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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-05-01 · 5 (1.5.1911) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
5 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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breiter Verästelung Sie sich heute aus eigener Anschauung überzeugen können. Es ist seitdem unendlich Vieles geschaffen worben an Einzelarbeit im Verbände, nicht etwa nur durch den Vorstand, sondern auch durch die unauslöschliche Verbandstreue der Vereine vom fernsten Osten bis zum fernsten Westen, die uns nicht nur ihre Liebe, sondern auch ihre Mitarbeit entgegengebracht haben. Aber es ist noch ein anderer Grund, der die jüdische Jugendbewegung zu dem gemacht hat, als was sie heute vor Sie hintritt,- dies ist, daß die Fahne der Einheit und Neutralität in der jüdischen Jugendbewegung hochgehalten ist bis zum heutigen Tag, in einer Weise, wie das vielleicht nur ganz wenige große Organisationen des Judentums von sich sagen können. Nur dadurch ist es möglich gewesen, daß alle die großen Verbände des Judeniuins, die seit Jahren und Jahrzehnten sich für die Einheit des Judentums bemühen, sich mit so großer Sympathie zur Jugendbewegung bekannt haben, daß sie überall die jüdische Jugendbewegung gefördert und weiter entwickelt haben. Der große Gedanke ist in der Tat zum ersten Male in der jüdischen Jugend voll zur Entfaltung gebracht, daß wir, da wir doch alle Brüder sind, nicht nach den> fragen sollen, was uns trenn t, sondern nur nach dem, >vas rms eint, und unsere Jugend zu dieser Neutralität, im vollsten Maße heranbilden. Das ist der große Gedanke, der die jüdische Jugendbewegung erfüllt hal bis auf den heutigen Tag, und das rst der große Gedanke, durch den sie mächtig geworden ist, und mit dem sie stehen und fallen wird. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich will meinen Willkommensgruß schließen. Ich hoffe, daß die heutige Tagung das Bild zeigen wird, das bereits die gestrige Vorstandssitznng und das gesellige Zusammensein der Delegierten in unserer Stadt gezeigt hat. Ich glaube, daß die jüdische Jugendvereinsbewegung sich als eine einheitliche feste Macht auch heute crweiseir ivird. Dann wird voir der heutigen Tagung r>nd von der gesamten jüdischen Jugendbewegung unauslöschlicher Ruhm und vor allen Dingeir unauslöschliches Verdienst für das ganze Judentum ausgehen. Dann werdeir aus unseren Reihen diejenigen Männer hervorgehen, die das Judentum so unendlich nötig braucht, dann wird das Judentum, wenn vielleicht 10 bis 12 Jahre verstrichen sind, und diejenigen, die heute hier als junge Leute sitzen, dann zu den Aelteren zählen, eine Anzahl reifer und gereifter Männer haben, hie im stolzen Bewußtsein für das Judentuni nicht nur kämpfen »vollen tmd kämpfen können, sondern es auch zum Siege führen werden in der Zukunft der Tage. Vors. Dr. Apfel: Als Vertreter der G r o ß - Loge für Deutschland U. O. B. B. hat das Wort Herr Abrahamson. Herr Abrahamson- Hannover: Ateine Damen und Herren! Ich habe die Ehre, Sie zum Beginn Ihrer heutigen Tagung namens der Zentralvertretung der deutschen Logen, der Groß-Loge für Deutschland, anfs wärmste zu begrüßen. Diesen Vorzug verdanke ich dem an sich unerfreulichen Umstande, daß ein anderes Mitglied der Groß - Loge, das sich um die Begründung, Förderung und Enttvickelung Ihrer Organisationen mit dem größte» Interesse und Eifer bemüht hat, und das deshalb von dieser Stelle aus zu Ihnen sprechen sollte, leider durch Krankheit behindert ist, zu erscheinen. Es ist der Ihnen allen bekannte Herr Maximilian Stein, Expräsident der Montefiore-Loge in Berlin. Wenn die Groß-Loge beabsichtigte, ihn zu Ihnen nach hier zu entsenden, so dürfen Sie darin einen Beweis dafür erblicken, daß deren Interesse für Ihre Bestrebungen unverändert geblieben ist. Es ist Ihnen ja bekannt, daß die Frage der Jugendvereiue die Groß-Loge für Deutschland seit langen Jahren beschäftigt hat. Bereits im Jahre 1.891 hat das General- Komitee der Großloge diese Frage erörtert. Von den Beweggründen, die sie hierzu veranlaßt haben, will ich nur den einen wichtigen erwähnen, daß es ihr notwendig erschien, den zentrifugalen Kräften cntgegenzuarbeiten, welche die jüdische Jugend von dem gemeinschaftlichen Mittelpunkt entfernten, den die natürliche Zusammengehörigkeit darstellte. Die Einflüsse und Wirkungen einer neuen Zeit hatten so grundlegende Differenzen und Unterschiede geschaffen, daß sie äußerlich in die Erscheinung treten mußten, und in ihren Folgen zeigte sich eine Gefahr für das gesamte Judentum. Ihr konnte nur begegnet werden durch die Schaffung eines neutralen Gebietes, aus dem alle junge», der Zufunft entgegenstrebenden Kräfte zusammenzufassen waren in dem einen Bestreben, die geistige und sittliche Fortbildung des Einzelnen zu fördern, und dadurch das jüdische Bewußtsein in der natürlichsten und zugleich edelsten Art zu wecken und zu heben. Mit diesem Ziele decken sich die Ausgaben der deutschen Bnci Briß-Logen, und es ist daher begreiflich, daß diese ihr Möglichstes taten, auch nach der neuen Richtung in diesem Sinne zu wirken. Durch Ihre Tätigkeit haben Sie erheblich dazu beigetragen, diesen Gedarcken zu verivirklichen. Nach kleinen Anfängen haben Sie heute eine stattliche Organisation. Und wenn die Groß-Loge auch stets bereir war, Ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wie z. B. bei der ersten Versammlung Ihrer Delegierten, welche die Begründung Ihres Verbandes zur Folge gehabt hat, so hat sie doch stets in bewußter Weise das Verfahren der Zurückhaltung festgehalten, mit welchem sie Ihnen die Freiheit Ihrer Entschließungen und Handlungen von Anfang an überlassen - wollte. Ihr sehnlichster Wunsch ist, daß in den Jugcndvereineu alle Richtungen und Schichtungen der jüdischen Jugend zusammen arbeiten und sich gegenseitig dulden, und daß aus Ihren Vereinen Menschen hervorgehen, st o l z auf u n s c r e große Vergangenheit und festen Blickes für die Gegenwart und Zukunft, ganze Menschen, herangebildet durch das Judentum. Wenn, wie tvir hoffen, Ihr Verband die neutrale Basis sorgfältig bewahrt, die Ihnen nach der Ansicht der Groß-Loge ein Zusainmenfasscn aller Kräfte zur Erreichung Ihrer idealen Ziele ermöglicht, dann dürfen Ihre Vereine und Ihr Verband sicher sein, daß sie auch in Zukunft auf jede nur irgend mögliche Förderung der Groß-Loge und der Einzellogcn zu jeder Zeit rechnen können. Meine Herren! Ihre heutigen Beratungen gelten ini tvesentlichcn Gegenständen organisatorischer Natur. Ich spreche Ihnen namens der Groß-Loge den Wunsch aus, daß Ihre Arbeiten von danerndeni Nutzen für Sie sein und so nicht allein Ihnen selbst, sondern der Gesamtheit des Judentums zum Segen werden mögen! Vors. Dr: Apfel: Für den Zcntralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat das Wort Herr Professor Dr. Blumenthal-Berlin. — 4

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