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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-01-01 · 1 (1.1.1911) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
1 (1.1.1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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änderen dichterischen Werke hier einer Würdigung zu unterwerfen, fehlt der Raum. Einen Verlust für die jüdische Welt bedeutet schließlich der dieser Tage erfolgte Tod des Gelehrten und Hebraisten P. S- Rabbinowitz. Er hat neben zahlreichen anderen Werken und Biographien deutscher jüdischer Gelehrter sich besonders verdient gemacht durch die Uebersetzung der Grätzschen „Geschichte der Juden" ins Hebräische. Rabbinowitz, der lange Jahre in Rußland lebte, wohnte zuletzt in Frankfurt a. M-, wo er seinen literarischen Arbeiten oblag. Dort, in der stolzen Mainstadt, tagt zur Zeit der „Verband der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche". Er wird sich u. a. auch mit der Frage der Jugendvereine beschäftigen und, wie wir hoffen, in diesem Augenblicke bereits zu der Entschließung gelangt sein, daß die Jugendvereinssache zu fördern, die Aufgabe und Pflicht auch der jüdischen Lehrerschaft sein soll. Doch darüber das nächste Mal. Albert Jacoby. d;—d Avormemerrts-Kedirrgnrrgeri. I. Diese Zeitschrift kostet für Mitglieder der Verbandsvereine 30 Pfennig pro Quartal. II. Die Uerüandsmitgliedee müsse« das Klalt dnrch ihren Uereinsnorstand Hesselte«; dieser tritt dem Verbände gegenüber als Abonnent auf. III. Für Nichtmitglieder beträgt der Abonnementspreis 60 Pfennig pro Unnrtal. IV. Nichtmitglieder beziehen das Blatt unmittelbar von der Geschäftsstelle, Berlin^., Kleiststr. 12, oder durch die Post. C 3—C_ -3S- -—C_ J—d Sephardisch oder afchlrenastsch? Von stucl. mstli. Fritz Apt, Charlottenburg. In dem Artikel „Unsere hebräischen Sprachkurse" (Nov.-Nr. 2) hat Herr Dr. Finkel auch auf den Wert des Hebräischen sowohl sür die Kenntnis der hebräischen Literatur als auch für den Gottesdienst hingewiesen. Dies gibt mir Veranlassung zur Behandlung der Frage: Befinden wir uns augenblicklich auf dem richtigen Wege, wenn wir das Hebräische in sephardischer Aussprache lehren, oder wäre es nicht zweckmäßiger, das Hebräische in unserer aschkenasischen Aussprache zu unterrichten? Für das Studium der hebräischen Literatur freilich ist dies völlig gleichgiltig, da ja die Schrift dieselbe ist, nicht aber für den Gottesdienst. Denn soviel ist doch ganz klar. Da der Klangcharakter*) beider Aussprachen ein völlig verschiedener ist, so würden uns in der Synagoge die hebräischen Laute, Worte und Gesänge nicht anheimelnd, nicht wohlvertraut Vorkommen, sondern fremd. Der Gottesdienst würde uns, statt uns mehr als bisher anzuziehen, geradezu abstoßen. Das jüdisch-religiöse Leben — und das jüdische Leben bewegt sich doch augenblicklich zum großen Teil in religiösen Bahnen — wird, soweit cs mit Gottesdienst zusammenhängt, ernstlich gefährdet. Wenn man dies in Kauf nehmen will, so müßten doch, sollte man meinen, gewichtige Gründe für die Einführung der portugiesischen Aussprache sprechen. Was aber wird angeführt? Erstens ist die portugiesische Aussprache die richtige und zweitens wird sie als einzige lebende in Palästina gesprochen, Sind diese beiden Gründe wirklich so stichhaltig? — Unsere aschkenastsche Aussprache ist ebensosehr und ebensowenig richtig, wie die portugiesische. Ich wüßte wenigstens nicht, was man als Maßstab für die Richtigkeit der einen oder der anderen Aussprache ansehen wollte. Man könnte doch höchstens die beiden verschiedenen Aussprachen als zwei Abarten, meinetwegen auch als zwei verschiedene Dialekte bezeichnen, mehr nicht. Und selbst gesetzt den Fall, die portugiesische Aussprache wäre diejenige der alten Hebräer, was will das besagen? Wird es z. B. irgend einem Griechen einsallen, deswegen, weil die homerische Aussprache der Diphthonge von der jetzigen verschieden ist, plötzlich „homerisch" zu sprechen? Und ist die homerische Aussprache etwa richtiger als die neugriechische? Ferner — ich konstruiere mir hier einen Fall — würden die Deutschen, wenn sie in irgend welchen Urwäldern Germanen entdecken würden, die ihr Germanisch unverfälscht erhalten haben, deren Sprache annehmen? Aus diese Dinge den Maßstab der Richtigkeit anzuwenden, ist also vollkommen verkehrt. Eine Sprache entwickelt sich eben, und in verschiedenen Gegenden verschieden. Nun zum zweiten Punkt. Als einzige lebende Sprache wird in Palästina nur das Sephardisch- Hebräische gesprochen. — Das Hebräische als praktische Verkehrssprache kommt doch vorläufig, so lange erst wenige nach Palästina übersiedeln, für die wenigsten von uns in Betracht, und wenn etwa in Palästina jüdische Massen einwandern würden, so wird doch *) Durch das Ersetzen der „au" und „o" Laute durch „o" und „a" Laute verliert die hebräische Sprache zweifellos an Klangfülle, das ist wenigstens meine Empfindung. S

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