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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-02-01 · 2 (1.2.1911) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
2 (1.2.1911)
Date
1911-02-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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-i hältnisses zwischen den Angehörigen der beiden Religionsgemeinschaften erkennen. Was ist erklärlicher, als daß unsere christlichen Freunde uns auf diesem Wege zur Erlangung konfessioneller und gesellschaftlicher Gleichberechtigung entgegenkommen wollen, um sich durch eine, wenn auch nur ungefähre Kenntnis der jüdischen Psyche und jüdischer Geschichte uns näher zu bringen. Wissen doch auch wir jungen Juden im allgemeinen mehr vom Christentum als seine bloße Entstehungsgeschichte.- Und doch, so will mir scheinen, ist ein jüdischer Jugendverein, eine Gemeinschaft von Juden zur Pflege des Jüdischen, nicht der richtige und geeignete Ort, um Andersgläubige in das Zauberland des Judentums einzuführen. In unseren Vereinen wird doch so manches gesprochen und getan, was von Andersgläubigen, wenn auch vielleicht mit uns verstanden, aber nicht mit empfunden werden kann. Was der Andersgläubige aber hören möchte und hören soll, um Einblick in das Judentum zu gewinnen, wird ihm nicht immer geboten werden, denn in unseren Vereinen unterhalten wir uns doch nicht über uns längst Bekanntes, über die Grundvesten des Judentums, die uns schon von Kind auf ins Blut übergegangen sind. Diese detailliertere jüdische Wissenschaft, Geschichtswissenschaft, Literaturgeschichte und sonstige Zweige der jüdischen Geisteskultur, mit denen wir uns in unseren Vereinen beschäftigen, kann dagegen von unserer andersgläubigen Mitjugend, die in einer ganz anderen religiösen Sphäre erzogen ist, nicht mitempfunden werden. Und dieses Mitverstehen ohne Mitempfinden ist eine der Hauptguellen aller Vorurteile und falschen Urteile, Meinungen und Ansichten, die über die Judenheit und über das Judentmn gefällt und gehegt werden. Dazu kommt noch, daß die Köpfe junger Leute, da sie dank ihrer Jugend alles noch viel zu sehr mit dein Gemüt als mit dem Verstand auffassen, diesen Mißverständnissen noch viel mehr ausgesetzt sind, wie der klare, scharf und logisch denkende Kopf eines erwachsenenMenschen. Die Sache unserer jüdischen Jugendbewegung sollte uns allen aber viel zu hoch und wichtig sein, als sie den imgewohnten und ungeübten Augen unserer andersgläubigen Mitjugend auszusetzen. Es ist zu beachten: Wir Juden als Gemeinschaft haben zwar sicher noch manchen aus den Ghettis mit herausgeschleppten Fehler an uns, der vielleicht einem Nichtjuden befremdend oder vielleicht sogar abstoßend anmuten kann; aber jeder Fehler hat seine logische Ursache und ist aus unserer tausendjährigen Leidensgeschichte, unserer jüdischen Psyche zu erklären. Wer nun aber diese unsere Psyche und unsere Geschichte nicht kennt und versteht, der soll auch unsere Fehler nicht kennen lernen. -- Aber doch: Es gehört vielleicht auch zu den Aufgaben eines jüdischen Jugendvereines, unsere christlichen Freunde und Freundinnen, die sich wirklich aus einem inneren Bedürfnis heraus bei uns umsehen wollen, auf diesem beschwerlichen und ermüdend langen Wege behülflich zu sein. Auch das Judentum gehört zu jenen Religionen, von denen Berthold Auerbach sagt: . „Alle Religionen sind schön, die nnö zu guten Menschen machen." Und diesen hohen erzieherischen Wert der jüdischen Religion auch unseren Nebenmenschen zu erklären versuchen, ist eine große, dankbare Aufgabe für eine jüdische Jugendbewegung. Doch welchen Weg sollen wir einschlagen, um ohne mißverstanden zu werden, unserem Ziele erfolgreich entgegenstreben zu können. Es empfiehlt sich m- E. von Zeit zu Zeit innerhalb der Jugendvereine Vorträge zu veranstalten, die leicht verständlich gehalten, allgemein interessierende, belehrende und aufklärende Themen in einer konfessionell gemischten Versammlung junger Leute behandeln. Als Themata bietet die jüdische Religions-, Geschichts- und Literaturwissenschaft genügenden Stoff; ich nenne hier nur einige: „Judentum und moderne Weltanschauung" „Jüdische Ethik" „DerEinanzipationskampf der westeuropäischenJuden" „Der Antisemitismus" „Gesellschaftliche Unterschiede" u. a. m. Durch dieses Mittel, auf diesem Wege, ist der jüdischen Jugend eine Handhabe gegeben, selbst zur Förderung des Verständnisses unseres Judentums, unserer Religion und unserer Kultur beizutragen. Unsere Vereinsabende aber, an denen wir uns ausschließlich mit uns selbst beschäftigen, wollen wir indes unter uns verbringen. Wir huldigen keinerlei Absonderungsbestrebungen, im Gegenteil; aber unsere jüdischen Jugendvereinsabende sollen in erster Linie für die jüdische Jugend eine Sammelstätte sein, in der vor allem das Jüdische in uns gefördert und gepflegt wird. Es ist kein Egoismus, in diesem Falle zu sagen: Erst kommen wir nnd dann erst die Anderen! J .j;1 5

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