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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-05-01 · 5 (1.5.1911) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
5 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Stenographischer Bericht. Vorsitzender Rechtsanwalt Dr. Apfel- Berlin: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich erkläre hierdurch die zweite Delegiertenversammlung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands für eröffnet; ich gebe dem Wunsche Ausdruck, dah unsere heutige Beratung ein in jeder Beziehung segensreiches Resultat zeitigen möge. Bevor wir in die Tagesordnung eintreten, haben eine Reihe von Organisationen den Wunsch ausgedrückt, den Delegiertcntag zu begrüßen. Zunächst erteile ich das Wort dem Vorsitzenden unseres hiesigen Brudervereins, des jüdischen Jugendvcreins Hannover, Herrn Rechtsanwalt Lichtcnberg. Rechtsanwalt Lichtenberg: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Im Namen des jüdischen Jugendvercins Hannover habe ich die große Ehre, Sie alle herzlichst in unserer Stadt und Genieinde willkomnicn zu heißen. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, mit wie unendlicher Freude und Genugtuung es uns erfüllt hat, dah der jüdische Jugendverein Hannover die erste Tagung, die die jüdische Jugend aus eigenen Kräften veranstaltet, bei sich begrüßen darf. Wir wissen, dah es nicht unser Verdienst ist, wenn hier der in diesem Sinne erste Verbandstag tagt, daß es vielmehr eine günstige Fügung verschiedenster Umstände ist, die uns dieser großen Ehre und dieses wahrhaften Glückes hat teilhaftig werden lassen. In diesem Moment beginnt eine Tagung, über deren Bedeutung wohl nirgends in der gefaulten deutschen Judenheit ein Ztveifel obwalten kann, eine Tagung, deren Bedeutung auch dadurch klar für alle zu Tage tritt, dah fast sämtliche großen jüdischen Organisationen heute hierher ihre berufenen Vertreter gesandt haben, und eine Zahl voll Delegierteil sich in unserer Stadt zusammengefunden hat, die eine wahrhaft große genannt werde:: kann. Ich habe zunächst die Ehre, namens des jüdischen Jugendvcreins Hannover hier in unserer Mitte zu begrüßen den Vertreter der Groß - Loge, Herrn Julius Abrahamson - Hannover, und kann cs allerdings bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, meiner tiefen Betrübnis darüber Ausdruck zu gebe,:, daß einer der mächtigsten Führer und Vorkämpfer der jüdischen Jugendbewegling, unser lieber Maximilian Stein, als Vertreter der Grohloge heute in unserer Mitte auf ärztlichen Rat nicht weilen kann. Ich habe ferner die Ehre, den Vertreter des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Herrn Professor Blilmenthal, willkommen zu heißen. Gerade diese beiden Organisationen, die ja an der Wiege unserer Verbandsbewegung gestanden, haben bis auf den heutigen Tag in regster und uneigennützigster Weise die gemeinsame Sache gefördert, und darum nochmals ihnen vor allen ein herzliches Willkommen. Ich begrüße ferner den Rabbiner dieser Gemeinde. Herrn Landrabbiner Dr. Gronemann, als Vertreter der jüdischen Geistlichkeit dieser Stadt, sowie als Vertreter des Rabbilrerverballdes für Deutschland. Ich begrüße ferner Herrn Senator Fischer in seiner dreifachen Eigenschaft als Vertreter des Verbandes der deutschen Juden, des Deutsch-Israelitischen Genieindebundes und als Vertreter des Vorstandes der Synagogengemcinde Hannover. Ich begrüße ferner den Vertreter des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich, Herrn Rektor Feinerburg, dieses Verbandes, der sich in letzter Zeit die Förderring der jüdischen Jugendbclvcgung insbesondere in den kleinen Gerneinden zur Aufgabe gestellt hat. Ich begrüße ferner als Vertreter des Rcpräsentäntcn- Kollegiums Herrn Jakob Berliner, als Vertreter der Zion-Loge, Herrn Direktor Manfred Berliner u. a. m. und gebe hierbei noch einmal kund, wie außerordentlich wir uns freuen, dah auch in unserer Gemeinde, folgend dem Beispiel der Großloge, die Loge einen so regen Anteil bis zum heutigen Tage an unserer Bewegung genonuilen hat. Ich begrüße ferner die Vertreterinnen des Schwcsternbundcs der Zion - Loge und des jüdischen Frauen- und Mädchenklubs Hannover, sowie den Vorstand der „Vereinigten Turnerschaften" (jüdische Turnerschaft Hannover, Turnvereinigung 1904), Herrn Henry Seligmann. Vor allem aber herzlichsten Willkommcugruß Ihnen, den Vertretern der jüdischen Jugend. Es ist ein Ereignis von weittragendster Bedeutung, daß solche Scharen der Jugend des Judentums hier zusammengckommen sind. Ich nmß daran denken, was mir vorgestern der Vertreter eines unserer kleinsten aber rührigsten und ältesten Vereine, Herr Lehrer Abel aus Lörrach, der seit 10 Jahren bereits in der jüdischen Jugcndvcreinsbewegullg und aus vorgeschobenstem Posten steht, sagte: „Wer hätte das für möglich gehalten, daß heute nach 10 Jahren die jüdische Jugendvereinsbelvegung eine solche Macht geworden ist, nachdem das Judentum lange Jahre darniedergelegen, daß die Jugend sich zu einer solchen Macht auf» gereckt hat, und daß wir darum heute mit freudigem Blicke in die Zukunft schauen können." Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es ist das in der Tat ein Zeichen der unendlichen .Kraft des Judentums und ein Zeichen, welche Kraft vor allen Dingen in seiner Jugend steckt. Ich denke daran zurück, wie vor VA Jahren die erste Delcgicrtcnversammlung der jüdischen Jugend auf Anregung und als Gast der Großloge, die sich dadurch ein bleibendes Verdienst für alle Zeiten lim die Regeneration des Judentums erworben hat, i,l Berlin zusammentrat, wie diese wenigen Vertreter von Jugendvereinen den Verband gründeten mit etwa 1500 Mitgliedern, und daß er heute ca. 9100 Mitglieder umfaßt. Das ist das Zeichen einer Entwickelung in V/2 Jahren, wie sie kaum größer gedacht werden kann. Und wodurch, das möchte ich doch hier als begrüßender Verein feststellcn, ist dieses geschehen? In erster Linie dadurch, daß die jüdische Jugendbewegung, getreu dem Ideal der Jugend, den weltbewegenden Satz auf ihre Fahne geschrieben hat, „daß im Anfang aller Dinge die Tat steht". Diesem Satz ist die jüdische Bewegung gerade in den letzten l»/2 Jahren voll und ganz gefolgt. Wir wissen alle, die wir vor l‘/2 Jahren in Berlin waren, wie da die Meinungen aufeinanderplatzten, wie sehr manche Skeptiker meinten, es wäre besser, der Verband werde an jenem Tage nicht gegründet. Sie wissen aber auch alle, daß diese Skeptiker Lügen gestraft sind, daß sich das, was an jenem Pfingsttage als ein schwacher Keim in die Erde gelegt wurde, im wahrsten Sinne des Worts entwickelt hat zu einem Baume, von dessen 3

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