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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-05-01 · 5 (1.5.1911) · p. Seite 13

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
5 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Zustand. Und darum gilt auch für jüdische Organisationen das bekannte Dichtcrwort: „Immer strebe zum Ganzen, und kannst Du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ' an ein Ganzes Dich an." Auch den jüdischen Organisationen gereicht cs zum Vorteil, wenn sie freundschaftliche Beziehungen untereinander unterhalten. Denn dadurch fördern sie sich gegenseitig und sind in der Lage, wichtige Ausgaben gemeinsam zu lösen. Aus dieser Erkenntnis heraus hat auch unsere Vcrbandsleitung Anschluß an die in Betracht kommenden jüdischen Organisationen gesucht und gefunden. Verdankt doch unser Verband seine Existenz der Anregung und Mitwirkung der Großloge für Deutschland U. O. B. B. und des Zentralvercins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. — — — Diese beiden Organisationen haben uns vom Beginne unserer Tätigkeit ihr Wohlwollen bewahrt und uns gefördert. Die Großloge hat außer den großen Opfern, die sie bei der ersten von ihr einberufencn und nür durch ihre Kostentragung ermöglichten Drlegicrtenversammlung im Mai 1909 gebracht, uns, als wir, wie ein neugeborenes Kind, ganz niittellos dastanden, die ersten Mittel gegeben, um mit der Arbeit beginnen zu können, und hat uns im Laufe der beiden Jahre mit namhaften Subventionen bedacht. Höher aber noch als die materiellen Gaben ist die intellektuelle Unterstützung anzuschlagen, die wir von der Großloge dadurch erhielten, daß sie die Jugendvcreinssrage in ihr Programm ausgenommen und sie den Tochtcrlogen zur wohlwollenden Berücksichtigung empfohlen hat. So mancher unserer Vereine hat diese wohltuende Förderung seitens der Logen erfahren und darüber in unseren „Mitteilungen" quittiert. In ähnlicher Weise hat der Z e n t r a l'v e r e i n unsere Bestrebungen unterstützt. Außer den jährlichen Beihilfen hat er uns Büchergeschenke gemacht, die wir in seinem Namen den Vereinen überreichen konnten, und auf unser Ersuchen schickt er unseren Vereinen seine Zeitschrift „Im Deutschen Reich" k o st e n l o s zu. Auch Redner hat er uns zur Verfügung gestellt, die in unseren Vereinen über das Wesen und Wirken . dös Zentralvereins informatorische — nicht propagandistische — Vorträge zu halten geneigt sind. Durch das Zusammengehen mit dem Zentralverein bei den Wahlen zu den Kausmannsgerichtcn war es uns möglich, den Wünschen unserer Mitglieder aus dem Kaufmannsstande gerecht zu werden, ohne daß die Vereine als solche politisch sich betüiigtcn. Auch mit dem Verband der Verbände, dem Verbände der deutschen Juden, stehen wir in enger Beziehung. Herr Referendar Regensburger nahm als Vertreter unseres Verbandes an der letzten Haupt- Versammlung des Verbal,desder deutschen Juden in Breslau teil und vertritt uns auch in dessen großen Ausschuß. Der Verband hat uns um Mitarbeit bei seiner Enquste betreffs ^„Zurücksetzung der Juden im Heere" ersucht. Die von ihm herausgegebene Schrift „Das jüdische Bekenntnis als Hindcrungsgrund bei der Beförderung zun, preußischen Reserveoffizier" ist unseren Vereinen von dieser Organisation direkt zugegangen. Auf dem tveitercn Wege unserer Tätigkeit sahen ivir uns veranlaßt, innige Beziehungen mit der Zentrale der jüdischen Gemeinden, dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, anzuknüpfen. Diese Organisation, die satzungsgemätz große finanzielle Miiiel für unsere Zwecke nicht gewähren kann, hat von Anfang an unser Wirken mit großem Interesse und warmer Syinpathie begleitet. Und bald bot sich auch ein Gebiet gemeinsamer Arbeit dar. — Tie kleineren Plätze, die jahraus, jahrein junge Leute und Mädchen an die Mittel¬ und Großstädte abgeben, sind für Begründungen von Jugendvereinen oft nicht geeignet. Damit aber auch dort die schuleutlasscne Jugend nicht ohne Kenntnis der jüdischen Geschichte und Gegenwartsfragen auswachse, hat unser Bcrbandsviorstand beschlossen, die Jugendvereinsgedanken auch nach den kleinen Orten zu tragen. Die Lehrer dieser Plätze sollen mit Unterstützung der Gemeinden die Jugend samineln, mit ihnen zwanglose Zusammenkünfte abhalten, um sie mit wichtigen Epochen unserer Vergangenheit sowie mit dem Leben und Streben der Juden in der Gegenwart vertraut zu ntachen. Diese gedachten Zusamntenkünfte an den kleineren Plätzen sind für die Jugend eine Art Vorschule für unsere Vereine. Diese neue Ausgabe des Verbandes konnte aber nur nnt Hilfe des D. I. G. B. und des Verbandes der jüdischen L c h r e r v c r e i n e im Deutschen Reiche tzelöst tverden. — Als Niederschlag unserer Verhandlungen über diese Frage mit den beiden Organisationen ist das von Herrn Meyer auf der Hauptversammlung des Lchrerverbandes in Frankfurt a. M. gehaltene Referat anzusehcn, dessen Leitsätze in unseren „Nt itteilungen" Nr. 1, 1911 abgedruckt sind. Der D. I. G. B. und der Lehrervcrband sind bereit, diese Ausgabe mit uns in Angriff zu nehmen und sie zu einer gedeihlichen Lösung zu bringen. Und eine von Herrn Brünn beim D. I. G. B. vor kurzen, gemachte Stistung von 20 000 Mark zur Fortbildung jüdischer Lehrer soll zum Teil für die Förderung der Jugendvereinsbestrebungcn an kleineren Plätzen durch die Lehrer verwendet werden. Außer den angeführten jüdischen Organisationen trat unser Verband mit der Z e n t r a l st e l l e für V o l k s w o h l f a h r t in Berlin in Verbindung, aus deren Tagung in Braunschlveig am 6.— 8. Juni 1910 wir durch Herrn Referendar Regensburger vertreten lvaren. Auch die Zentrale für Jugendfürsorge hat uns ersucht, unser Verbandsorgan nnt ihrer Zeitschrift auszutauschen, da sie dies in, Interesse beider Organisationen halte. Auch hat diese Organisalion uns in einen, zweiten Schreiben angeregt, den engeren Anschluß an ihre Zentrale in Erwägung zu ziehen. Diese Tatsache, daß auch hochangesehene, nichtjüdifche Organisationen unsere Annähruug wünschen, ist ein fernerer Beweis dafür, daß wir auf dem richtigen Wege sind, und daß die Prophezcihungen der neun mal neun Weise», mir würden durch unsere Jngendvereine .die jüdische Jugend isolieren und sie ins Ghetto sperre», sich als falsch erwiesen haben. Freilich gab es ängstliche Naturen in unserer Mitte, die selbst ein Zusammengehen unseres Verbau des mit den jüdischen Organisationen abrieteu, aus Furcht, der Jugendverband könnte in seiner Bewcgungssreiheit gehemmt werden. Aber auch diese Befürchtung war ganz unbegründet. Unser Verband hat durch seine freundschaftlichen Beziehungen zu den Organisation an Selbständigkeit nickt ciilgebüht: die 13

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