Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-05-01 · 5 (1.5.1911) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
5 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4926451-6352328-6352449--0139-4929414
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Bon der Förderung der Jugendbewegung an kleineren Plätzen soll später die Rede sein. Um die Vereine zur Gründung von Bibliotheken und zum Ausbau bereits bestehender anzuregen, haben wir den Nereinen einige Bücher und Broschüren als Geschenke überwiesen. Die erste Broschüre, die der Verband auf seine Kosten herausgegeben hat, war die Rede des Herrn Rabbiner Dr. Guttmann-Breskau über „Die Idee der Versöhnung im Judentum", jene denkwürdige Rede, die Dr. Guttmann auf der Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden in Breslau gehalten hat, und zu der der Oberpräsidenl von Schlesien von seinem christlichen Standpunkt Stellung genommen hat. Dieses Vorkommnis hat so manchen Glaubensgenossen ans der alten Schule aufgeregt, weil ein Jude es gewagt hat, in Gegenwart christlicher Gäste die Vorzüge der jüdischen Religion darzutun. Aber gerade dieser Umstand bewog unfern Verband, die Rede anzuschaffen, damit unsere Jugend, die sonst nur Zerrbilder von der jüdischen Religion zu hören und zu lesen bekommt, emmal von einem jüdischen Gelehrten erfährt, wie rein und lauter die jüdische Lehre ist, damit unsere Mitglieder wissen, warum wir Juden sind und Juden bleiben wollen In demselben Geiste waren auch die übrigen Bücher, wie das Buch „Ewige Weisheit" von MaxWeinb e r g , auf das auch hier empfehlend hingewiesen sein möge, das Buch von Feiner über den unvergeßlichen Vorkämpfer „Gabriel Rießer", das Werk von Abraham Geiger „Das Judentum und seine Geschichte", Eschelbacher „Das Judentum und das Wesen des Christentums", und die gesammelten Schriften von Gustav L e v i n st e i n „Zur Ehre des Judentums", eines schlichten, biederen Kaufmanns, der trotz seiner beruflichen Beschäftigung noch Zeit und Muße gefunden hat, für das Judentum in Wort und Schrift einzutrcten. Durch Preiser Mäßigungen, die wir bei Autoren und bekannten Vcrlagsbuchhändlern aus Grund eines Abkommens erwirkt haben, sind die Bibliotheken unserer Vereine ebenfalls gefördert worden. — Auch die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums sowie der Verband für jüdische Geschichte und Literatur haben bei den von ihnen herausgegebenen Werken unseren Vereinen dieselbe Preisvergünstigung gewährt, wie sie sie ihren Mitgliedern einräumen, wofür wir hiermit unseren aufrichtige» Dank aussprechen. Die Institution der V e r b a n d s r e d n e r , die geeignet war, in die Vereine Anregungen zu bringen, sie zur Arbeitsfreude anzuspornen und sie in innigem Kontakt mit dem Verbände zu erhalten, hat durch mannigfache Umstände, zurzeit noch nicht nach Wunsch gewirkt. Wohl haben die Herren Dr. Apfel, Referendar Ist Kahn, Rechtsanwalt Lichtenberg und Referendar Regensburger mehrere Vorträge gehalten, aber Herr Regensburger, der überall einspringt, wo Rot an, Mann ist, mußte sich im letzten Winter aus Gesundheitsrücksichten eine gewisse Schonung auserlegen. Von den übrigen Verbandsrcdnern war Herr Dr. Nathan- Hamburg bis vor kurzem beruflich zu sehr beschäftigt, und Herr Dr. W e r t h e i m - Berlin ist durch unliebsame Vorgänge aus dem Berliner Jugendbund ausgeschieden, infolgedessen konnte er nicht für den Verband tätig sein. Ueberhaupt wird in Zukunft der R e d n erfrage mehr Beachtung geschenkt werden müssen. Am besten wäre es, wenn jeder Verein nach Möglichkeit seinen Rednerbedarf selbst aus der Mitte seiner Mitglieder decken könnte. Dadurch werden die Mitglieder viel besser gefördert als durch Glanzvorträge hervorragender Redner. Allein es läßt sich nicht leugrren, daß kleine Vereine einen gewissen Zuschuß von geistiger Kraft von außen her benötigen. Wir haben infolgedessen, um den Verkehr der Vereine untereinander zu ermöglichen, Vereinsverzeichnisse herausgegebcn, in der Hoffnung, daß die benachbarten großen Vereine sich der kleineren annehinen werden! Dies ist aber nicht im gewünschten Maße geschehen. Teilweise lag dies auch an den kleinen Vereinen. Jeder Verein wollte ivomöglich aus Berlin einen Redner haben; bei den schwachen Finanzmitteln konnte jedoch der Verband diesem Wunsche nicht entsprechen. Die kleinen Vereine mögen daher in Zukunst an das bekannte Wort Goethes denken: „Willst Du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah." Sie wollen zunächst bei den benachbarten größeren Vereinen ansragen, und sie werden sicherlich die gewünschte Förderung erhalten. Im großen und ganzen aber arbeiteten unsere Vereine mit Ernst und Hingebung ausgezeichnet, wie W1" dies aus den Zuschriften sowie auch später aus den abgedruckten Berichten in unseren „Mitteilungen" ersehen konnten. Durch die eifrige Tätigkeit haben sich die Vereine auch die Sympathien weiterer Kreise unserer Glaubensgenossen wie auch der Nichtjuden erworben. — Freilich haben aber auch manche Vereine mit Kinderkrankheiten zu kämpfen gehabt. Die Unstimmigkeiten im Hamburger Verein sind durch die Intervention der dortigen Loge beseitigt worden, ohne daß die Zentrale cingreifen mußte. Dagegen trat eine Anzahl' von Mitgliedern bedauerlicherweise aus dein Berliner Jugendbund aus und gründete einen besonderen l i - beraten Jugendverein. Geschehene Dinge sind nach dem bekannten lateinischen Sprichwort nicht mehr zu ändern. Wir wollen uns daher nicht über das Gewesene grämen, und auch nicht lange forschen, wer an dieser Sezession schuld sei, vielinehr soll diese betrübende Tatsache eine Lehre, Mahnung und Warnung sein, auf der neutralen Basis zu bleiben, auf der unsere Vereine und der Verband a u f g e b a u t sind, n n b nicht einmal den S ch e i n a u s k o m e n zu lassen, als bezweckte,i in an che Mitglieder mit ihrer Zugehörigkeit zu unseren Vereinen etwas anderes als die Ziele, die der Verband sich gesteckt hat. — Nur durch die strengste Neutralität, durch unzweideutige und ungeteilte Anhänglichkeit an die Verbandsbestrebungcn, durch gegenseitige Duldung der verschiedenen Richtungen im Judentum werden wir uns die Gunst und die Sympathie der großen, jüdischen Organisationen erhalten, deren Mitarbeit und Förderung wir unbedingt bedürfen. Meine Damen und Herren! Wie der Einzelmensch auf den Verkehr mit seinen Nebenmenschen angewiesen ist, so auch große Gemeinwesen und Vereinigungen. Selbst mächtige Staaten suchen durch Alliancen, Bündnisse, mit anderen zusammenzuarbeiten, und betrachten eine „splendid isolation“, als einen verhängnisvollen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.