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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-05-01 · 5 (1.5.1911) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
5 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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lich mit ganz ausführlichen Vorstandsprotokollen in die Hände unserer sämtlichen Vereinsmitglieder gelangen. Sie sind also darüber orientiert, was der Verband getan bzw. nicht getan hat, welches Lob er verdient und welche Fehler er gemacht hat. Es ist mir angekündigt worden, daß einige Herren Vertreter Anfragen an den Vorstand stellen, und daß einige Delegierte einen Tadel aussprechen wollen. Ich möchte hieraus später erwidern. Ich möchte nicht genötigt sein, zweimal zu sprechen, und werde daher antwortonderweise in die Debatte eingreifen. Nach dein Geschäftsbericht des Herrn Dr. Fintel, der ein persönlicher Bericht des Herrn Finkel ist, wird die Generaldebatte eröffnet werden. Der Vorstand bittet aus das allerdringlichste, im Ansang der Verhandlung möglichst von Anträgen auf Beschränkung der Redezeit im Interesse eines schleunigen Fortschritts der Verhandlungen Abstand zu nehmen. Ebenso richte ich den dringenden Appell an alle Redner, ihre Darlegungen auf das Notwendigste und auf das Prinzipielle zu beschränken. Ich werde mir gestatten, diejenigen Redner, die länger als 10 bis 15 Minuten reden, ohne daß etwas Bedeutsames aus ihren Reden herausspringt, darauf aufmerksam zu niachen, daß es der Wunsch der Versammlung ist, daß möglichst alle Redner zu Worte kommen. Ich höre keinen Widerspruch und konstatiere, daß die Versammlung einstimmig meinem Vorschläge gefolgt ist. Das Wort hat nunmehr zur Erstattung des Geschäftsberichts Herr Rabbiner Dr. Finkel. Rabbiner Dr. Finkel- Berlin: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mir ist die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, Ihnen den Geschäftsbericht zu erstatten und vor Ihnen ein Bild der Tätigkeit des Verbandes in der Zeit vom 1. Juni 1909 bis März 1911 zu entrollen, ein Bild, an dem Sie, verehrte Damen und Herren, und Ihre Vereine als Glieder des Verbandes mitgearbeitet, und das Sie teilweise selbst gezeichnet haben. — Um es vorwegzunehmen, kann ich mit freudiger Genugtuung behaupten, daß das Bild, das ich zu geben in der Lage bin, kein düsteres ist; die Jugend braucht sich der Arbeit, die sie in kaum zwei Jahren geleistet hat, nicht zu schämen und kann aus die Erfolge, die die Jugendbewegung in der kurzen Frist erzielt hat, mit edlem Stolze zurückblicken. Bevor ich an die Aufzählung einzelner Daten herangehe, seien tnir einige Worte der Entschuldigung gestattet. So manches. Vereinsmitglied dürfte zuweilen darüber ungehalten gewesen sein, daß seine Anfragen und Briefe nicht so schnell beantwortet wurden. Dies geschah nicht etwa aus Lässigkeit der Zentrale, sondern hatte seinen Grund in dem schnellen Emporblühen und rapiden Wachsen des Verbandes. — Mit 25 Vereinen und einer Mitgliederzahl von 1295 haben wir begonnen, und jetzt zählt unser Verband 70 Vereine mit einem Mitgliederbestand von 8669 und zwei Bezirksverbande, den Nord westdeutschen und den Westdeutschen Bezirksverband. Außer mit unseren Vereinen standen wir in regen) Briefwechsel mit über 60 Städten des In- und Auslandes, die der Jugendbewegung Interesse widmeten, und mit verschiedenen Organisationen. Bei einer neuen, jungen Sache ist es selbstverständlich, daß die an uns gerichteten Fragen nicht mit zwei Sätzen zu beantworten waren, daß sie vielmehr eingehende Auseinandersetzungen, Belehrungen, Winke, Ratschläge und dgl. m. erforderten. Nebenbei sei nur zur Illustration unseres Bureaumnsanges bemerkt, daß wir jetzt 7 Aktenmappen mit insgesamt 2177 Registraturnummern besitzen; abgesehen von den vielen Briefen und Karten, die kurzerhand erledigt wurden, abgesehen von den Konferenzen, Sitzungen, telephonischen Gesprächen u. a. m., die nun einnial zu einem modernen Betriebe gehören. Im Laufe der zwei Jahre ist der Vorstand sechsmal, mit Einschluß der gestern abend abgehaltencn Sitzung siebenmal, zusammengetreten; über die Sitzungen mit reichhaltiger Tagesordnung, die sehr viele Stunden in Anspruch nahmen, haben ausführliche Protokolle die Vereine unterrichtet. In der 1. Vorstandssitzung am 15. August 1909 wurden zwecks besserer Handhabung der Verbandsgeschäfte folgende Kommissionen eingesetzt: a) die l i t erarische Kommission, b) die Statutenu n d Aufnahme-Kommission, c) die Kassenabteilung, d) die Geschäftsführung. Eine jede dieser Abteilungen hat im Interesse des gemeinsamen Ganzen pflichttreu gearbeitet und zu den Erfolgen des Verbandes redlich beigetragen. a) Der literarischen Kommission verdanken wir zunächst unsere Rednerliste, die im Jahre 1909 den Vereinen durch Rundschreiben bekannt gegeben und im Jahre 1910 ergänzt und vermehrt in unserem Verbandsorgan abgedruckt wurde. Den Vortragenden, den Damen und Herren, Juden und Nichtjuden, die in uneigennütziger und selbstlosester Weise in den Dienst unserer Vereine sich gestellt haben, sei an dieser Stelle aufs innigste gedankt. Um unseren Verbandsvereinen Winke zu geben, welche Lesestoffe sie ihren Mitgliedern zu ihrer Fortbildung und zur Vertiefung ihres Wissens empfehlen sollen, hat die literarische Kommission ferner unter Mitwirkung des Herrn Rabbiner Dr. Z l o c i st i einen Bücherkatalog für jüdische Jugendvereine herausgegeben, der in der Presse günstig besprochen und von Bibliotheken und Lesehallen großer Gemeinden, sowie von Verlagsbuchhandlungen verlangt wurde. Bei Anlage und Ausbau von Bibliotheken und für jeden jungen Juden ist der Katalog ein vortrefflicher literarischer Wegweiser. Das Hauptverdienst der literarischen Kommission ist aber die Schaffung des Verbandsorganes. Die Zeitungsfrage bildet einen besonderen Punkt der heutigen Tagesordnung. Wir werden dann gern die Urteile der Vereine entgegennehmen, hören, welche Artikel besonders zugesagt haben, wie das Organ auszubauen wäre, wie es durch Inserate u. a. m. verbilligt werden könnte. Hier sei nur folgendes festgestellt: Di'e Herausgabe eines Verbandsorganes war schon bei Begründung des Verbandes in Aussicht genomnien worden. Seit Oktober 1910 sind 6 Nummern erschienen, die neben verschiedenen belehrenden Artikeln Mitteilungen der Geschäftsstelle und Berichte aus den Vereinen brachten, und auf diese Weise es jedem Mitgliede ermöglichten, von der Tätigkeit des Verbandes sowie auch von dem Leben und Wirken in den einzelnen Vereinen zu erfahren. — Mag man über das Verbandsorgan denken wie man will, das eine wird man zugeben müssen, daß es eines der besten Mittel für den gegenseitigen Gedankenaustausch ist. Die Zeitung ist aber auch nach dem Urteil eines alten, erfahrenen und praktischen Mannes, unseres all- 10

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