Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 1 (1.1.1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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das aschkenastsche Element vorwiegend sein, — es ist höchstens ein Viertel der gesamten Judenheit, die sephardisch spricht —, es müßte denn sein, die Aschkenasim sind so selbstlos und entäußern sich der ihnen eigentümlichen Sprechweise, um sich an eine Minorität zu assimilieren. Denn auch dies wäre Assimilation. Mir kommt diese ganze sephardische Strömung genau so vor, wie die so oft getadelte Sucht des Deutschen nach Ausländischem und Fremdem in Sprache und Kleidung. Auch unter uns Juden ist so eine Art „Sephardomanie" eingerissen, die uns auch die sephardische Sprache nachahmen läßt. Ueberhaupt wird mit den portugiesischen Juden ein solcher Heroenkultus getrieben, der doch — ich will den Sepharden ihr Aristokratentum absolut nicht abstreiten — etwas zu weit geht. Ich fasse noch einmal zusammen: 1. Den hebräischen Unterricht in sephardischer Aussprache zu geben, liegt kein triftiger Grund vor. 2. Um einen etwaigen Zwiespalt in ferner Zukunft zu vermeiden, deswegen durch eine sichere Spaltung in der Gegenwart das jüdisch-religiöse Leben zu gefährden, ist vollkommen verkehrt. Mit diesen Zeilen hoffe ich über einen nicht ganz unwichtigen Gegenstand die Diskussion eröffnet zu haben. Chanukka - Dichter. *) von Morris Rosenfeld. Nus Lieder des Getitzo übersetzt vo» 8.jeiwel. (Verlagvon tzerm.LeemcmnNfg.) 0, ihr lieben Lichtelein, Euer freundlich-stiller Schein Spricht gar mancherlei. Spricht von kühnem Heldenmut, Aampf und Tod und Heldenblut, — Wunder, längst vorbei! Sieh! Bei eurem flimmernden Schein Tritt ein Traum, ein schimmernder ein, Und der Traum erzählt: Jude, warst ein Arieger einst, Jude, warst ein Sieger einst, Stolz und kraftgestählt! Auserwählt war dein Geschlecht, Hattest dein Gebot, dein Recht, Lebtest groß und frei, Hattest einst ein eigen Land, Herrschtest drin mit starker Hand, — wunder, längst vorbei! 0, ihr lieben Lichtelein, Euer freundlich-stiller Schein weckt den alten Schmerz: *) Obwohl der Zeitpunkt des Erscheinens unseres Blattes nach Lhanukka fällt, glaubten wir doch des Festes wenigstens durch den Abdruck dieses, viele» unserer Leser gewiß bereits vertrauten, Gedichtchens zu gedenken. Red. Presse-Schau. j Deutsche Montags-Zeitung. In dieser seit kurzem in Berlin erscheinende» Wochenschrift hat der bekannte Hochschullehrer und Gelehrte Prof. Dr. Josef Köhler einen Aufsatz über die Inden beröffentlicht, der in durchaus hoher Anerkennung der Leistungen und der Bedeutung der Inden, das Anfgehen derjenigen jüdischen Elemente in das Christentum empfahl, deren religiöse Ueberzeugung sich derjenigen der freieren christlichen Richtung nähert. Einer Preisgebung der Religion aus äußerlichen Gründen aber und gegen dm persönliche Ueberzeugung werde er niemals das Wort reden."— Der Aufsatz Prof. Köhlers, dem man sicherlich kaum antisemitische Gesinnung zumnten darf, hat allerdings die Tendenz der Aufforderung an die Juden: „Taucht unter!" — Auf die Ausführungen Kohlcr's antwortete nun in demselben Montagsblatt der Berliner Oberrabbiner Prof. Dr. Mahbaum Folgendes: „Ihrer gefälligen Aufforderung zur Abgabe einer Meinunstsüußerung über den Artikel „Die Juden" non Geheimen Justizrat Dr. Josef Köhler gern entsprechend, muß ich bor allem bemerken, daß ich nicht zu begreifen vermag, warum der Verfasser im Eingänge seines Artikels so nachdrücklich betont, daß er selbst „kein Jude und non vollkommen indo-germanischer Abstammung sei". War hier denn wirklich die Gefahr vorhanden, auch nur bei Antiseniiten als Jude verdächtigt zu werden, daß er mit solcher Ausführlichkeit seine Abstammung väterlicherseits auf einen„sehr streng katholischen Volksschullehrer", sodann auf „einen Bäcker und weiterhin auf Weinbauern" zurückführt, und endlich auch noch „den keltischen Zuschuß in seinem germanischen Blute' mütterlicherseits so sehr yervorhebt? In der» Artikel gibt sich ja keinerlei Vorliebe für die Juden kund! Denn die Anfzählung „der Nebcrfülle von Talenten", die er den Juden nachrühmt,' weckt in ihm nur de» Wunsch, daß sie ihre Selbständigkeit aufgeben und durch die Annahme der Taufe sowie durch Eingehung von Mischehen in ihrer Umgebung völlig anfgehen. Wenn also hier von einer Vorliebe für die Inden überhaupt noch die Rede sein kann, so ist es nur die des Wolfes für das Lamm, das er so gern verschlingen möchte. Im Gegenteil! Wir Juden wenigstens entnehmen dem Artikel des Herrn Geheimen Justizrats' eher ein Uebelwollcn, weil er uns unsere selbständige Existenz inmitten des deutschen Volkes nicht gönnt und uns denselben Rat erteilt, den vor ungefähr zwei Jahren ein Bibliothekar unserer jüdischen Gemeinde, Herr Dr. Fromer, uns gab, nämlich in unserer Umgebung unterzutauchen und vom' Schauplatze der Geschichte zu verschwinden. Damals wurde dieser Beaintc wegen dieses Rates sofort kassiert, und man kann sich daher leicht vorstcllen, mit welchen Gefühlen die jüdische Gemeinschaft jetzt dieses völlig unmotivierte Ansinnen Köhlers ausgenommen hat. Aber auch das Lob, das er den Juden erteilt, daß sie „eine der begabtesten Nassen seien, welche die Menschheit erzeugt hat", wird sofort dadurch eingeschränkt, daß er sie als „weniger schöpferisch in großen Genies" bezeichnet. Wenn freilich die Charakteristik der Juden sich darin erschöpfen ließe, daß man von ihnen sagt, sie verfügen über eine „ungeheure dialektische Gewalt", sie seien „für den Handel wie für de» advokatischen Beruf wie geschaffen", „zu Parlamentsrednern und Journalisten" wie prädestiniert; sie hätten große Begabung „für die Theologie und für eine gewisse Richtung der Philosophie" und seien auch „für Mathematik und Schachspiel" hervorragend befähigt, dann hätte er allerdings recht, und er brauchte bloß, wie er es wirklich tut, noch auf Spinoza und Heine zu verweisen, um die wenigen Fälle zu erschöpfen, in denen die Leistungen der Inden auch als genial bezeichnet werden müssen. Allein diese Charakteristik, die sich zumeist ans später erworbene Eigenschaften, nicht aber ans das ursprügliche Wesen der Juden aufbaut, ist sicherlich falsch; sie täuscht durch notiones 7