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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-05-01 · 5 (1.5.1911) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
5 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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sehr geehrten Damen und Herren, wie haben sich oie Zeiten geändert l Wenn ich mich hier umschaue in dem großen Kreise, wenn ich hier sehe, wie Viele gekomkommcn sind von allen Gauen unseres deutschen Vaterlandes, von Ost und West, von Nord und Süd, so ist es mir, als ob ich das Wort höite aus dem Propheten: „Wer hat mir diese geboren, wo kommen alle diese her. Ich fühlte mich ja meiner Kinder beraubt, verlassen, vereinsamt. Wer hat diese geboren, wer hat diese großgezogen?" Nun, geboren sind sie durch die Kraft, durch die unverwüstliche Kraft, die dem Judentum innewohnt. Wenn auch die Gleichgültigkeit, der Jndifferentismus wie eine Eisdecke auf der Oberfläche lagert, im Innern wirkt es doch fort und arbeitet mächtig und bricht durch die Eisrinde hindurch, und -s brechen allmählich Blüten hervor, und der kalte Boden wird allmählich zu einem blühenden Gefilde verwandelt. Und gerade die Jugend, die uns lange Zeit hindurch entmutigt hat, sie flößt uns wieder neuen Mut ein und gibt uns neue Hoffnung. Es ist darauf hingewiesen worden, daß die großen Organisationen, die im Judentum bestehen, auch Zeugnis davon ablegen, daß in den letzten Jahrzehnien wieder ein anderer Geist erwacht ist. Sie sind es gewesen, die im gewissen Sinne bei der Gründung der Jugendbewegung Patenstelle vertreten haben, und die Kinder — verzeihen Cie den Ausdruck, aber aus Kindern werden Jünglinge —, die wollen noch ein wenig geführt werden. Aber das haben Sie nicht mehr nötig, Sie sind selbständig geworden, und man hat Ihnen die Selbständigkeit gelassen, und möglicherweise werden Sie auch die Väter und Mütter, die in anderen Organisationen gewesen sind, überflügeln. Auf eins möchte ich noch Hinweisen. Alle die Organisationen, die hier genannt worden sind, haben ihre Existenzberechtigung, sind dazu geschaffen, um antisemitische Angriffe abzuwehren, um die Rechte, die wir Juden beanspruchen dürfen, auch wirklich zu erringen, um das Elend unserer unglücklichen Glaubensgenossen zu lindern. Aber diese Jugendbewegung ist aus dem Innern herausgewachsen, ihr Ziel ist, das innere Bewußtsein zu heben, die jüdische Kraft zu stärken. Ich will ein Jude sein, ich will als Jude mich fühlen, ich will ein Deutscher sein und ebenso treu wie andere die Pflichten des deutschen Staatsbürgers üben. Ich will als Jude dastehen und für das Judentum wirken, das ist das, was der Jugendbewegung ihre außerordentlich große Bedeutung gibt. Und nun, meine verehrten Damen und Herren, möchte auch ich nochmals aussprechen, was mich besonders sympathisch berührt. Das Ziel muß sein: die Einheit zu wahren. Wenn Sie weiter so blühen wollen, wie bisher, so müssen Sie alles fernhalten, was trennt. Es gibt nur e i n Judentum, und das Ganze muß es sein. Wenn Sie in diesem Sinne fortwirken, so wird auch die Tätigkeit des Verbandes eine gesegnete sein, und ich will hoffen und zuversichtlich erwarten, daß von dieser Tagung auch ein neuer Geist ausgehen möge, und daß der Verband segensreich wirke, nicht nur für die Jugend, sondern auch für die Gesamtheit, nicht nur der Träger der Zukunft soll er sein, sondern auch Bahnbrecher der besseren Zukunft. Vors. Dr. Apfel: DaS Wort hat nunmehr in seiner dreifachen Eigenschaft als Vertreter des Verbandes der deutschen Juden, des' Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes. und der Synagogeir - Gemeinde Hannover Herr Senator Fischer. Senator F : l ch e r - Hannover: Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Verband der deutschen Juden, jene große Zentralorganisation, in der alle großen Verbände und Organisationen vertreten sind, hat mir den ehrenvollen Auftrag erteilt, ihn heute bei Ihren, Verhandlungen zu vertreten. Der Verband b*r deutschen Juden bezweckt, die gemeinsamen Interessen aller Juden im Deutschen Reiche wahrzunehmen, und er hat in seinen 'Satzungen ausgedrückt, daß die Erörterung von Fragen der Religion, des Kultus und der inneren Verwaltung der Gemeinden nur dann stattest sei, wenn es sich um Abwehr voir Angriffen handelt. Und da Sie, meine verehrten Delegierten, die Vertreter der jüdischen Jugendvereine, da auch Sie die gemeinsamen Interessen der deutschen Judcnheit fördern, ja unter Umständen erkämpfen wollen, und da Sie, meine Herren, in der Abwehr der Angriffe uns hilfreiche Hand mit jugendlichem Feuereifer bieten wollen, so bringt der Verband der deutschen Juden Ihrem Verbände die größte Sympathie entgegen, umsomehr da, wie hier schon mehrfach ausgedrückt worden ist, Ihr Verband sich auf neutrale m Boden bewegt, und Ihre Jugendvereine, wie Sie es auch in Ihren Satzungen ausdrücken, ohne ausgesprochene politische und religiöse Richtung sind. Der Verband der deutschen Juden hat seiner besonderen Sympathie für die jüdischen Jugendvereine ja auch dadurch Ausdruck gegeben, daß — wenn er auch aus Grund seiner Satzungen nicht in der Lage war, dem Verbände gleich anderen Verbänden Sitz und Stimme im Ausschuß einzuräumen — er doch im letzten Jahre ein bewährtes Vorstandsmitglied Jyres Verbandes, nämlich Herrn Referendar Regensburger, in den großen Ausschuß hineingewählt hat. Der Verband der deutschen Juden entbietet Ihnen durch mich seinen Gruß und hofft, daß alle Zeit angenehme Beziehungen zwischen den Verbänden walten mögen, er hofft, daß er gerade unter Ihnen allzeit Streiter im Kampfe finden werde, und daß aus Ihrem Kreise einst Männer hcrvorgehen mögen, die als Führer der Juden gelten und für ihre Rechte eintrclcn werden. Der Deutsch-Israelitische Gcmeindcbund läßt gleichfalls Ihnen, meine Herren, den wärmsten Dank aussprechen für Ihre Einladung. Der Deutsch- Israelitische Gemeindebund, kurzweg genannt D.J.G.B., hat ja in erster Reihe den Zweck, für die Verwaltung, für die Wohltätigkeitsanstallen und für die Bildungseinrichtungen der jüdischen Gemeinden Deutschlands zu sorgen, aber nicht zum wenigsten auch den Zweck, für die Bildung der Juden in den Gemeinden zu sorgen und Insbesondere für die richtige Kenntnis des Wesens der iüdischcn Geschichte in der deutschen Judcnheit, und er sieht sich in seinen Aufgaben kräftig unterstützt durch die jüdischen Jugendvercine. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat auch seiner Sympathie für die jüdischen Jugendvereine Deutschlands dadurch Ausdruck gegeben, daß er sich nicht nur zu einem Beitrag verpflichtet hat, sondern daß er Ihnen einen Herrn als Vertreter in seinem Vorstand bezeichnet hat, und er hat der Anregung, die ihm seitens des Vorstandes Ihres Verbandes gegeben worden ist, dadurch Rechnung getragen, daß er den jüdischen Lehrerverband angewiesen hat, in denjenigen Städten, wo es nicht möglich ist, Jugendvercine zu gründen, durch Wort und Schrift für Anregung zu sorgen. Der Deutsch-Israelitische Gcmeinde- «

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