Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-03-01 · 3 (1.3.1911) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
3 (1.3.1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4926451-6352328-6352446--0104-4929381
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

. - y^.'^-r&zrysvmrrr.-r'. der Erkenntnis, daß lediglich die Selbstständigkeit und die Verantwortlichkeit der, Beteiligten den andauernden Bestand einer Vereinigung verbürgen können. Die Ziele unseres Bundes sind dieselben wie die aller anderen Jngendvereine in Deutschland es sind oder sein sollten: Förderung jüdischen Wissens und Bewußtseins, Bildung und Entwicklung einer jüdischen Lebensschanung; die Mittel: Vorträge, wiffeiischaftliche Kn,sc, Bibliothek, Geselligkeit, Sport, praktische Lehrkurse usw. Die an den wöchentlich stattfindenden Sitzungen gehaltenen Vorträge waren in chronologischer Reihenfolge: Die Bewegung der jüdischen Jugend (Kurt Blumenseld, Berlin); die Aufgaben eines jüdischen Jugendbundes (Siegmund Rappaportl: jüdische Aerzte und Dichter als Philosophen (Zahnarzt Rummelsburg); Festrede zu Purim (stuä. jur. Schalschat; die Schönheiten der Bibel (8tud. phil. Zweig»; die großen, jüdischen Organisationen (stud. jur. Schalscha); Abwehr des Antisemitismus lFritz Cohn); die Bedeutung des Sports für die Juden (Referendar Ehrlich); Jehuda Halevt) (llr. Braunschweiger); Moses Montesiorc (Rabb. 1)r. Nischkowskh»; das jüdische Problem im neueren Roman (caud. phil. Zweig); das Ghetto und seine Spuren (R-A. Lachmnnn, Königs- Hütte); Jüdische Jugenderziehung (Rabb. Dr. Winter, Mhslowitz); Programm und Geschichte der politischen Parteien Deutschlands (Arnold Wiener); Heines Entwicklungsjahre (Heinrich Marguliest; was giebt uns die Frauenbewegung? »Frl. Minna Scholz); Jüdische Gedanken und Probleme (Rabb. Dr. Knatz, Zabrze); Das Tanfjudentum — die innere Gefahr Rabb. Dr. Goldmann, Oppeln»; das Verbandsorgan (Dr. Braunschweiger); Festrede zu Channukkah (Dr. Stahl, Tarnowitz); lvie rüsten »vir unsere Jugend zum Lebenskämpfe aus? (Dr. med. Goldschmidt, Königshütte): die Lage der Juden in Rußland (Rabb. Dr. Nischkowskh); Biblische Stoffe in den Werken Michel AngeloS mit Lichtbildern Dr. Braunschweiger); die Krankheiten der Juden, ihre Ursachen und ihre Bekämpfung (Dr. Aronade»; Wintersport (Frl. Grete Krämer». An einige der Vorträge schloffen sich Diskusstoncn, die größtcnteils in prinzipiellen Auseinandersetzungen zwischen den im Verein vertretenen Richtungen bestanden. Die Vortragstätigkeit nach einem bestimmten Programm durchzuführen, erwies stch bisher noch nicht möglich; im kommenden Jahre wird dies >nit größter Energie anzustreben sein, wen» die Wirkung eine tiefergehende sein soll. Erfreulich ist, daß >7 von den 24 großen Vorträge»» der Berichtszcit von den» Verein angehörenden Rednern' bestritten werden konnten. Um in» kleineren Kreise Gelegenheit zu Diskusflonsübungen zu geben, und gleichzeitig die Kenntnisse auf einem Spezialgebiet zu fördern, wurde'unter Leitung von Rabb. Dr. Rischkotvskh ein Kursus „lieber die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern" eingerichtet. In den bisher staitgehabten Sitzungen sprachen: Dr) Nischkowskh über den Arbeitsplan; Lina Freund über Galizien; Alfred Rothnia »in, über Oesterreich-llngarn; R-A. Walisisch über Ruinänien. Den Referaten schließt stch immer eine rege Diskussion an. Die Kursabende finde» in eine»» von der Gemeinde sreundlichst zur Verfügung gestellten Zimmer des Jüdischen Gemeindehauses statt. Die Bibliothek des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur sieht den Mitgliedern zur Benutzung zur Verfügung Sie wurde mit einem Bestand von 200 Büchern in die Verwaltung des Jugendbundes übernomniki» und durch Neuanschaffungen und SchenkllUgen bis aus 800 Bücher gebracht. Die Frequenz schwankt zwischen 25— 40 Entleihern an dem wöchentlich stattfindenden Bibliotheksabend und befindet sich im Steigen. Kurse sür Hebräisch und Einrichtung eines Lesezirkels befinden sich in Vorbereitung. Die „Mitteilungen des Verbandes werden 50 Eremplaren abonniert, jedoch wird bei der Verbesserung und weiteren Allsgestaltung des Blattes die obligatorische Einführung für alle Mitglieder erwogen. Von den geplanten Praktischen Lehrkursen ist vorläufig nur einer für Stenographie unter Leitung von Dr. Aronade eingerichtet worden und seinem Abschluß nahe; in einem llebungskurs soll er dann seine Fortsetzung finden. Das Schulzirniner hat der Magistrat bereitwilligst hergegebe». Der ztveite Teil der tvöche»rtlichen Bersaururlungeu »var größtenteils, soweit die Zeit nicht durch die Diskussion in Anspruch genommen »var, einem geselligen Znsamniensein gelvidmet. Musikalische und rezitatorische Darbietungen und in letzter Z,eit gemeinschaftliche Lieder trugen zur Unterhaltung und Gemütlichkeit bei; z»»weilen auch Vorlesung jungjüdischer Lyrik, Erzählungen ec. Der Pflege der Geselligkeit dienten auch der Eröffnungskoinmers, ein Teeabend zu Purim, Maispaziergänge, zivei größere Sommerausflüge, cineChanukkahfeier und ein Winterspaziergang nach Gieschewald. Als eine der wichtigsten Ausgaben galt dem Vorstand die Förderung von Turnen und Sport. Ersteres konnte mangels einer Turnhalle noch nicht gepflegt werde», doch besteht'die Hoffnung, daß die Bemühungen demnächst Erfolg haben werden, während zur sportlichen Betätigung die Mitglieder mannigfach angeregt wurden. Einer Tennisabteilung wurde von unserem Vereinsmitglied, Herrn Alfred Müller, ein Platz kostenlos zur Verfügung gestellt, »vofiir allch an dieser Stelle herzlichst gedankt sei. Die Erlernung des Schwimmens suchten »vir durch billige Schivimmkurse und durch Verteilung von Prämien für Freischwimmer zu fördern, das Schlittschuhlaufen durch Ausgabe billiger Abonnements für die Eisbahnen. Dem Wintersport'haben wir unser ganz besonderes. Jntereffe zugetvand». »vie die Veranstaltung der Spaziergänge ilnd das Thema unseres letzten Vortragsabends beiveist. Auch eine Kegelabteilung ist in Bildung begriffen. Wir »varen auch in der Lage, sowohl sür das Stadttheater als auch für eine Reihe von Konzerten unb Vorträgen unseren Mitgliedern billigere Billetts zur Verfügung zu stellen. Von besonderen Vcranstaltltngen seien »och erwähnt die Sederabeicde (durch Unterstützung der Gemeinde ermöglicht), der Heine-Abend und der musikalische Abend, arrangiert und zum großen Teil bestritten von Herrn Oberkantoc Singer. llin unseren Bestrebungen auch schon in der kommenden Generation Eingang zu verschaffen, haben sich auf unsere Anregung »ind unter unserer Führung mehrere große, in der Gemeinde »virkende Vereine zur Veranstaltung von „Kindernachmittagcn" vereinigt, deren erster am 2ll. d. Mts. srattsindot. An jeden» Sonntag Nachmittag sollen die Kinder aller Gemeindemitglieder iin Alter von Il'bis 14 Jahren zu Vorträgen jüdischen Inhalts, Gesängen und Spielen zusammengeführt werden. Auch bei einer arideren Gelegenheit hat sich der Jugendbiliid als die „Plattform" zur gemeinsamen Arbeit der verschiedenen Orgarilsationen bewährt. Auf unsere Initiative veranstalteten der Zentralverein, die zionistische Ortsgruppe, der Literaturverein und wir genieinsam eine von mehr als 400 Personen besuchte öffentliche Bersaininlnng, die dem Thema „Das Tnnsjndentnm — die innere Gefahr" gewidmet »var. Dem Austausch der Erfahruilgen und Ansichten der Vertreter der oberschlesischen Jngendvereine »varen die Bezirkskvnferenzen in Zabrze und Kattowitz ge»vidn>et; über letztere, die am 10. d. Mts. stattfand (Tagesordnung: Der Delegiertentag in Hannover), »vird besonders berichtet.' Dem erster» Vorstände gehörten an: R.-A. W a l l f i s ch als erster, Hans Korn bl um als zweiter Vorsitzender, Z a h n a r z t R u m m e l s b u r g als erster, Rosa Goldmann als zweiter Schriflsührer, Willi Anspach als Kassierer und Siegmund Rap pa Port, Ottilie A n g r e ß, R e f e r e n d a r E h r l i ch, M a r S ch w e r s e n z als Beisitzer. Der Vorstand für das neue. Vereinsjahr wurde gebildet aus Siegln und Rappaport als erstem, Dr. O t t o A r o n a d e als zweitem Vorsitzenden, Alfred Roth m a n n als erstem, Rosa G o l d m a n n ztveitem Schriftführer, L u d iv i g W a ch 8 n e r als Kassierer und Ottilie A n g r e ß, R o s a K r e b s, Dr. P i n c z v »v e r und Heinrich M a r g u l i e s als Beisitzer. Die Zahl der Mitglieder betrug bei der Gründung 60, am l. Januar 1911 212 und ist jetzt auf 235 gestiegen, von denen, »vas yervorgehoben sei, nur drei außerordentliche (d. h. verheiratete) Mitglieder sind. Die regelmäßigen Wochenversamnillingen waren durchschnittlich von 100 Mitgliedern besucht, Mit den Vorstands-, Kommiisioiis- und Ausschnßsttzungen fanden insgesanit 75 Versammlungen statt, so daß unter Berücksichtigung der Hoch- 1 5 u: 1 i 4 l;; '4 .4 1 5 -rV — 7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.