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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1911-01-01 · 1 (1.1.1911) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
2 (1911)
Issue
1 (1.1.1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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"ü Rundschau. "' Noch werden die begeisternden Töne der Chanukkasestfeiern fortklingen, die in diesen letzten Tagen des verflossenen Monats in unseren Jngendvereinen erklungen sind. Sie kündeten von der Kraft sieghaften Judentums und finden darum in den Herzen der jüdischen Jugend von heute eine stärkere Resonanz, als in der früherer Jahrzehnte. Denn die halb erloschenen Funken der Liebe zum Judentum sind in unseren Jugendvereinen zur hellen Flamme wieder entfacht. Zu den mehr als 7000 jüdischen jungen Leuten, die bisher mit warmer Begeisterung sich unter die Fahne des Jugendvereinsideals gestellt haben, sind gerade in diesen Tagen weitere Hunderte gefolgt. Ständig, von Monat zu Monat, steigert sich die Zahl der jüdischen Jugendvereine, die in lebhaftestem Wetteifer daran arbeiten, unsere jüdische Jugend in immer steigender Anzahl dem Judentum wiederzugewinnen. Wenn vor kaum drei Monaten der Einführungsartikel in unserem Verbandsorgan mit berechtigter Genugtuung auf die stattliche Anzahl von 55 Vereinen Hinweisen konnte, in denen sich unsere jüdische Jugend zur Pflege jüdischen Bewußtseins und zur Erstarkung der Judentumsideale fest organisierte, so können wir heute bereits einen Bestand von über 00 solcher Vereine konstatieren und eine weitere Erhöhung der Bestandsziffer in nächster Zeit erwarten. Aber auch die innere Organisation durch die Bildung von Bezirksverbänden und provinzialen Zusammenschlüssen hat erfreuliche Fortschritte gerade in der letzten Zeit zu verzeichnen. Und in gleicher aufsteigender Linie bewegten sich das zielbewußte Streben, die emsige Arbeit und das Maß der Leistungen, quantitativ wie qualitativ, innerhalb der Vereine selbst. Diese Wahrnehmung drängte sich in den verflossenen Tagen dieses Monats besonders eindringlich aus und ihre freudige Feststellung mag daher die erste Stelle in der Revue der Ereignisse des letzten Monats finden. Im innerjüdischen Leben fanden ein weitergehendes allgemeines Interesse vor allem zwei Vorgänge, einmal der IV. Verbandstag jüdischer Provinzialgemeindeverbände in Berlin und dann der Kampf der „Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Jsraelite Universelle" um ihre Fortexistenz, die vom Pariser Zentralkomitee bedroht wird. Den vierten Verbandstag beschäftigten vor allem Fragen der finanziellen Stärkung der Verbände, also eine Sorge, von der auch unser Verband und unsere Vereine für sich vielfach erfüllt sind. Wir wissen, daß außer dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund. der die freiwillige Vereinigung und Zentrale aller deutschen jüdischen Genieinden sein will, sich auch die Gemeinden der einzelnen Provinzen und zuweilen auch diejenigen einzelner Regierungsbezirke in einem Unterverbande zur Lösung gemeinsamer -Ausgaben auf dem engeren Territorium der Provinz .resp. des Regierungsbezirks zusammengeschlossen haben. Diese Provinzial- resp. Bezirksverbände sind also hinsichtlich ihres Aufgabenkreises gewissermaßen „Gemeindebünde" für den kleineren Umfang einer Provinz oder eines Regierungsbezirkes. Auch sie tragen in dem Kreis ihrer Wirksamkeit Sorge für die religiösen und unterrichtlichen Bedürfnisse, für Errichtung und Unterhaltung jüdisch-sozialer und humanitärer Institutionen k. Das Bedürfnis nach Austausch der Erfahrungen, nach Schaffung gemeinsamer prinzipieller Wirkungsgrundlagen neben den durch die besonderen Verhältnisse jeder Provinz bedingten, hat bereits früher zu gelegentlichen Zusammenkünften in den sogenannten Verbandstagen geführt. Der Nutzen einer häufigeren und regelmäßigen Zusammenkunft hat denn erst im vorigen Jahre dazu geführt, daß auf Antrag des Herrn Sanitätsrat Dr. 'Apfel-Köln fortan alljährlich solch ein Verbandstag abgehalten wird. Der diesjährige hat die Ersprießlichkeit dieser regeren Fühlungnahme bezeugt, lieber den engen Rahmen interner Fragen gingen einige von allgemeiner und prinzipieller Bedeutung. Sv wurde diesmal wieder die Frage erörtert, ob der Religionsunterricht nur durch ordnungsmäßig seminaristisch ausgebildeteLehrer, die ihr staatliches Examen als solche abgelegt haben, erteilt werden dürse, oder ob auch andere nicht seminarisch ausgebildele Personen den jüdischen Religionsunterricht sollen erteilen dürfen. Und es wurde weiter die nicht minder bedeutungsvolle Frage erörtert, ob die in den meisten Gemeinden bestehende „Personalunion" des Kantors, Lehrers und Schächters nicht einen ungesunden Zustand bedeute, der möglichst abgeändert werden müsse. Beide Fragen berühren, wie wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden braucht, indirekt auch die jüdische Jugend. Denn die Qualität des Unterrichts in den jüdischen Wissensfächern hängt nicht unwesentlich von der Beantwortung und praktischen Lösung dieser Fragen ab. Der jüdische Religionsunterricht sollte aus der Stellung einer 'Nebensächlichkeit radikal gehoben werden. Dazu bedarf es nicht nur der Ueberwindung der leider vielfach konstatierbaren Gleichgiltigkeit jüdischer Eltern für den Religionsunterricht ihrer Kinder, sondern auch der Hebung des jüdischen Lehrerberufs zur völlig gleichen wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Höhe des allgemeinen staatlichen Lehrerberufs. Der Durchführung dieser längst erkannten Notwendigkeit stellen sich allerdings einstweilen fast unüberwindbare Schwierigkeiten finanzieller Natur entgegen. Die kleinen und mittleren Gemeinden, wie selbst größere, sind meist außer stände, selbst nur das Schächteramt von dem Beruf ihres „Kultusbeamten" loszulösen und dafür eine besondere Kraft anzustellen. Als Prinzip der Gemeindeorganisationen wurde nun in Uebereinstimmung mit der auch schon bisher vom Gemeindebund geübten Praxis der Grundsatz von neuem festgestellt, Beihilfen zum Religionsunterricht nur dann zu leisten, wenn der Unterricht von einem seminarisch vorgebildten Lehrer erteilt wird. Nur wo von früherer Zeit her der Unterricht noch von einem nicht seminarisch vvrgebildeten Lehrer erteilt ■j & 3

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