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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-05-01 · 5 (1.5.1911) · p. Seite 14

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
5 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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Organisationen waren nicht unsere Inspektoren sondern unsere Gönner und Förderer. — Der Utnstand, daß die bekannten jüdischen Organisationen die Jugendbewegung als einen nicht zu unterschätzenden Faktor in der Entwicklung der deutschen Judenheit angesehen, der sie ihre Aufmerksamkeit widmen zu sollen glaubten, war für uns der beste Empfehlungsbrief. Die jüdische Welt sagte sich, wenn die bewährten Organisationen den Wert der Jugendbewegung so hoch einschätzen, so muh ja an ihr etwas Gutes sein. Diesem Umstande ist es vielleicht auch zuzuschreibcn, daß die Propaganda sehr leicht vonstatten ging, und daß sie bei uns sehr geringe Mittel in Anspruch nahm, während doch sonst die Propagierung einer Idee durch Vortragsreiscnde und mannigfache Drucksachen recht große Summen verschlingt. — Ueberall, bei den Gemeindeverwaltungen, den Logen, den Ortsgruppen des Zentralvereins, dcn Rabbinern und Lehrern haben unsere Bestrebungen Verständnis und wohlwollende Förderung gefunden. Daß wir und mit uns unsere Vereine dabei nicht untätig waren, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Ueberall haben wir mit Hilfe unserer Freunde den Boden gelockert und ihn für unsere Bewegung empfänglich gemacht. Durchdrungen von dem Segen, den die Jugendbewegung in sich birgt, haben unsere Vereine mit dcm der Jugend eigenen Eifer gearbeitet und die von ihr einmal erfaßte und als richtig erkannte Idee in die Nachbarschaft getragen. Insbesondere hervorgetan nach dieser Richtung hat sich der Nordwest-Deutsche Bezirksverband mit seinem Vorort Bremen, die Vereine Stettin, Lörrach, Bochum, Elberfeld, u. a. m., die wir in unseren „M i t t e i l u n - g e n" rühmend erwähnten. Auch nach dem Auslände wie Oesterreich, Schweiz, Rumänien und Palästina sind die Ideen der Jugendbewegung gedrungen. In Prag ist auch bereits eine Jugendgruppe unter dem Rainen Johann-Gottfried-Herder-Vereinigung gegründet worden, die freundschaftliche Beziehungen mit uns angeknüpft hat. Meine Darnen und Herren! Die goldenen Früchte der gewissenhaften, gemeinsamen Aussaat sind nicht ausgeblieben; nach einem Zeitraum von kaum zwei Jahren ehrlicher und angestrengter Arbeit stehen wir angesehen und geachtet da. Unser Streben muß aber in Zukunst sein: nicht bloß das Erreichte zu erhalten, sondern vorwärts zu kommen, nicht stehen zu bleiben, vielmehr höher nnd höher emporzuklimmen. Keiner von uns darf mit den errungenen Lorbeeren sich begnügen, darf rasten und ruhen oder gar in seinem Eifer erlahmen. Denn der Erfolg unserer Arbeit hängt von der selbstlosen Hingebung jedes einzelnen von uns ab. Noch ist die finanzielle Basis unseres Verbandes und unserer Vereine nicht fest und gesichert. Um aber in unserer Arbeit durch die Geldfrage nicht gehemmt zu werden, müssen wir die erforderlichen Mittel schaffen. Und wir werden sie erlangen, wenn wir in allen Kreisen der jüdischen Glaubensgemeinschaft Verständnis - und werktätige Teilnahme zn unserem Werke wecken werde::. — Unsere Alten werden gern uns Herz und Hand öffnen, wenn sie sehen werden, daß unseie Vereine glaubensstarke und überzeugungstreue Juden erziehen, denen sie einst das begonnene Werk ruhig anvertrauen können. Unsere Alten werden uns gern fördern und uns zur Seite stehen, weil sie wissen, daß wir ihre Arbeiten und Aufgaben in ihrem Sinne fortsetzen und die Fahne des Judentums auch bei Sturm und Graus trotz Zurücksetzung und Verkennung stets Hochhalten werden. So lassen Sie mich, meine verehrten Damen und Herren, meinen Bericht mit folgendem Wunsche schließen: Möge derjenige, dem es nach zwei Jahren vergönnt sein wird, von dieser Stelle aus den Geschäftsbericht zu erstatten, in der Lage sein, davon Kunde zu geben, daß der Verband weitere Fortschritte gemacht, seine Aufgaben vermehrt, seine Ideen vertieft, und daß er das gehalten, was er versprochen hat, daß cs ihm gelungen ist, die ihm vorschivebenden Ideale zum Gemeingut der gesamten jüdischen Jugend Deutschlands zu machen, zur Stärkung des Judentums, zur Festigung unseres heiligen Glaubens, zum Ruhme unserer Gemeinschaft und zum Heil der gesamten Menschheit! Vors. Dr. Apfel: Im Anschluß an den Geschäftsbericht rnöchte ich von dieser Stelle aus unserm Geschäftsführer, Herrn Dr. Finkel, für seine aufopfernde Tätigkeit im Interesse des Verbandes unseren allerherzlichsten Dank aussprechen. Wir haben im Vorstande die freundschaftlichen Beziehungen, die im Laufe des gemeinsamen Zusammenarbeiten die Vorstandsmitglieder umschlungen haben, auf unfern Geschäftsführer ausgedehnt. Ich konstatiere, daß die Delegiertenversammlung durch den Beifall, welchen sie meinen Worten gespendet hat, zu erkennen gegeben hat, daß sie wünscht, daß ich nicht nur im Namen des Vorstandes, sondern auch im Namen des gesamten Verbandes Herrn Dr. Finkel den allerwärmsten Dank ausspreche. Das Wort hat zu einem kurzen Kassenbericht Herr Felix Meyer-Frankfurt a. M. Felix Meyer-Frankfurt a. M.: Meine sehr verehrten Damen und Herren! Mein Kassenbericht ist sehr kurz. Ich will mich auf die Angabe der Einnahmen und Ausgaben beschränken, weil wir im Laufe der Debatte noch auf die einzelnen Punkte' zu sprechen kommen werden. Der Umsatz des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands seit dem Datum seiner Gründung bis zmn gestrigen Tage beträgt 10011,57 M. Diese Summe setzt sich zusammen aus folgenden Beträgen, zunächst aus den Vereinsbeiträgen pro 1909-10 1144,35 M. die einem Mitgliederbestände von 5722 entsprechen. Für das Jahr 1910-11 betragen die Vereinsbeiträge bis zum gestrigen Tage 1733,80 M. Es entspricht diese Summe einem Mitgliederbestände von 8669 Mitgliedern. Ich möchte hierzu gleich bemerken, daß eine Reihe von Vereinen, es sind ca. 10, ihre Beiträge noch nicht bezahlt habe,:, so daß wir den Mitgliederbestand des Verbandes mit reichlich 9000 nicht als zu hoch bemessen erachten können. Ich zweifle nicht daran, daß wir in baldiger Zeit die 10 000 überschritten haben werden. 14

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