Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 1 (1.1.1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1 ■f i. temere a rebus abstractae eine gewisse Gründlichkeit vor, läßt aber ihre Hauptleistungen völlig unberücksichtigte Denn es bleibt für alle Zeiten das Hauptverdienst der Juden, die Bibel geschaffen und dieSittlichkeit zu einer Forderung der Religion erhoben zu haben; sie waren es ferner, die durch das Christentum, dassie aus sich hervorgebracht, die Völker versitllicht haben, wenn auch diese Versittlichung, insbesondere bei dem Volke der Germanen, noch nicht so weit gediehen ist, daß sie wo Inden als gleichberechtigte Lands- und Volksgenossen neben sich zu ertragen vermöchten. Aber was versteht Köhler vom Judentum, über das er schreibt, und was weiß er von den Juden, denen er seinen unerbetenen Rat erteilt? Er wärmt ja noch den alten Kohl des seligen Eisemneirger über den Talnmd auf und erklärt die deutschen Juden für Nntionaljudcn, die in der Synagoge nicht nur eine religiöse, sondern auch eine nationale Vereinigung erblicken. Merkwürdig, wie wenig selbst die besten und gebildetsten in unserer christlichen Umgebung von dem Judentum wisscnl Man erforscht heutzutage die nach Raum und Zeit entlegensten Kulturen, aber das so naheliegende Judentum bleibt oft genug so vielen ganz verschlossen. ' Und dabei ist Köhler einer von den Großen, und er hat dennoch gar kein Gefühl für die Treulosigkeit, die er der jüdischen Gemeinschaft in der Aufforderung züm Uebcrtriit zum Christentum zunmtct. Denn abgesehen von der Erwägung, daß zwar er, der im Christentum geboren, nicht aber der Außenstehende sich das religiöse Dogma so zurcchtlegcn darf, daß die Lehre vom Erlöser und der Glaube an den heiligen Geist ihn anzuziehen und sein Gemüt zu ergreifen vermag — abgesehen von dieser Erwägung: wie darf er an die Juden das Ansinnen stellen, ihre Religion zu verlassen, die solcher Zurechtlegnng gar nicht erst bedarf, imi ihren Bekennern die geistige und materielle Bewegungsfreiheit nicht zu verschränken? Wie darf er da noch behaupten, 'daß er einer Preisgcbung der Religion anS äußerlichen Gründen und gegen die persönliche Ueberzeugung niemals das Wort rede? Als ob nicht ganz gewichtige Gründe vorhanden wären, welche die Juden zum fortgesetzten Beharren auf ihrem religiösen Standpunkt veranlassen, als ob nicht der weltgeschichtliche Beruf des Judentums sie zwänge, in ihrer bisherigen Besonderheit fortzubestehen I Ein Größerer als Köhler, auch ein geheimer Justizrat und Professor an der hiesigen Universität, Dr. A. Fr. B e rn er, hat ain 30. Januar 1891 über „Judentum und Christentum und ihre Zukunft" im Berliner Unions-Verein einen Vortrag gehalten, worin er es freimütig anerkannte, daß Israel durch seine religiöse Absonderung der Menschheit den höchsten Dienst geleistet habe. Jeder Austritt aus dem Judentum sei noch heute als „eine Schädigung für die Entwickelung der Religion zur höheren Wahrheit und Reinheit" zu betrachten; das Judentum sei heute wie ehedem .zur unwandelbaren Behauptung des reinen Monotheismus berufen". Diese Erklärung, die den schönsten Lohn für unsere Treue und Beharrlichkeit bildet und als ein Zeichen beginnender Erleuchtung in jenen Kreisen angesehen werden kann, von denen wir seit Jahrhunderten der Verstockung und Herzenshartigkeit geziehen wurden — diese Erklärung setze ich zum Schluß der Verlockung Köhlers zum Abfall entgegen. Der „keltische Zuschuß in seinein germanischen Blute", dein er unter anderem „Leichtigkeit des Lebens" als hervorragende Eigenschaft zuschreibt, hat ihm diesmal einen bösen Streich gespielt. Die Juden mit ihrer ernsten Lcbensanschanung und mit ihrer oft erprobten Kraft des Martyriums, die Köhler nicht in Berlin W., sondern in den jüngsten Organisationen der deutschen Juden studieren mag, werden auch über diese neuerliche Verkennung ihrer Ziele und Aufgaben zur Tagesordnung übergehen. Prof. Dr. M a Y b a u m. Wir geben diese trefflichen Ausführungen Prof. Maybaums hier wieder, nicht nur, weil sic sachlich so bedeutungsvoll sind, sondern weil ihnen auch ein hoher apologetischer Wert innewohnt. Sie sind durchaus geeignet, als geistiges Rüstzeug auch unseren Jugendvcreinlern zu dienen. Mitteilungen d-r Geschäftsstelle. Tagesordnung -er ordentlichen Delegiertenversamrnlung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands am Sonntag, den 18. März 1811 zu Hannover, Konzerthaus. Vormittags 9—1 Uhr: 1. Geschäfts- und Kassenbericht (Dr. Apfel, Dr. Finkel, Felix Meyer). 2. Generaldebatte über alle die Jugendbewegung berührenden Fragen. Nachmittags 3—7 Uhr. 3. Vorstandsanträge betr. Statutenänderung (Lichtenberg, Regensburger). 4. Festsetzung des Jahresbeitrages gemäß 8 10 Ziff. 2 der Verbandssatzung. 6. Neuwahlen. Gemäß § 6 der Verbandsstatuten müssen Anträge der Verbandsvereine mindestens 2 Wochen vor oer Delegiertenversammlung bei der Geschäftsstelle eingereicht sein. Am Abend des 18. März treffen sich die Delegierten zwanglos an einem noch näher zu bezeichnenden Orte. 8