Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 2 (1.2.1911)
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Aufgaben, die Geiger dem durch die Emanzipation von den mittelalterlichen Fesseln befreiten Judentum stellt, bestehen noch in unserer Zeit. Er schreibt hierüber Seite 538: ,Vor allem aber haben wir ein teures Erbe unserer Vorfahren zu bewahren, einen reichen Schatz, den wir nicht verscherzen dürfen; das ist der hohe sittliche Ernst, der sie schmückt, der sie im Verkehr im Hause und in der Außenwelt begleitete, der sie im Frohsinn und im Leiden hob. Die nachdrückliche Mahnung ergeht an uns, daß wir diesen sittlichen Ernst uns erhalten, ihn nicht aufgeben, bei der Erweiterung unserer Lebensstellung, das Knie nicht beugen der Sinnenlust und dem Genüsse, nicht der Flachheit und der Aeußerlichkeit verfallen, die in Kunst und Wissenschaft und Religion bloß einen Gegenstand leichter und gefälliger Unterhaltung findet, der ein prickelnder Witz, der Vollgehalt des Gedankens ist, weil sie eine jede ernste Arbeit scheut, die in der anmutigen Form das höchste Ziel findet, während bei unseren Alten die Schönheit bloß dann Geltung hatte, wenn sie die Wahrheit voll durchstrahlte. In Erfüllung dieser Aufgabe haben wir das Judentum auf seinem dritten Lebensgange zu begleiten. Es war zuerst das Judentum des Volkslebens und hat als solches sich bewährt. Es war dann das Judentum innerhalb der Menschheit, aber abgesondert, gedrückt, und hat als solches seine Schätze bewahrt. Nun wird das freie Judentum innerhalb der Menschheit zu wirken berufen, es soll mit ihr im innigsten Kontakte wahrhaft seinen Geist entfalten, empfangend wie spendend sich nun bewähren." Möge dieses Buch, das in 34 Vorlesungen das Judentum und seine Geschichte bis zum Ende des 16. Jahrhunderts behandelt, in unseren Vereinen nicht blos gelesen, sondern in einzelnen Referaten besprochen werden. In den Diskussionen können ja etwaige Jrrtümer abgelehnt und berichtigt werden, im großen ganzen wird unsere Jugend aus diesem Buche viel, sehr viel lernen. — Mögen aber bei den Referaten über die einzelnen Vorlesungen Geigers die jungen Geister a n -, aber nicht a u fgeregt werden; mögen sie in ihren Diskussionen an das Wort Geigers denken: „Gleich ist der Boden, auf dem nun alle stehen, hoch ist das Ziel, nach dem alle ringen." Möge unsere Jrigend stets daran denken, daß rins alle ein Streben beseelt, nämlich die Erhaltung des Judentums. vr. F. Ephraim Straßburg i. Elf. teh rerverli ttnd und Iugend Vereinskestrebungen. Am 27. Dezember fand anläßlich der Lehrerverbandstagung in den Räumen des Montefiore-Vereins in Frankfurt a.M. eine Versammlung zur Aussprache über die Jugendvereinsbewegung statt. Der Vorsitzende des Montefiore-Vereins Herr Dr. Löffler begrüßte die in stattlicher Anzahl erschienenen Delegierten des Lehrervecbandes und erteilt dann dem Referenten Herrn Felix Me her das Wort zu seinem Thema die „Jüdische Jugendbewegung und die Lehrer". Er betonte, daß vor wenigen Jahren man wohl kaum hätte annehmen können, daß eine derartige Bewegung einen so weiten Umfang annehmen würde, wie dies heute bereits der Fall sei. Sie ging überhaupt aus von Frankfurt a. M., wo sie im Jahre 1897 auf Anregung des dortigen Rabbiners Dr. Marcus H o r o v i tz zuerst ins Leben gerufen wurde, um Dreifaches zu erreichen: Kräftigung der Jugend in körperlicher, in sittlicher und geistiger Beziehung; in körperlicher Hinsicht dadurch, daß ein Verein, in dem der junge Mensch ein Heim findet, ,ihn davon abhält, solche Erholungsstätten aufzusuchen, die nicht nur keiner Erholung dienten, sondern seine Kräfte abspannien und ihnr unwürdigen Zeitvertreib bieten. Und die jüdische Jugend trägt noch mehr als andere ein schweres Verantworllichkeitsgefühl in sich, weil von dem einzelnen auf die Gesamtheit geschlossen wird. In geistiger Hinsicht soll der Jugend zum Bewußtsein gebracht werden, was sie in ihrem Judentum besitzt, dessen Ideale zu Pflegen ihre Aufgabe ist. Vor allem aber soll das Heimatsgesühl in ihm wach erhalten werden, weck aus ihm die Kraft erwächst, die Schwierigkeiten des Lebens leicht zu überwinden. Daher ergeht hauptsächlich an den jüdischen Lehrer der Ruf, daß er mitarbeite an der inneren Erstarkung der jüdischen Jugendbewegung, da es ja sein Beruf in erster Reihe mit sich bringt. Um diese Aufgabe zu erleichtern, erörterte nun der Vortragende die sechs Leitsätze, die von dem Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands betr. die Förderung der jüdischen Jugendbewegung durch den Verband der jüdischen Jugendvereine den Anwesenden vorgelegt wurden und die in der letzten Nunimer dieses Blattes mitgeteilt Worden sind. An den mit vielen Beifall angenommenen Vonrag schloß sich eine sehr rege Diskusjsion, an der sich hauptsächlich die Herren Steinhardt-Magdeburg, Becker-Wollstein, Hoiwitz-Eassel, Peritz-Königsberg und Auerbach-Berlin beteiligtm. Schließlich kam ein Antrag Peritz-Königsberg zur Abstimmung, es solle Nr. 1 und 2 der Leitsätze in folgender Fassung angenommen werden: Die aus Anlaß des V. Lehrer-Verbandstages in Frankfurt a. M. in den Räumen des Montefiore-Vereins versammelten jüdischen Lehrer erblicken in den Bestrebungen der jüdischen Jugendvereine Deutschlands ein vorzügliches Mittel, das jüdische Bewußtsein und die idealen Interessen der Heranwachsenden Jngend zu stärken. Den jüdischen Lehrervereinen wird daher empfohlen, sich überall in den Dienst der Jugendbewegungen zu stelle». Der Antrag P e r i tz wurde einstimmig angenommen. Nach einem nochmaligen Danke des Vorsitzenden für das zahlreiche Erscheinen der Delegierten, wurde die Sitzung geschlossen und die Gäste eingeladen, noch ein Stündchen gemütlich mit uns in unseren Vereinsräutiien zu verbringen. Der Einladung wurde gerne Folge geleistet. <3. 13