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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-04-01 · 4 (1.4.1911) · p. Seite 15

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
4 (1.4.1911)
Date
1911-04-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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nichtjüdischer Mitbürger, die in all ihren? Wirken und Wandel dahin trachten, all die alten Schranken niederzulegen, die Euch von uns Jahrhunderte lang getrennt haben l Gewiß, es läßt sich nicht bestreiten: das Tempo, in dem die Emanzipation der Juden fortschreitet, hat sich in der letzten Zeit ein wenig verlangsamt. Aber derartige Entwicklungen können sich nicht von heute auf morgen vollenden. Man muß ihnen Zeit lassen. Ganz gewiß aber soll sich derjenige, zu dessen Gunsten solche Entwicklungen angebahnt sind, ihrem naturgemäßen und fördersamen Ablauf nicht dadurch noch widersetzen, daß er an seinem -Teile die alten Schranken ausrecht erhalten hilft, statt an ihrer Nirdcrreitzung mitzuarbeiten! Kein, meine Herren — die Gegensätze der Raffe und des Bekenntnisses, diese Gegensätze, die für den modernen Menschen etwas Trennendes nicht mehr darstellen dürfen, soll man ignorieren, soll man verwischen und verschwinden lassen, aber nicht betonen und konservieren. Das ist ein antikulturelles, antinationales, entwicklungsfeindliches Bestreben, als Reaktionserscheinung gegen stumpfsinnige Berrannthcit auf der andern Seite allenfalls erklärlich und entschuldbar, aber doch eben auch-Reaktion. Dar ist meine ehrlichste und innerste Überzeugung, und di« baden Sie ja hören wollen, nicht wahr? Mit der Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung Dr. Walter Bloem. Jda Boy-Ed. Ich sehe nur Ergänzungsmöglichleiten zwischen Juden und Germanen. Um diese Möglichkeiten und den Nutzen, den sie für den kulturellen Fortschritt bedeutet hätten, hat uns vielfach die Judenfrage gebracht. Daß es sie überhaupt gibt, ist eines der seltsamsten völkerpsychologischen Rätsel. Es kann die Erklärung dafür nur in den zähen, von starker Intelligenz bewachten und gepflegten Eigenarten der Raffe zu suchen sein, die seit 2000 Jahren von einer gewissen Fremdheit umgeben blieb. Diese Fremdheit ist wie ein Dunstkreis, in dem auf jüdischer Seite geistiger Hochmut und auf germanischer Seite Vorurteile gedeihen. Ich glaube, daß dies ein Unglück für beide Teile ist und daß unser Vaterland großen Gewinn davon hätte, wenn man offenen Blicks und Gemüts von einander lernte. Mir haben die hohe Bildungsfähtgkeit, das Mäcenatentum, die Opferwilligkeit, Nüchternheit, Dulderfähigkeit und Treue bei Juden, vornehm oder gering, stets großen Eindruck gemacht. Freilich habe ick auch oft den Mangel an Enthusiasmus und Naivetät nicht verstanden, und es kommt mir vor, als ob die Juden für eine gewisse edle Simplizität, für schlichte Linien im Geistigen keinen Sinn haben. Mit BiSmarck möchte ich sagen: ich hätte nichts dagegen, wenn meine Söhne sich mit Jüdinnen verheirateten. Denn nach meiner Meinung bedeutet Rässenvermischung nicht immer Rassenverschlechterung — ist auf beiden Seiten eine hohe Kultur vorhanden, bedeutet Vermischung ganz gewiß Verbesserung. Mir scheint aber, als ob der Verband jüdischer Jugendvereine beinahe das Aufgehen der Juden in ihre Umwelt mehr hemmt als fördert. Denn er strebt doch darnach, die altehrwürdige, die kleine Gemeinschaft, abgesondert inmitten der großen Gemeinschaft der übrigen Deutschen zu erhalten. Aber vielleicht scheint es nur so. Lübeck, Febr. J 911. Jda Boy-Ed. Axel Delmar. Jugend — die Du heranwächst und Dich selbst erziehst zum ehrwürdigen Alter und Dich selbst züchtigst durch Erfahrung und Ueberwindung lebendiger Widerstände, mißachte niemals Deine Volksart als den in unfern Zeitläufen entbehrlichsten Faktor! Persönliche Erfolge sind wie Räusche — daß Du nur als ein Agens Deiner Volksart sie genießen konntest, kommt Dir erst zum Bewußtsein, wenn Räusche entwürdigend wirken — im Alter I Dann erst verst-hst Du, warum unser großer Deutscher Freigeist Lesstng die Inspiration zu dem tief religiösen „Nathan, den Wei en" nur von einem MoseS Mendelssohn empfangen konnte, und jener fromme Monotheist ein Deutschtum dagegen eintauschte, wie es vor und nach ihm kein Jude besaß! Jeder hielt auf sich und lebte und lernte vom Andern — nur so bleibt Dir ein Rausch fern und seelische Befriedigung ehrwürdigt Dich, Deinen KreiS und Dein Alter. 19. Februar 1911. A;el Delmar. Fritz Enflel. Dank und Sorge. Dank und Sorge sind die Klammern, Die an Väter Stamm mich heften — Ihn verehren, ihn bejamnrern Lernte ich in Kinderschuh'n, Und mit vorgeschritt'nen Kräften weif; ich and'res nicht zu tun. Dank und Sorge find die Ketten, Die an's Deutsche Land mich schnüren — Ihm den Weg bergan zu glätten Aus des Vorurteils Morast: Ist die Sehnsucht, tief zn spüren, Ist der Wunsch, der nie verblaßt. Treue, d'e ans Dank erglühte, Treue, die erstand ans Leiden, Lint sich mir zur Doppelblüte Liner Liebe, echt und heiß, Liner Lieb' zu allen beiden, Die ich nicht zu teilen weiß. Berlin, 27. >i.?yg. Fritz Lngel. 15

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