Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 2 (1.2.1911)
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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5 (Dassel. Im Februar ISO» wurde unser Verein gegründet, 1910 waren wir 50 Mitglieder, aber die Abende, alle 14 Tage eine Zusammenkunft, waren höchstens von 16—20 Personen besucht, die zum größten Teil sofort nach dem Vortrag spurlos verschwanden, sodaß von einem Vereinsleben, von einem näheren Bekanntwerden der einzelnen Mitglieder keine Rede sein konnte. Dieses sVereinsleben konnte niemand befriedigen und es wurden schon viele Stimmen laut, die den ganzen Verein eingehen lassen wollten. Indessen versuchten wir es erst einmal anders. Durch einige gut arrangierte »mstkalisch-deklamatorische Vortragsabende und Vergnügungen, interessierten wir einen größeren Kreis für unfern Verein und sür unsere Bestrebungen und fanden so schnell noch eine große Anzahl ordentlicher und außerordentlicher Mitglieder, sodaß wir heute 120 Mitglieder zählen und unsere Vereinsabende seht alle 8 Tage von ca. 80—100 Personen besucht werden. Nach den Vorträgen werden geeignete Kräfte von den Mitgliedern oder aus der Zahl der Gäste zu musikalischen und deklamatorischen Vorträgen herangezogen. Ab und zu wird »ach den Vorträgen getanzt, sodaß sich langsam ein nettes Vereinsleben entwickelt. Wir halten einige jüdische Zeitschriften, eine Bibliothek ist im Entstehen begriffen, außerdem hat uns der Literatur-Verein seine Bibliothek zur Verfügung gestellt. Alle Herren, an der wir uns mit der Bitte wandten, bei uns einen Vortrag zu halten, waren gern dazu bereit, sodaß wir bis in den Mai hinein mit Vorträgen versehen sind. Neben diesen Vortragsabenden, werden Kurse über jüdische Geschichte, über häusliche Krankenpflege, über sexuelle Aufklärung und ein Stcnographiekursus abgehalten. Eine Wanderriege ist im Entstehen, aus der sich eine Turnriege entwickeln soll. Unsere Statuten, die sich als unbrauchbar herausgestellt hatten, haben wir um gearbeitet unter Zugrundelegung der Normalstatuten des Verbandes, die ich jedem Verein als Unterlage bei Schaffung neuer Statuten empfehlen kann. Licgnitz. Im November 1910 faßte die hiesige „Silesia- Loge" ans Anregung der Großloge den Beschluß, einen jüdischen Jugendvercin hier erstehen zu lassen. Unter dem Namen „Jüdischer Jugendbund Liegnitz" zu Liegnitz wurde er am 25. November 1909 mit 80 ordentlichen Mitgliedern ins Leben gerufen. Um die Gründung und Förderung hatten sich besonders verdient gemacht die Herren Rechtsanwalt Mar Dresdner, Apotheker Lothar Lohn, Kaufmann Martin Haurwitz und M. Ca spart). Den ersten Vorstand bildeten die Herren I. JuliuSburger, erster Vorsitzender; H. Bukofzer, stell». Vorsitzender; E.Cohn, Schriftführer; G.Schnitttin, stellv. Schriftführer; A. Doktor, Kassierer. Gleich uach Begründung wurde eine kleine Bibliothek errichtet, die heute 82 Bücher zählt. Von 1909 bis jetzt hielten Vorträge die Herren B. Pinczowcr über „Chanukah", Mar Krieg über „England, insbesondere London", ein Referat über „Der Jude als Staatsbürger" Referendar Dr. Lomnitz, Herrr B. Pinczower: „Deutschlands Entwickelung zum modernen Staat", Herr Rabbiner Dr. P e r i tz: „Ein jüdischer Staatsmann vor 1000 Jahren", Herr Rechtsanwalt P i ck über „Heinrich Heine und seine Beziehungen zum Judentum", Herr Apotheker L. C o h n über „Die Bakterien". Auch an geselligen Veranstaltungen haben wir es nicht fehlen lassen. Am 9. Februar 1910 fand ein Herren-Abend, am 24. März eine Purimfeier mit Festessen statt, im Sommer wurde ein Ansflug nach Meusdorf und Tillebrunn unternommen, der von etwa 25 Teilnehmern besucht war. Da der erste Vorsitzende Herr Juliusburger ani 1. August Liegnitz verließ, wurde in einer außerordentlichen Hauptversammlung Herr Louis Bodlaeuder zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die Winter-Saison eröffnete der Verein am 10. November, am Tage von Schillers Geburtstag, mit einer „Schiller-Feier", einer musikalisch-deklamatorischen Soiree, bei der im ersten Teile nur aus Schillers Werken rezitiert wurde, während der zweite und dritte Teil humoristische Vorträge, Klavier- und Violinsolis und ein Gesangsduett brachte. Während zu allen bisherigen Vortragsabenden innner nur 30—50 Personen erschienen, konnten wir an diesem Abend 95 Personen begrüßen. Dä bei dieser Soiree das erste Mal auch der junge Damenflor, sogar unter den Vortragenden, ansehnlich vertreten war und Stimmung dafür herrschte, so ließen wir auf Wunsch der Damen einen halbstündigen Tanz folgen. Wie ein Lauffeuer ging die Kunde von unserer gelungenen Schiller-Feier durch unsere Stadt; und als wir dann am 10. Dezember die Feier unseres 1. Stiftungsfestes begingen, da war es zum ersten Male in Liegnitz die ganze jüdische Jugend beiderlei Geschlechts, die hier zur Teilnahme an diesem prächtig gelungenen Feste vollzählig, erschienen war. Ein von Herrn Bodlaeuder verfaßter und von Fräulein Herta Danziger vorgetragener Prolog eröffnete die Feier, dann folgten Gcsangsvorträge von den Herren Kantor Sommerfeld, Kantor Liebich, ein Ballett, getanzt von der erst 8 jährigen Erika von Russodsky vom Breslauer Schauspielhause, und zum Schluß erfolgte die Aufführung einer von Herrn L. Bodlaender für das Stiftungsfest geschriebenen einaktigen Posse mit Gesang: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten I" An der Aufführung wirkten die Damen Fräulein Grete Sandberg, Fräulein Else Schlesinger, Fräulein Elsa S ü ß - m a n n und Fräulein Tina T i ch a u e r, die Herren L. B v dl a e n d e r , W. B ö h m, E. Cohn, F. Markus und G. S ch n i t t k i n mit. Der Autor erhielt einen Lorbeerkranz mit einer Widmung. Zu den Vorstellungen waren etwa 150 Personen erschienen, von denen 100 bei Tee- und Kaffeetafel bis in die frühesten Morgenstunden ausharrten. Eine Anzahl neuer Mitglieder trat dem Verein bei diesem Anlaß bei. Am 29. Dezember hielten wir eine Channkkahfeier ab, bei welcher Herr Rabbiner Dr. Peritz eine Ansprache hielt, worauf ein Chor von jungen Damen das Lied „Moaus zur!" sang. Jungjüdische Rezitationen und ein einstündiger Tanz bildeten den Abschluß der Feier. Das Jahr 1911 begann mit unserer ordentlichen Hauptversammlung am 2. Januar, in der als Vorstand gewühlt wurden die Herren: L. Bodlaender, (1. Vorsitzender), E. Cohn, lstellvrrtr. Bors.), I. Markus, (erster Schriftführer), A. Juliusburger, (ein Bruder nuferes früheren Vorsitzenden) 13