der Fall sein sollte, nach außen hin der Anschein erweckt werde, daß wir zionistisch sind. Das möchte ich gerade den Herren Zionisten hier im Saale sagen. Ich erkenne an, daß auch wir, die wir nicht Zionisten siird, durch die zionistische Bewegung eine bedeutende Stärkung unseres jüdischen Sclbstbcwußtseins davongetragcn haben. Aber die Herren müssen anerkennen, daß auch diejenigen Juden, die nicht Zionisten sind, Juden sind. In einer Begrüßungsrede ist gesagt worden: „Alles jüdische ist zionistisch, und alles zionistische ist jüdisch." Das birgt die Gefahr in sich, daß alle liberalen Jude,; sich von uns abwcnden, daß Indifferente gar nicht zu uns kommen. Um zu vermeiden, daß man uns mit einem gewissen Mißtrauen begegnet, haben wir nns alle dahin geeinigt, uns nach keiner Parteirichtung hin zu betätigen. Der Verein als solcher muß neutral bleiben. Vors. Tr. Apfel: Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wenn ich auf die zwei Jahre unserer gemeinsamen Tätigkeit znrückblicke, wenn ich ferner die bisherigen Diskussionsreden in Betracht ziehe, so darf ich konstatieren, daß unser Verband zu den wenigen Organisationen gehört, die niehr gehalten, als sie versprochen haben. Die Anerkennung, die doch im großen und ganzen aus den Reden hervorklang, war sicherlich cine verdiente, und ich freue mich ganz besonders, daß die Debatte von vornherein auf einem so hohen Niveau stand, daß bisher kein einziger Redner kleinliche Gesichtspunkte in die Debatte gebracht hat. Jeder Redner war bemüht, unser oberstes Prinzip in seiner Rede zu verkörpern: nämlich tatsächlich Positives zu schassen. Ob der Weg richtig ist, den wir gehen, ob unsere Arbeitsmethode zutreffend ist, — das wird erst die Zukunft lehren. Die einfache Tatsache aber, daß die jüdische Jugend Deutschland? hier zufammenkammt, und cine Begeisterung zeigt, die nicht auf leeren Worten, sondern auf angestrengter Tätigkeit basiert, ist etwas Außerordentliches. Unser Zusammenschluß gibt der heutigen jüdischen Jugend ein ehrenvolles Zeugnis, und ebenso lvird es das historische Verdienst der Aelteren sein, daß sie verstanden haben, waS wir Junaen wollen. Heute sind die Zweifel, die unsere Gründungs- Versammlung beherrschten, gelöst. Insbesondere werden Sic gesehen haben, daß diejenigen untcr uns, die für cine enge Verknüpfung mit den großen führeildcn Organisationen waren, recht behalten haben. ES ist gegen meinen Willen auf meine Person eingegangen worden. Ich möchte aber betonen, daß kaum eine andere Organisation sich finden läßt, ,va ein solch harmonisches und darum fruchtbringendes Einvernehmen zwischen den leitenden Personen zu bemerken ist. linerschätzen Sie nicht den Ulmstand, daß in dem Vorstand unserer Organisation Herren wie Dr. Rosenkranz und Dr. Apfel tn freundschaftlicher Weise zusammenarbeiten gelernt haben. Ich glaube, damit haben lvir auch etwas Positives geschaffen. Ich möchte mrf einen Punkt des Kassenberichtes des Herrn Meher znrückkommcn. Es liegt -unS durchaus fern, von jemandem, der nicht dazu in der Lage ist, zu verlangen, daß er die Reisekosten für diese Telegiertenversammlung aus seiner eigenen Tasche trage» soll, aber andererseits bitte ich zu bedenken, daß, ivenn 1»