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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-04-01 · 4 (1.4.1911) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
4 (1.4.1911)
Date
1911-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Vereins, die jüdische Jugend gleichzeitig zu treuer Anhänglichkeit an den Glauben ihrer Väter und zu freudiger Pflichterfüllung dem Vaterlande gegenüber zu erziehen, meine volle Sympathie besitzen. Die Erfüllung Ihres Wunsches, einen Beitrag für Ihre Festzeitschrift zu liefern, muß ich mir zu meinem Bedauern versagen, da ich auch in anderen, ähnlichen Fällen aus prinzipiellen Gründen eine Meinungsäußerung zu Fragen abgelehnt habe, die mit dem von mir vertretenen Reffort in keinem oder doch nur sehr losem Zusammenhänge stehen. v. Tirpitz. StaatSminister v. Schorlemer. Auf die Eingabe voni 28. Januar d. I. erwidere ich ergebenst, daß ich grundsätzlich Beiträge der gewünschten Art zu Veröffentlichungen in der Presse nicht zur Verfügung stelle. Ich kann daher auch im vorliegenden Falle der mir ausgesprochenen Bitte keine Folge geben, trotzdem ich gegen die mir kundgegebenen Ziele des Verbandes auch meinerseits keine Einwendungen zu erheben habe und es dankbar begrüße, daß der Verband sein Bestreben dahin richtet, die jüdische Jugend zur freudigen Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber dem deutschen Vaterlande heranzuziehen. C. v. S ch o r l e m e r, Staatsminister Wirkl. Geh. Rat Dr. Dernburq, Staatssekretär a. D. Ich besitze Ihr geschätztes Schreiben vom 3. Februar. Den Zielest Ihres Verbandes, dem Vaterlande aufrechte und freudige Bürger zu erziehen, wünsche ich jeden Erfolg. Es wird dadurch die Arbeit aller derjenigen unterstützt, die sich bemühen, die geschriebenen Grundrechte der Deutschen und der Preußen für alle Stände und Konfessionen in Anwendung zu bringen. Dr. Dernburg, Wirkl. Geh. Rat. Oberbürgermeister Bender-Breslau. In den widerwärtigen und zum Teil aufregenden und ekelhaften Anfechtungen, die der junge, deutjchc Jude heute vielfach erfährt, können ihn nicht solche kurzen Worte noch so einwandsfreier oder hochgeachteter Mitlebender feines Deutschtums getrosten, als vielmehr die Geisteswerke großer Deutscher, zu denen auch wir Nichtjuden uns aus mancherlei Trübsal und Anfechtung der Gegenwart flüchten, und ferner die eindringliche und liebevolle Würdigung deffen, was das deutsche Volk, — Dank eben jenen großen Geistern, — zur Förderung und Befreiung des Menschengeschlechts geleistet hat. Ist das als deutsches Eigen anzuerkennen, dann wird auch der junge deutsche Jude sich mit uns anderen Deutschen in der Ueberzeugung und Hoffnung vereinigen, daß wir viele gerade der häßlichsten Zeiterscheinungen als schmutzigen Gährungsschaum anzusehen haben: hervorgerufen durch die stürmische und aufregende Entwickelung, die unser Volk während der letzten zwei Menfchenalter genommen hat; und daß dieser Schaum und Schmutz abgestoßen werden wird, wenn daü deusche Volkstum sich aus der Erregung der Kampf- und Drangzeit wieder zu seiner Eigenart abklärt. Dazu tatkräftig und opferfreudig mitzuhelfen, wird die schöne Aufgabe des künftigen Geschlechts sein, und diese Aufgabe wird um so schöner und befriedigender für den Einzelnen sein, je mehr er sich nicht nur kritisch verhält, sondern sich auch tätig zugreifend in das Tagestreiben mischt; ' trotz aller Verletzungen und Enttäuschungen, die er sich dabei zuzieht. So, — durch tätige, liebevolle Teilnahme am deutschen Volksleben — wird dann auch am sichersten und würdigsten die t a t s äch l i ch e gesellschaftliche Ausgleichung zwijchen jüdischen und christlichen Deutschen zu erhoffen sein, deren Fehlen gerade den besten und deutschesten Juden, - und uns mit ihnen — das Herz kränkt und das Leben trübt. G. Bender Oberbürgermeister. Justizrat Dr. I. Blau-Frankfurt. Aus den letzlen Verhandlungen in Sachen der Alliance-Paris und -Berlin missen Sie, daß ich nicht gern in die Oeffentlichkeit trete und dies nur dann tue, wenn es unbedingt nötig ist im Interesse der Sache des Judentums, die für mich die Sache des Vaterlandes und der Freiheit, der Vorurteilsfreiheil in politischer, religiöser und sozialer Beziehung ist. und wenn ich der Ueberzeugung bin, daß gerade mein Wort dieser Sache dienen kann. Das scheint mir vorliegend nicht der Fall. Dagegen beglückwünsche ich Sie zu Ihrer Idee, denn, falls recht viele unserer christlichen Vaterlandsgenossen Ihrer Aufforderung entsprechen, werden wir hören, ob und inwieweit nach der Ansicht der hervorragendsten unter ihnen die Hoffnungen und Befürchtungen, die sich an die Emanzipation der deutschen Juden geknüpft haben, zugelroffen sind. Ich für meinen Teil habe keinen Zweifel, daß die Antwort nur die sein kann: Die Inden sind ein integrierender und wertvoller, ja unentbehrlicher Bestandteil des deulschen Volkstums geworden. Sie wollen nur und nichts als Deutsche sein, wollen aber ihr altererbtes religiöses und soziales Kulturgut getreu der ihnen gewordenen geschichtlichen Aufgabe sich und ihren Nachkommen zum Segen für das Vaterland und die Menschheit erhalten. D r. Blau. Minna Caner. Verzeihen Sie, wenn ich Ihre mich so sehr ehrende Bitte nicht erfüllen kann! Ich bin sehr wenig orientiert über die schulentlassene jüdische Jugend. Soviel es in meinen Kräften steht, bin ich stets für die Juden eingetreten, denn jede Entrechtung, sei es die einer Raffe oder eines Geschlechts, ist in meinen Augen verwerft ch. Ich weiß in der Tat nicht, was ich zu Ihrem Gedcnk- 3

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