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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-02-01 · 2 (1.2.1911) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
2 (1.2.1911)
Date
1911-02-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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gung der Gemeinden überhaupt nur moralischen, keinen Zwangseinfluß auf die ihm angeschlossenen Gemeinden auszuüben in der Lage ist. Die Absicht, diese Frage bereits auf dem im Monat Mai stattfindenden Gemeindetag zur Erörterung stellen zu lassen, wie es der Lehrerverband wünscht, dürfte sich kaum ausführen lassen, da die Gegenstände der Beratung bereits so ziemlich festgesetzt sind. Die Aeuderung des Grundgesetzes, der Statuten, die u. a. eine andere Verteilung der Stimmenzahl der Gemeinden vorsehen, und die Wanderarmenfürsorge- Organisation sind, wie wir zu wissen glauben, die beiden hauptsächlichsten Beratungsgegenstände für die Maiversammlung der organisierten jüdischen Gemeinden Deutschlands. Als Ort der Tagung kommt neben Berlin noch Dresden in Frage. Eine vorerst erfreuliche Wendung haben im Anfang dieses Monats die llnstimmigkeiten genommen, die zwischen der Pariser Zentralleitung der „Alliance" und der deutschen Abteilung dieser jüdischen Weltorganisation bestanden. Von der beabsichtigten Beseitigung der „Deutschen Konferenzgemeinschaft", wofür es übrigens keinerlei statutarische oder gesetzliche Möglichkeit gab, ist man in Paris abgekommen. In der Versammlung der Mitglieder der deutschen Kvnferenzgemeinschaft. die Anfang des Monats hier in Berlin stattfand, wurde dieser Standpunkt eingenommen und der Beschluß gefaßt, die deutsche Vereinigung fortbestehen zu lassen, Paris hat darauf nachgegeben und sein Einverständnis mit diesem Hauptpunkt des Berliner Beschlusses erklärt, dabei nur gewisse Erwartungen bezüglich der Regelung des finanziellen Verhältnisses ausgesprochen. Ob sich hierbei oder sonst noch irgendwelche kleine Differenzen ergeben werden, mag dahingestellt sein. Jedenfalls scheint es, als ob eine gedeihliche weitere Entwicklung des Alliancegedankens in Deutschland, die durch die „Unstimmigkeiten" und deren lange Andauer zweifellos.Schaden erlitten haben dürfte, jetzt möglich geworden sein dürfte. Zn wünschen bleibt freilich, daß die Pariser Zentrale aus den öffentlichen Erörterungen auch einige Konsequenzen zöge, insbesondere in der Richtung, daß die Alliance neben ihreni Schulwerk auch ihren anderen programmatischen Aufgaben die gleiche Sorgfalt und Aufmerksamkeit zuwendet. Mehr als die Alliance haben eine Reihe anderer Vorkommnisse in den letzten Wochen das jüdische Interesse geweckt. Da ist zunächst der Kohlersche Aufsatz in der „Deutschen Montagszeitung" von dem schon in der „Presseschau" der vorigen Nummer kurz Notiz genonnnen ivorden ist. Die Antwort Professor Maybaums auf den Rat Köhlers diejenigen Juden, die religiös auf einem Standpunkt stehen, der sich dem der freieren Richtung des Protestantismus nähere, mögen zum Ehristentum übertreten, haben wir unseren Lesern bereits mitgeteilt. Jetzt ist auch Herr Walter R a t h e n a u, der Verfasser von „Höre Israel" ans den Plan getreten. Er veröffentlicht in derselben „Deutschen Montagszeitnng", in der Köhlers Artikel erschienen ist, eine Entgegnung, in der er den Standpunkt des sogenannten Trutzjudentums vertritt, trotzdem aber auch manches treffende Wort ausspricht, das uns zeigt, Herr Rathenau hat sich seit seiner letzten Schrift: „Höre Israel" doch zu etwas allgemeinjüdischeren Anschauungen durchgerungen. Er lehnt die Kohlersche Taufforderuug rund ab, weil sie u. a. dem gebildeten Juden nuferlegt, „sich als einen Menschen zu empfinden, der von der Aufgebung seines Väterglaubens geschäftlich oder sozial profitiert und ihn zuguterletzt nötigt, sich durch den Akt löblicher Unterwerfung einverstanden zu erklären mit der preußischen Judenpolitik, die nichts weniger bedeutet, als die schwerste Kränkung, die ein Staat einer Bevölkerungsgruppe znzufägen vermag." Was er dann von der preußischen Judenpolitik, die er „rückständig, falsch, unzweckmäßig und unmoralisch" nennt, eingehend ansführt, kann man nur unterschreiben, auch wenn man der einen oder anderen seiner übrigen allgemeinen Ausführungen den subjektivsten, persönlichen Charakter anmerkt. Wenn er z. B. die Ursache des Antisemitismus in einer alten und tiefen gegenseitigen Stammesabneigung erblickt, so trifft das. wenigstens ivas die deutschen Jude n betrifft, sicherlich nicht zu. In vielen Kreisen wird Herr Rathenau gerade das Gegen teil einer Abneigung von Juden gegen Christen wahrnehmen, ja eine zuweilen sogar recht aufdringliche Hinneigung zu ihnen. Bei den Juden also herrscht unseres Wissens keine Stammesabneigung, und es erscheint uns erforderlich, diese Behauptung Herrn Rathenaus ausdrücklich als irrig zu bezeichnen. Auch die Auffassung, daß die „innerliche lieberemstinimung" der jüdischen und christlichen Lehre den Juden den Nebergang zum Christentum leicht machen könne, wird sicherlich auch von dem liberalsten Inden nicht geteilt werden und die höchstpersönliche des Herrn Rathenau sein. Im übrigen aber ist es durchaus erfreulich, zu sehen, daß ein Mann, der Assimilierungsgedanken im iveitesten Sinne zugänglich 7

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