Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 5 (1.5.1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Jugendvereine. Die jüdische Studentenkorporation repräsentiert die jüdische akademische Jugend Deutschlands; sie bildet einen Teil in der großen Jugendbewegung, welche die Renaissance des Judentums gezeitigt hat. Als vor einem halben Menschenalter der erste Verein jüdischer Studenten gegründet wurde, da haben wir uns noch der traurigen Notwendigkeit gegenüber sehen müssen, unsere Existenzberechtigung vor der breiten Oeffentlichkeit verteidigen zu müssen. Wir sehen es mit Freude, daß nunmehr nach 15 Jahren diese Notwendigkeit, welche wir damals schon als eine traurige empfunden haben, nicht mehr besteht. Die Organisation ist zur Notwendigkeit für die jüdische Jugend geworden. Sich untereinander zu organisieren, ist jetzt so allgemein geworden, daß man darüber in der Gegenwart kaum mehr zu debattieren braucht. Wir werden in späteren Tagungen nocki darüber sprechen müssen, wenn die Organisation erst fester ausgebaut, und die Oeganisationsform erstarkt ist, daß es auch eine unbedingte wirtschaftliche Notwendigkeit ist für die deutschen Juden, sich zu organisieren. Wir begrüßen es ferner mit Freude, daß nicht nur die Einsicht der Notwendigkeit die jüdische Jugend Deutschlands zum Zusammenschlüsse getrieben hat, sondern, wie wir glauben wahrzunehmen, daß es auch ein Seelenbedürfnis der jüdischen Jugend gewesen ist, im eigenen Kreise das große Erbe der Väter zu Pflegen, sich der großen Vergangenheit des jüdischen Stammes zu erinnern, dieses gemeinsam zu erhalten und alles daranzusetzen, daß die Zukunft des jüdischen Stammes der großen Vergangenheit entspricht, daß den Bestrebungen, die dazu führen müssen, die jüdische Gemeinschaft aufzulösen, durch den Zusammenschluß der jüdischen Jugend von innen heraus ein Ziel gesteckt worden ist. Aus diesem Grunde fühlt sich die akademische Jugend Deutschlands eins mit dem Verbände der jüdischen Jugendvereine, und solange diese Bestrebungen in den jüdischen Jugendvereinen stark und lebendig bleiben, so lange werden die jüdischen Studenten Deutschlands ihr herzlichstes und wärmstes Interesse und ihre eifrigste Mitarbeit dem Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands weihen. Vors. Dr. Apfel: Ich muß im Interesse des Verlaufs der Verhandlungen an die übrigen ' Organisationen resp. deren Vertreter, die uns noch begrüßen wollen, die dringende Bitte richten, so schwer es auch fallen möge, sich möglichst auf die Tatsache der Begrüßung zu beschränken. Ich muß darauf dringen, daß unsere Versammlung endlich in eine materielle Verhandlung eintreten kann. Für die K. C.-Korporationen hat Herr Referendar Löwenstein das Wort. Referendar L ö w c n st e i n - Aachen: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich habe die Ehre, Sie im Namen der ältesten deutschen Jugendbewegung zu begrüßen, im Namen der im K. C. vereinigten akademischen Korporationen, welche jetzt auf eine 25jährige Tätigkeit aus den deutschen Hochschulen zurückblicken können, und die sich zur Aufgabe gestellt haben, auf dem Boden deutscher vaterländischer Gesinnung die jüdischen Studenten an den deutschen Hochschulen zum Selbstbewußtsein zu erziehen und den Antisemitismus an den deutschen Hochschulen zu bekämpfen. Auch wir umfassen alle Richtungen, wir sind die größte Organisation an den deutschen Hochschulen. Wir fühlen uns einig mit Ihren Bestrebungen. Diese Einigkeit glauben wir am besten 'dadurch dokumentieren zu können, daß wir uns mit Freuden in den Dienst der Jugendbewegung stellen und mit Freude Mitarbeiten an den Bestrebungen der Jugendbewegung, der ich hiermit im Namen unseres Verbandes herzlich „Glückauf" wünsche. Oberlehrer Schöne mann - Hannover (für das Kartell der zionistischen Verbindungen): Ich bin in der angenehmen Lage, Sie im Namen unseres Kartells zu der heutigen Versammlung begrüßen zu können. Ich glaube, dast, wenn ich im Aufträge der Korporation spreche, ich nicht extra zu betonen brauche, daß wir selbstverständlich da, wo jüdische Arbeit geleistet wird, und solange Sie bestrebt sind, die Tendenz jüdischen Selbstbewußtseins zu der Ihren zu machen, in den allerersten Reihen stehen werden, denn was zionistisch ist, ist jüdisch, nnd was jüdisch ist, ist zionistisch. (Große Unruhe.) Ich wünsche dem Verlaufe Ihrer Versammlung Heil und Erfolg. Vors. Dr. Apfel: Ich werde im Laufe der Debatte Gelegenheit nehmen, auf einen in der Rede des Herrn Vorredners befindlichen Passus zurückzukommen. Das Wort hat nunmehr Herr Rabbiner Dr. Freund-Hannover. Rabbiner Dr. Freund- Hannover (für die Zionloge Hannover): Meine verehrten Damen und Herren! Die Freude, die das Herz der Eltern bewegt, wenn sie sehen, daß ihr Kind erstarkt und seinen Weg durch das Leben nimmt, — dieselbe Freude erfüllt heute die Zionloge. Sie ist gewissermaßen die Mutter des hiesigen Jugendvereins, und sie freut sich darüber, daß derselbe in so kurzer Zeit erstarkt ist, und daß ihm auch die Ehre zuteil geworden ist, als erster von den auswärtigen Vereinen, die heutige so große und ansehnliche Versammlung bei sich begrüßen zu können, und ich glaube nach den vielen Begrüßungsworten nur ganz kurz einem Wunsch Ausdruck geben zu müssen, den die Zionloge ihrem Kinde, Ihrem Vereine und damit dem ganzen Verbände ausspricht. Ein herrliches Wort haben wir gestern aus der Thora vernonmien. Da heißt es: „Ich gebe Dir ein neues.Herz und einen neuen Geist sende ich in deine Mitte." Das ist ja, was die Jugendbewegung für das deutsche Judentum schaffen wollte, und was sie geschaffen hat: ein neues Herz und einen neuen Geist. Der Prophet fährt fort: „Meinen Geist gebe ich in Deine Mitte, den Geist der Stärke." Wir sehen den Geist der Stärke heute, wenn so viele aus allen Teilen Deutschlands zu gemeinsatner Arbeit sich versammelt haben. Die besten aus den Vereinen sind es, die hierher gesandt sind, um zu beraten, was für die Entwicklung des Verbandes vonnöten ist Aber so schließt der Prophet: „Es soll sein ein Geist der Gotteserkenntnis und der Religion." Das sei der Wunsch, mit dem ich schließe. Möge auch diese Tagung dazu beilragen, nicht nur das materielle Wollen zu stärken, sondern auch die idealen Interessen zu heben und für unser Judentum segensreich und ersprießlich zu wirken! Jacob Berliner- Hannover (als Repräsentant der Synagogen-Gemeindc Hannover): Meine sehr geehrten Herren und Damen! Ich kann mich kurz fassen, tvenn ich das bestätige, was unser Vorsitzender, Herr Senator Fischer, für den Vorstand und das Reprüsentantenkollegium vorhin schon hervorgehoben hat. Fast , alle Vertreter der Gemeinde und auch die Gemeinde