Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 5 (1.5.1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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verehrten Gönners, Herrn Siegfried Brünn, ein überaus wichtiges Instrument für die Propaganda und der Artikel unseres lieben Herrn Regensburger i„ der Januar-Nummer d. I. „Finanzielle Stärkung der Jugendbewegung" hat Herrn Brünn bei feiner Werbetätigkeit für den Verband die Arbeit erleichtert uns uns viele Freunde und Gönner zugeführt. — Wir wollen keineswegs andere Zeitungen verdrängen; im Gegenteil: wir empfehlen unseren Vereinen recht viele Zeitungen zu lesen und recht oft Zeitungsschau an ihren Abenden jn halten. Aber wir glauben, daß keine Zeitung in der Lage ist, all ihre Artikel sub specie iuventutw den besonderen Bedürfnissen der Jugend angepaßt erscheinen zu lassen, wie ein ausschließlich dazu bestimnites Organ. — Wir hoffen daher, daß auch die Vereine, die bis jetzt für die Verbreitung der Vcrbandszeitung wenig getan haben, das Versäumte nachholen werden. Unsere jungen Juden in Deutschland sind glücklicherweise so situiert, daß ein jeder zehn Pfennig pro Monat für die Zeitung mit Leichtigkeit opfern kann. Bei dieser Gelegenheit wollen wir nicht verschweigen, daß die Expedition zu unserm Bedauern versagt hat. _ Aus dem Grunde soll sie von jetzt ab unter die Leitung der Geschäftsstelle gebracht werden, und unsere angelegentlichste Sorge wird es sein, den Vereinen keinen Grund zu Klagen mehr zu -geben. b) Die Aufgaben der S t a t u t c n - K o m m i s - s i o n sind jedermann bekannt. Diese Kommission war gleichsam das Gewissen des Verbandes; sie hatte darüber zu wachen, daß nur solche Vereine Aufnahme finden, die auf neutraler Basis aufgebaut sind, und deren Satzungen auch sonst unseren Tendenzen entsprechen. Nicht bloß die Satzungen der 70 uns angeschlossenen Vereine hat die Kommission gewissenhaft geprüft; sie hat auch den Vereinen, die noch außerhalb des Verbandes stehen oder standen, beim Abfassen der Statuten mit Rat zur Seite gestanden. Aber gerade das Lesen und die Beschäftigung mit den Statuten der verschiedensten Vereine ließ die Kommission das Bedürfnis nach Schaffung eines Normalstatutes erkennen, das von Herrn R.-A. Lichtenberg, der von Herrn Referendar Regensburger aufs beste dabei unterstützt wurde, bereits vor einem Jahre ausgearbeitct wurde. — Was die Verfasser mit dem Normalstatut beabsichtigten, haben sie im Vorwort ausgesprochen. Nicht wollten sie mit diesem Normalstatut eine Uniform für alle Vereine schaffen, in der sie sich, da sie von den verschiedenartigsten lokalen Verhältnissen abhängig sind, beengt fühlen sollten, vielmehr ist das Normalstatut als eine Art Denkschrift gedacht, die einen jeden über die Tendenzen und über die Art der Organisation der jüdischen Jugendvereine belehren und den zu gründenden Vereinen lediglich die Richtlinien geben soll zur Abfassung ihrer eigenen Satzungen. Und die Absicht der Verfasser wurde auch von unserer Jugend gewürdigt. Mit Dank haben die Gründungs- Komitees der neuen Vereine uns mitgeteilt, daß ste das Normalstatut als Grundlage ihrer Statuten benutzt hätten, und auch ältere Vereine haben ihre Satzungen an der Hand des Normalstatutes nmgearbeitet. c) Ueber die Kassenverwaltung kann ich mich ganz kurz fassen, da darüber ein besonderer Bericht erstattet wird. Die Aufgabe derselben war einerseits leicht, andererseits aber auch schwer. Leicht war ste, weil unsere Kasse nicht allzu viele Gelder bestht, aber gerade dadurch war die Tätigkeit der Kassenabteilung auch eine schwere. Es ist keine Kunst, mit viel Geld zu wirtschaften, dagegen gehört ein Finanzgenie wie das des Herrn Meyer dazu, mit geringen Mitteln hauszuhalten, ohne den Verband in Schulden zu stürzen. Allerdings kam unser hochherziger Freund und Gönner, Herr Siegfried Brünn, der im Februar 1910 eine Stiftung von 2000 Mark begründete und außerdem viele andere Gönner warb, unseren bedrängten Finanzverhältnissen zu Hilfe. Aber Herr Meyer war für den Verband nicht nur der Manu, der das Debet und Lreciit, das Soll und Haben in Ordnung zu halten versteht, er hat vielmehr dem Verbände seine Besonnenheit, seine reichen Erfahrungen als Mitglied und langjähriger Leiter des größten jüdischen Jugendvereins in Deutschland, des Montesiorevereins, Frankfurt a. M., in den Dienst unserer guten Sache gestellt. Denn die einzelnen Kommissionen, über deren Tätigkeit ich hier berichtet habe, dursten sich nicht ans die ihnen zugeteilten Dezernate allein beschränken, vielmehr mußten sie noch im Gesamtvorstande Mitarbeiten, über verschiedene Anregungen referieren, die dann entweder abgelehnt oder zu Beschlüssen erhoben und den Verbandsvcreinen wcilergegeben wurden. Diesem Zusammenwirken des Gcsamtvorstandes verdanken wir die Anregung zur Errichtung von hebräischen Sprachkursen, bei welcher Gelegenheit die vorhandenen Lehrmittel auf ihre Brauchbarkeit geprüft wurden. Wir stellten fest, daß wir zurzeit geeignete Lehrbücher für die jüdische Jugend in Deutschland nicht besitzen, und dies wurde auch von der „Organisation für hebräische Sprache und Kultur" airerkannt, die nun bestrebt ist, solche Bücher zu schassen. — Um aber Mißverständnissen zu begegnen, nmß und soll hier betont werden, daß wir mit den hebräischen Sprachkursen lediglich eine Verbreiterung und Vertiefuirg der Kenntnisse der heiligen Sprache unter der jüdischen Jugend anstreben, damit sie die Innigkeit der hebräischen Gebete und die Schönheit der heiligen Schrift genießen kann. Eine zweite wichtige Anregung war die Veranstaltung gemeiirsamcr Freitag- und Sederabende. An vielen Plätzen sind die Freitagabende nach dem Muster des Frankfurter und Kölner Vereins eingeführt worden. Die günstigen Berichte hierüber haben wir in unseren „Mitteilungen" gebracht. Insbesondere hat aber der Sederabend überall großen Anklang gefunden, und die Vereine, die im vorigen Jahre mit dem gemeinsamen Sederabend nur einen schüchternen Versuch gemacht haben, beabsichtigen, ihn in diesem Jahre in größerem Umfange und für einen weiteren Kreis zu veranstalten. — Mit diesen Anregungen haben wir keineswegs irgend einer Richtung im Judentum dienen wollen, sondern dem Judentum selbst. — Unsere Jugend soll nicht ein freud- und festloses Dasein fristen oder gar nach nichtjüdischen Festen und Bräuchen schielen, vielmehr soll sie die Innigkeit und die Poesie der jüdischen Feste kennen lernen und an Ihnen Genrüts- und Seelensiesriedigung finden. Unsere Anregungen nach dieser Richtung hin geschahen ganz im Sinne eines liberalen Glaubensgenossen, des sel. Dr. Karveles, zu dessen Ehrung wir den Vereinen die Veranstaltung einer Karpeles- Feier empfohlen haben. 11