Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 2 (1.2.1911)
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Staat" in sich ausgenommen und auch jetzt noch aufnimmt, bilden „dunkle Punkte", sondern nur all diejenigen sind „dunkle Punkte" unter Gottes Sonne, die Jesum von Nazareth mit den Lippen bekennen, aber bei ihren Taten und Handlungen sich nicht nach seinen Lehren richten, die er auf jüdischem Boden und von jüdischen Rabbinern empfangen hat. Vier UrUglionsstister?) Bon Rabbiner Dr. Bergmann in Berlin. Wer den Geist der Religion kennen lernen will, der betrachte, ivas ihr Stifter über die Armen und die Beladenen denkt, und wie er das Rätsel vom Menschenleid, das Rätsel aller Rätsel, zu lösen sich bemüht. Buddah, der Königssohn in Indien, verlebt seine Jugend im Palaste des Vaters. Zum Manne geworden, tritt er zum erstenmale in das Leben hinaus. Auf dem Wege begegnet er einem hungernden Bettler, einem kranken Greise, begegnet er Kindern, die weinend ihren Vater zu Grabe tragen. Der Königssohn erfährt zum erstenmale. daß es in der Welt Armut, Krankheit und Tod gibt. Wehe, so ruft er aus, es ist ein Jammer in dieser Welt zu leben. Er wendet sich klagend von der Welt ab und wird der Begründer der im Osten weitverbreiteten Religion der Weltverachtung, und der Lebensverneinung. Jesus von Nazareth wächst in der Mitte eines Volkes auf, das unter dem Joche des Bedrängers seufzt. Er zieht in das Leben hinaus und sieht die Armen und die Beladenen, die von der Not des Lebens und von seelischem Leid zermürbt werden. Sein Herz wird vom Leid der Menschen ergriffen. Diese Welt, so denkt er, ist des Unterganges wert. Und er bringt den Menschen die Botschaft von dem nahen Weltende und von dem Reiche Gottes, das im Anzuge ist. Gott wird ein Wunder tun. auf den Trümmern dieser schlechten Welt wird er eine neue Welt, das Gottesreich, errichten. „Selig sind die Armen, denn ihnen wird das Reich Gottes gehören." Sie sollen ihren Blick zum Himmel erheben und auf das Wunder warten, auf das Reich Gottes, das bald kommen wird. Aus der stillen Einsamkeit der Wüste, in der er die Offenbarungen des Engels Gabriel empfängt, Aus dem „Gemeindeblatt der jüdischen Gemeinde Berlin". kehrt Mohammed in das Leben zurück. . Auch in seinem Herzen erwacht Mitgefühl mit dem Leid der Armen und der Verzagten und mit dem Schlirerz der im Lebenskämpfe Verwundeten und Besiegten. Das Wort aber, das er ihnen verkündet, lautet: Was die Menschen erleben und erleiden, das hat der Himmel über sie verhängt. Alles Ringen der Menschen gegen das, ivas der Himmel über sie verhängt hat, ist unfromni und gotteslästerlich, ist auch nutzlos und vergeblich. Darum sollen die Menschen ihr Geschick in schweigender Ergebung tragen und sich unterwerfen. Mohammed predigt den Menschen Ergebung und Unterwerfung, d. h. Islam. Wie Buddha verlebt auch Moses, unser Lehrer, seine Jugend in einem Königspalaste. „Als Moses groß gelvorden war, ging er zu seinen Brüdern hinaus". Zum erstenmale sieht er Tausende von geknechteten Menschen. Er sieht ihre Tränen und hört ihre Seufzer, sein erster Gedanke aber ist: ich will hingehen und den Geknechteten helfen. Moses kämpft für die Unterdrückten, um sie zu befreien. Er gibt soziale Gesetze, die das Los der Arnien und der Beladenen verbessern sollen. Sein Leben und seine Lehre sind von dem selbstlosen Streben und von der edlen Leidenschaft erfüllt, den Menschen zu helfen und sie freier, edler und glücklicher zu machen. Auf Moses ruht der Geist unverzagter Weltfreudigkeit. Es ist, als wenn er dem Königssohne im Osten zuriefe: Nicht mit unseren Tränen, sondern mit den Tropfen unseres Schweißes werden wir diese Erde fruchtbarer machen. Stuf Moses ruht der Geist der Kraft und der Tat. Es ist, als ivenn er zu dem Stifter des Christentums spache: Auch diese Welt ist von Gott, Gottes Schöpfung aber kann nicht des Unterganges wert sein. Nicht die Welt aufgeben und auf ihr Ende warten sollen die Menschen, sondern an ihrer Vervollkommnung arbeiten. Das Reich Gottes kommt nicht von oben, die Menschen müssen selber Hand anlegen und die Bausteine herbeitragen: ein jeder eine selbstlose Tat, ein jeder ein sittliches und edles Leben als Baustein. Das Gottesreich kann nur von Menschenhänden errichtet werden. In Moses lebte der Glaube, daß der Mensch zum Ringen und Schaffen in die Welt gesandt wird, und daß er mit seiner Kraft und seinem sittlichen Wollen Großes in der Welt vermag. Es ist, als wenn er dem Stifter des Islam, dem Verkünder der Ergebung, .mit dem Worte entgegenträte: In ,'i * 3