Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 4 (1.4.1911)
- Date
- 1911-04-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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seiner Mitglieder auzuraten, sich fernerhin derjenigen deutschen Jugendvereinigung anzuschließen, deren Bestrebungen er die seinigen nennt. Nehmen Sie für heute im Drange parlamentarischer Arbeit mit diesen wenigen Worten fürlieb. Dr. Stengel, M. d. R. Reichstagsabqeordneter Dr. Struwe ssreis.). „Nur wer seine Eltern ehrt, wer den Glauben seiner Vorfahren achtet, wer Treue mitbringt und Treue hält, nur der kann jeder Mißachtung anderer ruhig gegenüberstehen: die kleine Gruppe anderer Treuer achtet ihn wie einen Seinesgleichen. Dr med. Struwe, Kiel. Wdj. Justizrat Timendorfer. Es ist charakteristisch für die Juden, daß sie namentlich Erinnerungsfeste in freudig ernster Stimmung feiern. Freudig ernst wird unser Gemüt ergriffen, wenn wir auf die herrlichen Früchte der Vergangenheit zurückschauen, zugleich über auch von der Höhe dieser Vergangenheit den Mut gewinnen, auf noch schönere Früchte der Zukunft hinzuschauen. So soll auch die Jahrhundertfeier der Emanzipation der deutschen Juden uns freudig ernst stimmen und uns befestigen in dem Wunsche, zwar gute Deutsche, aber zugleich auch gute Juden zu bleiben. Die Erinnerung an die Emanzipation soll uns Juden und namentlich die jüdische Jugend darin bestärken, in der Treue zum Vaterlande und zur Religion die Wurzel aller bürgerlichen und menschlichen Tugenden zu erkennen. Die Erinnerung an die äußere Emanzipation der deutschen Juden soll uns Juden und namentlich unsere jüdische Jugend in dem Entschlüsse bestärken, das Unsrige zu tun, damit unsere christlichen Mitbürger nicht nur deshalb als gleichberechtigt uns anerkennen, weil das Gesetz es vorschreibt, sondern weil sie unseren Wert als Mitbürger anerkennen müssen; ein Ziel, das ich die innere Emanzipation nennen möchte. Aeußerlich sind wir befreit. Die Vernunft und das Gewissen der Völker haben uns Juden die Gleichberechtigung gegeben, mit der freilich die Gleichberückstchtigung nicht immer Schritt hält. Die innere Emanzipation müssen wir uns selbst erringen dadurch, daß wir unentwegt edel, hilfreich und gut, voller werktätiger Menschenliebe gegen die gesamte Menschheit sind, kurz und gut, daß jeder einzelne von uns die Mission des Judentums zu erfüllen sucht: „Ihr sollt mir ein heilig Volk, ein Volk von Priestern sollt ihr mir sein " Jeder einzelne von uns Juden muß dem Sinn der Offenbarüngslehre gemäß durch sittlich reine Lebensfiihrung den Ruf und die Ehre unseres Stammes wahren. Dann wird das Endziel der Bestrebungen des Unabhängigen Ordens Bne Briß erreicht werden, daß alle Juden sein mögen „gute Juden, gute Bürger und gute Menschen." Erst nach Erreichung dieses Zieles werden wir mit ungetrübter Genugtuung uns unserer Emanzipation freuen können. Timendorfer, Präsident der Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B. . Oberbürgermeister Dr. Wilms-Pose». Euer Hochwohlgeboren habe ich infolge mannigfaltiger Abhaltung bislang auf das gefl. Schreiben betreffend den Verband der jüdischen Jugendvereine noch nicht geantwortet. Was den Inhalt des gefälligen Schreibens anlangt, so bin ich kein Freund konfesstoneller Vereinigungen, gleichviel welcher Konfession oder Religion fie angehören. Ich würde also bei einem Eingehen auf Ihre Frage mich in diese allgemeine Frage kritisch vertiefen müssen; ich würde Ihren Wünsche» mit meiner Antwort wenig entsprechen, andererseits vielleicht ohne Grund Anlaß zu einer Kritik geben, die über den Rahmen Ihres Ersuchens hinausgeht. Dr. WilmS. b) Männern der Wissenschaft Geh.-Rat Prof. Dr. I. Barth. Wie der Einzelne das Ebenmaß seiner Persönlichkeit, Zeinen Charakter, nur dadurch wahrt, daß alle seine Handlungen nur Ausflüsse seiner eigensten Grundüberzeugung find, so auch jede Gesamtheit, als erweiterte Persönlichkeit angesehen. Sie soll den in ihr erwachsenen Ideen dauerndes Leben geben, soll der Leib sein, durch den die Ewigkeitgedanken ihrer Vergangenheit sich zugleich als die der Zukunft irhalten. Auch Gesamtheiten gewinnen Charakter nur durch Treue gegen die Kräfte, die in ihnen gewirkt und fie geschichtlich erhalten haben, gegen ihre Ideen und ihre Geschichte. — Wie der Eigenwert der Person sich an dem Grade seiner Förderung des Gesamtwohls erprobt, so der einer Gesammtheit nach ihrem Eifer und Erfolg im Wettkampf mil den anderen für das Glück der staatlichen und menschlichen Gesellschaft. Prof. Dr. I. Bart h. 1?