Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 4 (1.4.1911)
- Date
- 1911-04-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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gesetzt haben. Jndeß gerade während der letzten Jahrzehnte war das Judentum von der ernsten Gefahr bedroht, daß die Jugend sich von ihm abwendete, um ausschließlich in dem bunten und aufreibenden Leben der Gegenwart sich zu betätigen, ohne weitere Rücksicht auf die altüberkommene religiöse Gemeinschaft. Da haben die Jugendvereine eine glückliche und verheißungsvolle Wendung gebracht, und es steht nur zu wünschen und zu hoffen, daß sie äußerlich und innerlich erstarken mögen, um dem Judentum diejenigen großen und wichtigen Dienste zu leisten, zu denen sie ohne Zweifel berufen sind. Martin Philippson. Geh. Medizinalrat Professor Dr. H. Senator. Eine der vornehmsten Aufgaben der jüdischen Jugendvereine ist nach meiner Ansicht die Kenntnis von dem Wesen und Wert der jüdischen Religion und damit die Liebe zu ihr unter dem Heranwachsenden Geschlecht zu verbreiten, eS mit dem Bewußtsein zu erfüllen, daß der Kern dieser und nur dieser Religion seit Jahrtausenden bei allen Wandlungen der Menschheit, allen Fortschritten der Wissenschaft und ihren wechselnden Theorien unantastbar geblieben ist. Die Jugend muß lernen 1. daß das Judentum die Religion des reinen, unverfälschten Monotheismus ist durch das Bekenninis zu dem einig-einzigen Gott, dem unerforschlichen Urgrund alles Wahrnehmbaren, dessen Kraft ewig weiter wirkend in der ganzen Schöpfung sich offenbart und 2. daß auf seiner Ethik, deren Grundlage die Räch st en liebe, die ausgleichende Gerechtigkeit und die Zehngebote bilden,die ganze sittliche Weltordnung der Kultur Menschheit beruht. Mit diesem Bewußtsein kann und mutz die jüdische Jugend sich aufrecht halten allen Anfechtungen gegenüber, ihre Pflichten gegen das Vaterland allen Zurücksetzungen zum Trotz unverzagt erfüllen in der festen Zuversicht, daß dermaleinst, ob früher oder später, die gerechte Sache, für welche zu kämpfen die Mission des Judentums ist, zur Anerkennung gelangen wird. H. Senator. Prof. Dr. Ludwig Stein hatte die Güte, uns für die Gedenknummer einen längeren Artikel über: „Wie verhält sich die Geschichte zum jüdischen Optimismus?" zur Verfügung zu stellen. Wir werden den hochintereffanten Aufsatz demnächst zum Abdruck bringen. Red. Geh. Rat Professor Zorn. Rektor der Universttät Bonn. Für die Zeit, während deren ich das Rektorat der hiesigen Universttät bekleide, habe ich es mir zum Grundsatz gemacht, persönliche Meinungsäußerungen in öffentlichen Angelegenheiten zu Unterlasten. AuS diesem Grunde muß ich eS mir versagen, Ihren mir mit Schreiben vom 26. v. Mts. ausgesprochenen Wunsch zu erfüllen. Sachlich freue ich mich der in dem Schreiben ausgesprochenen beiden Grundsätze und erhoffe von der Zukunft auf dieser Grundlage eine Ausgleichung bestehender Gegensätze. Ich habe mich immer zu dieser Überzeugung bekannt und werde mich zu ihr weiterhin bekennen. Mit den besten und aufrigsten Wünschen für das vaterländische Wirken Ihres Berbandes habe ich die Ehre zu zeichnen als Ihr ergebenster Prof. Zorn. c) Schriftstellern und Künstlern Rosa Bertens. Bor einigen Jahren las ich ein Wort, das, wie ich glaube, von Karl Emil Franzos stammt: „Jedes Land hat die Juden, die es verdient." Der Ausspruch läßt stch loben oder bekämpfen, wie jedes Schlagwort, aber seinen Wahrheitskern muß jeder erkennen. Ich will mir kein Urteil über die großen Ziele Ihres Verbandes anmaßen; jedoch in meinen Augen erscheint als ein Verhängnis des Judentums sein ewiger innerer Zwiespalt: mit allen Kräften und mit jeder Art von Talent strebt der Jude vorwärts und soll doch in der uralten Tradition seines Glaubens und seiner Gebräuche haften. Hier gähnt ein Abgrund, der überbrückt werden muß. Wer einen Baustein zu diesem Werke hinzuträgt, nützt nicht nur dem Judentum; erbringt auch der Menschheit Segen. Rosa BertenS. Dr. Walter Bloem, Sehr geehrte Herren, ich finde. Sie find bedauerlich inkonsequent. Aus der einen Seite machen Sie es den nichtjüdischen Staatsbürgern Deutschlands mit völligem Recht zum schweren Borwurf, daß ste den jüdischen Mitbürger als einen Fremden ansehen und behandeln — auf der anderen Seite empfinden und organisteren Sie selber stch als „treue, selbstbewußte Anhänger Ihrer altehrwürdigen Gemeinschaft" —I Nein, meine Herren, solange Sie als Juden selber etwas besonderes darstellen wollen, solange dürfen Sie stch nicht wundern, wenn man auch von der anderen Seite aus Sie in eine Sonderstellung verweisen will . . . Und in welche Lage bringen Sie durch einen derartigen Zusammenschluß die leider noch verhLltnismäßig geringe Zahl U