Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 5 (1.5.1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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l^njrrT’'' Felix Meyer per Akklamation Entlastung zu erteilen. Es erhebt sich kein Widerspruch, ich stelle daher sest, daß Herrn Meyer Entlastung erteilt ist. Wir treten nunmehr in die Generaldebatte ein und eröffnen dieselbe hiermit. Das Wort hat als Erster Herr Referendar Ist Kahn. Ich möchte aber sämtliche Redner bitten, von ihren Plätzen aus zu sprechen, da sie sich am Rednerpulte zu wohl fühlen würden. Referendar Ist Kahn - Köln: Keine sehr verehrten Damen und- Herren! Bevor wir in die Generaldebatte eintreten, möchte ich betonen, daß alle Herren, die zu unfern Führern berufen lvorden sind, mit solcher Hingebung, Sachlichkeit, Treue und Anhänglichkeit gearbeitet haben, daß nicht Worte des Dankes genug dafür ausgesprochen werden können; insbesondere muß ich dem hochverehrten Ehrenvorsitzenden unseres Jugendvcreins Gabriel R i e ß e r in Köln Herrn Dr. Apfel, unfern tiessten und herzlichsten Dank aussprechen für seine Arbeit, die ihm trotz der großen Mühen niemals zu viel geworden ist. Ich glaube, daß dieses Gefühl der Dankbarkeit die ganze heutige Verhandlung durchziehen wird, und daß dieses Gefühl auch den Ausdruck der Einmütigkeit dieser Versammlung in sich einschließen muß. In diesem Sinne lassen Sie uns gleich eintreten in die Generaldebatte und alles kurz und sachlich zusammensassen. Lassen Sie mich einige Worte dazu sprechen, was geschehen muß. Wir in Köln vertreten den Standpunkt, daß es jetzt, nachdem wir zwei Jahre bestehen, darauf ankommt, eine Vertiefung ,eine Vergeistigung unserer Bewegung vorzunehmen. Das ist die Lebensfrage unserer Gemeinschaft. Wir müssen alles das umfassen, was das jüdische Leben betrifft. Wir müssen in unseren Vereinen dahin arbeiten, einen jeden so weit dafür zu interessieren, daß er selbst dem Studium der jüdischen Wissenschaft sich hingibt. Wir stehen im Anfang einer großen Bewegung und müssen darauf bedacht sein, daß diese große Begeisterung, die heute in »ms allen vorherrscht, dauernd für alle Zeiten wach bleibt. Wir brauchen nicht nach der Ursache zu fragen, worauf diese Begeisterung beruht. Wir müssen den Vereinen dahin kommen, daß ein jeder Verein in der Kleinarbeit seine höchste und wichtigste Aufgabe erblickt. Meine Damen und Herren! Wenn wir so objektiv, rein neutral das Wesen des Judentums aus den Quellen herausschöpfen, dann ist es bedauernslvert und fast unverständlich, wenn im letzten Augenblick eine Gegenbewegung aufersteht und auferstehen konnte, weil sie uns niimner verstanden hat, weil sie kein Verständnis hat für alles das, was »ms einigt. Mögen die Gründe, die zur Bildung des Berliner liberalen Vereins geführt haben, welcher Art auch immer sein, es gibt für diese Zersplitterung keinen Entschuldigungsgrund. Wir haben wieder das traurige Ereignis, daß, nachdem das Kind eben geboren, kaum flügge geworden ist, die Jugend sich wiederum spaltet in religiöse Gegensätze. Es muß uns das Gefühl des Bedauerns beschleichen, wenn in der Metropole in der Jugend solche Geister erstehen konnten. Nicht, daß wir Angst haben, daß uns eine solche Gegenbewegung schaden könnte. Wir sind überzeugt, daß unser Verband auf den richtigen Grundlagen geschaffen worden ist. Aber es gibt Hemmnisse, die uns aufhalten auf dem Wege zur Erreichung unseres Zieles, und solche Hemmnisse sind umso bedauerlicher, weil wir möglichst schnell zu einem positiven Ergebnis kommen wollen. Herr Dr. Finkel, dem wir für seine exakten Ausführungen zu besonderem Danke verpflichtet sind, ' hat eben gesagt, daß manche Vereine einen Zuschuß von außen haben müssen an geistiger Kost. Ich vertrete einen gegenteiligen Standpunkt. Wir müssen so arbeiten, daß wir an geistiger Kost selbst genügend haben. Das wäre die erste Jugendbewegung Deutschlands, die daran zugrunde ginge, daß sie immer und immer wieder das äußere Moment zum wichtigsten machte, weil sie sich nicht verinnerlichen konnte. Wir müssen dahin arbeiten, daß wir in uns selbst so viel geistige Kraft haben, uns zu erhalten. Der Verband als solcher hat zweifellos exakt und tadellos gearbeitet, er hat ohne Zweifel im Rahmen der deutschen Organisation viel Kleinarbeit geleistet; er allein aber kann es nicht und demgemäß müssen Unterverbände oder Bezirksverbände geschaffen werden. Was ein solcher Verband leisten kann, wissen wir. Die Herren in Nordwestdeutschland haben ja einen derartigen Verband gegründet, und wir sind ihrem Beispiele gefolgt und haben einen Verband für Westdeutschland gegründet. Meine Damen und Herren! Es sind eben zu Beginn der Begrüßungen eine Reihe von Momenten geäußert worden, es ist da ein Punkt angeschnitten worden, den ich nicht durchgehen lassen kann. Ich kann es deshalb nicht, weil es vielleicht bestimmte Momente sind, die uns zwingen, dazu Stellung zu nehmen. Wir in Köln sind glücklich darüber, daß wir es so weit gebracht haben, daß keine religiöse Bewegung, keine politische Bewegung sich ausschließt. Nichts ist verderblicher als Einseitigkeit. Meine Damen und Herren! Wenn hier schon gesagt ist, daß alles was jüdisch ist, zionistisch ist, dann kann ich eine solche Aeußerung von meinem Standpunkte aus nicht unwidersprochen hinnehmen. Ich bin stolz darauf, daß ich auf konservativem und andere meiner Kollegen auf entgegengesetztem Standpunkte stehen. — Meine Damen und Herren! Ich komme weiter zu einer anderen Frage, lieber die Frauenfrage müssen wir uns eines Tages gründlich aussprcchen. Es existieren so viele Frauenvereine, daß wir uns bemühen müssen, sie in den Verband hineinzubekommen, sonst gehen sie zugrunde. Ich bitte die Herren des Vorstandes, unbedingt auf diese Mädchenvereine zu achten, daß sie in unfern Verband hineingezogen werden. Die Zeitungsfrage kann ja nachher behandelt werden, manches ist gut und manches ist schlecht. Das aber ist esj was uns in Köln am meisten am Herzen liegt, daß wir alle dasselbe wollen, daß wir alle einig sind in der jüdischen Jugendbewegung. Die jüdische Jugendbewegung ist im Marsch und nichts wird sie aufhalten. S ch ö n e n b e r g - Jugendbund Berlin: Ich bin eigentlich mit der Absicht hierhergekommen, einen Tadel gegen den Verbandsvorstand auszusprechen, und zwar gegen den Beschluß, der sich gegen den liberalen Jugendverein wendet. Vor 5 Kinuten wurde mir eine Druckschrift übergeben, in der Herr Justizrat Breslauer seine Ansicht über den liberalen Jugendbund-Berlin zum Ausdruck gebracht hat. Der Vorstand hat sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß sich ein Tendenzverein gebildet habe, der unfern Bestrebungen entgegenwirke. Aus dem Schreiben des Herrn Justizrat Breslauer geht hervor, daß es nach seiner Ansicht unmöglich sei, Liberale und Zionisten in einem Verein v zusammenzuhalten. Herr Justizrat Breslauer hat nachträglich den Beschluß des Vorstandes gerechtfertigt. Ich hatte die 16