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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-04-01 · 4 (1.4.1911) · p. Seite 13

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
4 (1.4.1911)
Date
1911-04-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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verfallen. Wir sin'd trotz aller Hemmnisse, trotz aller Erschwerungen seitens der Gesetzgebung in 100 Zähren unendlich weit gekommen. Nur liegt es uns ob, uns innerlich. weiter zu entwickeln und nach außen unermiidet zu känipfen. Uns Aelteren gebührt es, der Jugend das Bewußtsein unentwegter Arbeit und die freudige Siegeszuversicht zu -übermitteln, der Jugeüd steht es an, der Vergangenheit treu zu bleiben und für die Zukunft zu wirken. Uns, wie unsere Väter haben Kränkungen und Zurücksetzungen dem Judentum und dem Deutschtum nicht abwendig zu machen vermocht; die Pflicht der Jugend bleibt cs, eine Zeit vorzubereiten, in der der deutsche Jude ein Vollbürger des geeinigten, großen und herrlichen Deutschen Reiches wird. Dem Mut und der Wahrheit kann der Sieg nicht fehlen! Ludwig Geiger. Prof. Dr. Theod. Lindncr-Halle. Religiöse Freiheit ist die Grundbedingung der bürgerlichen. Weil jedoch Religion und Konfession leicht, trennend wirken, darf niemand über ihnen vergessen die Pflicht als Mensch und Angehöriger der großen Gemeinschaft, denn ihre Erfüllung schlingt das einigende und die Gegensätze aussöhnende Band, dessen wir Deutsche so dringend bedürfen. Jeder ehrlich Wollende muß willkommen sein. Dr. T h e o d o r L i n d n e r, Professor an der Universität. Prof. Dr. M. Mosfe. Die Wünsche, die ich für die deutschen Juden, insbesondere für die jüdische Jugend Deutschlands hege, möchte ich dahin zusammenfassen, daß sie die richtige Mischung von Selbstbewußtsein und Bescheidenheit, von Vorwärtsdrängen und Zurückhaltung innerlich besitzen und öffentlich an den Tag legen, um vollen Erfolg in ihrem Kampfe um staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu erringen! Prof. Dr. M a x M o s s e. Prof. Hermann Onckcn-Heidelberq. Die Erinnerung an das vor hundert Jahren erlassene Hardenbergsche Edikt .betreffend die bürgerlichen Berhältniffe der Juden" scheint mir dazu angetan, seinen Ursprung und seine Wirkungen im Gesamtrahmen der deutschen Geschichte (nicht nur des engeren Bereiches der jüdischen Emanzipationsbestrebungen) zu überdenken. Man muß dazu von zwei Erwägungen ausgehen: 1. Das Edikt ist, nach seiner gesetzgeberischen Ursprungsidee, nicht in erster Linie ein Erzeugnis der Humanitätsideen des 18. Jahrhunderts, also nicht eine bloße Erfüllung theoretischer Postulate, sondern es ist erwachsen auf dem Boden der nationalen Resormgesetzgebung, die alle Kampfmittel zur Verstärkung des Nationalgesühls und zur Vertiefung. eines tätigen Anteils an den Angelegenheiten der Nation «Miss, um der drohenden Vernichtung von außen her Herr zu werden. 3. Die damals beginnende Emanzipation mußte (wsp manche andere damals der Gesamtheit des Volkes „verliehenen" Freiheiten) von der Masse der emanzipierten Juden erst erworben werden. Und diese wahrhafte Erwerbung der Emanzipation konnte nur in dem Maße erfolgen, wie 'man in die emanzipierende Nation innerlich und äußerlich hineinwuchs und sich ihr — mit Ausnahme natürlich der religiösen Vorstellungswelt der Juden — einordnete. Wenn ich unter diesem Gesichtspunkte die Stellung der Juden in dem letzten Jahrhundert deutscher Geschichte mir ansehe, so komme ich zu folgenden Resultaten: 1. Der Prozeß des Hineinwachsens in die Nation hat sich langsamer vollzogen, als die Idealisten in beiden Lagern erwarteten. Die Amalgamierung ist schwieriger und - - eine tiefergreifende historisch-psychologische Ergründung des Problems vermag die Gründe wohl zu erkennen — sie ist vielleicht erst in einer Reihe von Generationen als gelungen zu bezeichnen. Sie bleibt aber das Ideal vom Standpunkt der deutschen Kultur und der deutschen Nation, und damit auch derjenigen Juden, die in beiden wurzeln. 2. Der Anteil der Juden an dem geistigen, materiellen und politischen Leben der Nation in diesen hundert Jahren ist außerordentlich hoch zu veranschlagen (nebenbei bemerkt wird der realistische Beobachter in der auf allen diesen Gebieten tatsächlich erworbenen Macht eine gewisse Kompensation sehen für das etwaige Manko an Recht, für die lleberceste der „Entrechtung", die nicht geleugnet werden sollen und erst in einem weiteren Uebergangs-Jahrhundert schwinden mögen). 3. Die Werturteile über diese Gesamtleistung der deutschen Juden werden immer auseinandergehen. Ein gewaltiges Stück positiver und fortschrittlicher Leistung ist nicht zu verkennen; wenn ein anderer' Kompler; von Wirkungen häufig als „zersetzend" bezeichnet wird, so findet dieses Urteil seine Berechtigung darin, daß spezifisch jüdische Antriebe, Methoden und -siele von der Nation als fremdartig, d.h. ihren nationalen, ethischen und Gefühlswerten widersprechend und sie beeinträchtigend empfunden werden. H. O n ck e n. Prof. Dr. M. Philippson. Die jüdische Religionsgemeinschaft ist gegenwärtig die älteste der Welt. Je weiter aber ihre Vergangenheit zurückreicht, um so notwendiger muß ihr die Zukunft vorbereitet werden. Sie bedarf der steten Erneuerung, um nicht rückständig zu werden in greisenhafter Erstarrung, wie so nianche andere große Religionsgemeinschaft. Je höher also ihr Alter, uni so mehr ist sie auf die Neugestaltung angewiesen, und diese kann nur unter der Mitwirkung der Jugend, größtenteils durch die Jugend sich vollziehen. Deren eifrige, ja begeisterte Beihilfe ist unentbehrlich, um dem Judentum und der Judenheit jene bewundernswerte Elastizität zu sichern, durch die sie sich während all der Jahrtausende immer wieder mit dem Geiste der Zeit, seinen Richtungen und Bedürfnissen in Einklang 13

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