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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-05-01 · 5 (1.5.1911) · p. Seite 18

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
5 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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es, welche der jüdischen Jugendbewegung die Existenzberechtigung gibt. HanS Goslar - Berlin: Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ehe ich auf das eingehe, was meine Herren Vorredner hier angeführt haben, und wovon ich insbesondere das, was Rechtsanwalt Dr. Münz vorgebracht hat, voll und ganz unterschreibe, möchte ich aus dem zur Debatte stehenden Stoff das herausgreifcn, was ich als einen der Kernpunkte der ganzen Tagesordnung ansehe. — Herr Referendar Kahn hat vorhin m. E. mit lange noch nicht genügender Deutlichkeit betsnt, wie unser Verhältnis zu der neu entstandenen liberalen Jugendbewegung ist, und welche Stellung unsere Einzelvereine in dieser Frage einnehmen sollen. — Meine Damen und Herren! Die Sachlage ist doch die folgende: Hier ist eine neue Bewegung gleichsam aus dem Boden gewachsen, die gegen uns gerichtet ist, ja gegen uns gerichtet sein muh, weil wir bisher behaupteten, unsere neutrale zentralisierte Jugendbewegung sei die Repräsentantin der jüdisch empfindenden Jugend Deutschlands, sei ihr Sammelpunkt und ihre offizielle Vertretung. Jede Bewegung, die nach der unsrigen entstanden ist und sich an die jüdische Jugend wendet, muß demnach einen Keil in die einheitliche und zentralisierte Jugendbewegung treiben. Von diesem Standpunkt aus müssen wir die liberale Jugendbewegung betrachten. Es kommt noch hinzu, daß, so gut auch der Gedanke einer liberal-jüdischen Jugendbewegung gemeint sein niag, und so gute Juden und vortresfliche Menschen auch in ihrer Leitung sitzen mögen, diese Bewegung im letzten Ende doch entjudaisierend wirken muß. Ich frage Sie daher, meine Herren, wollen Sie, daß eine jüdische Jugendbewegung entstehe, die die Gleichgültigkeit gegen das jüdische Gesetz und den uirerquicklichen Kamps gegen alle positiv jüdischen Strömungen sanktioniert? Wollen Sie das, dann verhalten Sie sich gleichgültig, wollen Sie das nicht, dann geben Sie heute hier den Verbandsvereinen die strikte Weisung, wie sie sich gegen etwa entstehende liberale Vereine zu verhalten haben. Bis jetzt ist erst in Berlin ein solcher Verein gegründet worden, es besteht aber Aussicht, daß es Herrn Justizrat Breslauer und seinen Freunden, dank der ziemlich weitverzweigten Organisation der Vereinigung für das liberale Jugendtum gelingen wird, auch einige Provinzvereine ins Leben zu rufen. Wir kommen erst in zwei Jahren wieder zusammen, und in der Zwischenzeit kann eine liberale Bewegung entstanden sein, die den wirklich jüdischen Gedanken unabsehbaren Schaden zufügen muß. Wir müssen uns deshalb heute darüber schlüssig werden, was zu tun ist. Jeder Verbandsverein der jüdischen, neutralen Jugendbewegung hat die Pflicht, sich gegen diese Bewegung, die die Jugend in eine liberale Zwangsjacke pressen will, zu wenden. Wir müssen logischerweise auf das energischste die Konsequenzen hieraus ziehen. In dem Moment, wo wir diese Pflicht verletzen, haben wir mit dein Prinzip der Neutralität gebrochen. — Der notwendige Hinweis aus unser neutrales Prinzip führt mich dazu, eine zweite Frage anzuschneiden. In den Statuten vieler Verbandsvereine befindet sich noch ein Passus, demzufolge es untersagt ist, über politische und religiöse Dinge zu disputieren. Es ist mir nicht bekannt, daß ein Antrag, diese Vereine zu bitten, von diesem Passus abzusehen, hier eingebracht worden ift._ Ich fordere deshalb den Verbandsvorsitzenden, der, soviel aus seinen früheren Reden stets hervorging, in dieser Hinsicht auf meinem Standpunkt steht, aus, die Eliminierung dieses Passus zu veranlassen, gegebenenfalls werde ich diesen Antrag formulieren. 'Denn m. E. ist es der neutralen jüdischen Jugendbewegung unwürdig, ihren Mitgliedern da, wo sich eine Diskussion über die vitalsten jüdischen Fragen entwickeln soll, Scheuklappen vorbindeu zu wollen. - Falls hier Bedenken rein taktischer Natur bestehen sollten, genügt der erste Paragraph des Verbandsstatuts, um diese zu widerlegen. Ich möchte dann noch auf die Ausführung des Herrn Dr. Finkel eingehen. Ich denke mir die hebräischen Sprachkurse nicht wie er in Form erweiterter Konfirmationsstunden, sondern ivünschc, daß die hebräische Sprache als lebende Sprache gelehrt werde. Denn abgesehen von dem Umstande, daß das Hebräische die heilige Sprache unserer Gebete ist, hat sie auch in den letzten Jahren eine überaus große profane Literatur hervorgebracht, ist sie wieder vielfach zur Bolks- und Umgangssprache geworden und erweist sich dort, wo sie als lebendige Sprache gelehrt wird, überall als außerordentlich stark festigendes jüdisches Band. Ferner will ich mich noch mit der Zeitungsfrage beschäftigen. Es wird hoffentlich in der Nachmittags- Debatte möglich sein, ausführlich hierauf einzugehen, ich kann mich deshalb jetzt auf einige Andeutungen beschränken. Auch ich habe die Ankündigung in der letzten Nummer, die Enquete betreffend, mit einiger Heiterkeit begrüßt, ja habe sie anfänglich für einen hübschen Purimscherz gehalten. Denn ich meine, diese Enquete reiht sich absolut nicht logisch unter die Aufgabe ein, die unser Verbandsorgan zu erfüllen hat. Derartige Sachen sollte man doch getrost Blättern überlassen, die sich, wie beispielsweise das Blatt des Herm Prof. Geiger, stolz als das repräsentative Zentralorgan des gebildeten deutschen Judentums bezeichnen. Unsere Spalten, die Spalten eines Blattes, das der Jugend jüdische Impulse geben soll, eines Blattes, das sowieso nur monatlich erscheint und bisher nur noch recht wenig gegeben hat, sind dazu zu schade. M. E. gibt es doch nun mindestens noch Fragen, die unsere jüdische Jugend intensiver interessieren dürften, als die, wie Herr Giampetro vom Metropol-Theater in Berlin, bei dem auch dieserhalb angefragt worden ist, über die Emanzipation der deutschen Juden denkt. Rechtsanwalt N o t h m a n n - Breslau. Der jüdische Jugendverein Breslau, den ich die Ehre habe zu vertreten, besteht erst drei Monate, und >vir können daher keine Anregungen geben, sondern wir können uns nur auf das Recht des Kindes, zu fragen, beschränken. Fragen habe ich eine ganze Anzahl auf dem Herzen. Es ist von Herrn Kollegen Kahn der Wunsch angeregt worden, daß die jüdischen Jugendvereine sich geistig vertiefen mögen. Dieser Wunsch wird auch von uns geteilt. Aber ich glaube, in unserm Programm der strengsten Neutralität liegt eine gewisse Gefahr. Ich erinnere mich der ersten Veranstaltung in unserm Verein. Es ist uns bei dieser Gelegenheit entgegengehalten worden, daß wir dem Verein damit eine stark religiöse Färbung geben. Ja, meine Herren, das ist Tatsache. Es ist das eine Richtung, auf die ich nachher noch zu sprechen kommen werde. Es handelt sich bei der jüdischen Jugendbewegung darum, daß diejenigen, die

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