Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 5 (1.5.1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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bitub erblickte gerade in der Gründung der Jugeudvereine eine ganz bedeutende Tai, umsomehr als der Deutsch-Israelitische Gemeiudebund, der ja nun seit 42 Jahren besteht, zu seinem großen Schmerze hat einsehen müssen, das; der Jndifferentismus in den jüdischen Gemeinden immer mehr zunimmt und sich kaum noch für die Gemeindeämter Männer finden, die mit warmem Interesse und nüt dem richtigen Verständnis erzogen, sür die Zwecke und Ziele der Gemeinden eintreten. Schon aus diesem Grunde wird der Deutsch- Israelitische Gemeindebund allzeit die Bestrebungen der jüdischen Jugendvereiue nach Kräften fördern. Und nun zum letzten. Ich mutz noch wenige Minuten Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen und mich der angenehmen Pflicht entledigen, als Vorsitzender der Shnagogen-Gemeinde, Sie hier in unserer Gemeinde willkommen zu heißen. Sie befinden sich hier in einer Gemeinde, in der nicht nur humanitäre und andere Bestrebungen zu allen Zeiten gefördert sind, sondern auch die sozialen Bestrebungen allzeit einen guten Boden gefunden haben, und diese junge Erscheinung auf dem Gebiete der jüdischeir Bestrebungen hat auch in unserer Gemeinde einen großen Anklang gesunden. Wir haben in dem Augenblick, wo der „Jüdische Jugendverein Hannover" und der „Jüdische Frauen- und Mädchenklub" entstanden sind, im Vorstande und Repräsentantenkollegium unserer Sympathie nicht nur klingenden Ausdruck gegeben, sondern wir haben auch geistig die Bestrebungen dieser beiden Vereinigungen stets gefördert. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist hohe Zeit, daß die Juden sich sammeln, denn sonst hätten wir für unser Judentum bangen müssen. Sie haben auf die Fahne Ihrer Bestrebungen geschrieben in erster Reihe Stärkung des jüdischen B e - w u ß t s e i n s , und Sie haben ferner aus die Fahne Ihrer Bestrebungen geschrieben Bildung von Geist und Gemüt und Pflege edler und freundschaftlicher Geselligkeit. Mögen Sie und die ganze Jugend Deutschlands sich um dieses Banner scharen, auf dem diese Bestrebungcu für alle Zeit mit goldenen Lettern eingezeichnet sind. Mögen sich alle Ihre Erwartungen erfüllen, niögen Ihre heutigen Verhandlungen segcnbringeud für alle Zeiten sein, und möge der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands wachsen, blühen und gedeihen zur Ehre und zum Segen der deutschen Judenheit und zu Ihrer aller Glück! Vors. Dr. Apfel: 'Meine Damen und Herren! Möge diese mit so großem Beifall aufgenommene Rede auch noch in anderer Hinsicht auf die Vertreter der übrigen Organisationen, die uns noch begrüßen wollen, vorbildlich wirken. Ich konstatiere mit Freude, daß Herr Senator Fischer in G% Minuten sich der Aufgabe entledigt hat, uns namens drei unserer bedeutendsten Organisationen zu begrüßen. — Es hat das Wort sür den Verband der jüdischen Lehrervercine Herr Rektor Feiner-Haniburg. Rektor Feiner- Haniburg: Sehr geehrte Damen und Herren! Im Namen des Verbandes der jüdischen Lehrervereine ini Deutschen Reich gestatte ich mir, Ihnen die herzlichste,, Wünsche für eine erfolgreiche Tagung zu übermitteln. Nachdem wir in unserer Versammlung in Frankfurt am Main vor nunmehr 3 Monaten einem Vertreter Ihres Verbandes zu einer Propagandarede das Wort gestattet haben, nachdem wir damals die von Ihnen vorgelegte Resolution angenornmen und dadurch. Ihre Sache zu der unseren gemacht haben, rmd nachdem wir ferner sür das laufende Triennium unseren Verbandsvereinen das Thema zur Bearbeitung angewiesen haben, „die Fürsorge des Lehrers für die schulentlassene Jugend", bedarf es eigentlich keiner besonderen Beteuerung, daß wir Ihren Bestrebungen die größte Syinpathic cntgegenbringcn. Und doch niöchtc ich Ihnen pro ckomo bekunden, daß ich mich als zu Jhuen gehörig betrachte. Jung-Juda ist der Bronnen getvorden, aus dein religiöse Begeisterung und unentwegte Stani mestreue hervorsprudeln, an dem die Strebe,rdcn und Säenden, die durch Parteihader und Bruderzwist Entzweiten und Verfeindeten sich zusamnrcnfindcn und sich einigen zu gemeinsamem Wollen und Wirken. Von Ihnen, meine Herren, geht der Geist des Friedens aus, der in diesen Zeilen, da inan von rechts und links die Waffen zückt, um neue Gefolgschaft sich zu erringen, unsere Gemeinschaft zu einer festen Kette schmieden will, um jedem Drucke von innen und außen Widerstand zu leisten. Und wenn ich die Zeit recht verstehe, meine Verehrte», so hat Ihr stolzes und frohgemutes Auftreten es dahin gebracht, daß man nun auch in der deutschen Judenheit dazu gekommen ist, die ehr- und pflichtvergessenen und feigen Ueberläuser, die in der Kampfesstellung, in die inan uns gezwungen hat, uns in den Rücken fallen, au den Schandpfahl zu nageln und sie der allgemeinen Verachtung preiszugeben. Ich hoffe, daß diese Tapferkeit der Jungen auch auf die Alten übergehen wird. Nach allem, was ich eben ausgeführt habe, werden Sie es verstehen, daß der Lehrerverband sich rasch und willig an die Seite Ihres Verbandes gestellt hat. Denn die jüdischen Lehrer Deutschlands wollen nicht nur Schulmeister sein, sie tvollcn als Volkserzieher ganze Menschen bilden, sie wollen dafür sorgen, daß das werdende Geschlecht mit seinem Denken und Fühlen in die neue Zeit hineinpaßt, daß cs aber Achtung behält für unsere große Vergangenheit, daß cs von Liebe erfüllt ist zu dem gewaltigen Kulturgut. das das Judentum der Jetztzeit überliefert hat. Und darun, begrüßen wir es mit Freude, daß der Bund der Jugend, daß die junge Garde sich mit uns in Reih und Glied stellt, daniit in den Zeiten, da Zweifel und Zwiespalt die Gemüter zu zerreißen drohen, da der Sturm und Drang in der modernen raschen Entwicklung über die Herzen und Köpfe dahinfegt, daß alsdann die Saat, die wir gehütet haben, gepflegt wird von dem jungen Geschlecht, das sich entfalten möge zu tausendfältiger Frucht. Und so. meine Damen und Herren, wünsche ich, daß der Verband der jüdischen Jugcndvereine Deutschlands nach außen wachsen und im inneren erstarken möge, daß er blühe und entgegenreife seiner hohen Bestimmung, daß er verbürge die Fortdauer des Judentums und die Erhaltung des väterlichen Erbes. Meine Damen und Herren! Ich freue mich von Herzen der Gegenwart, ich grüße in Ihnen die Zukunft. Dr. med. Rosenkranz-Berlin (für den Bund jüdischer Korporationen): Verehrte Damen und Herren! Ich bin beauftragt, Ihnen die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Der Umstand, daß unsere jüdische Studentenorganisation zur heutigen Tagung nicht eingeladen worden ist, hat uns nicht veranlassen können, unser Interesse von dieser Tagung abzuwenden. Wir sehen dieses lediglich als ein Versehen der Geschäftsstelle an. Die jüdischen Studentenorganisationcn sind ja innig verwandt mit dem Verbände der jüdischen 7 —