Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 2 (1911)
- Issue
- 1 (1.1.1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Kapitalanlage zu, jüdisch - gemeinnützigem Zweck, können Gelder schönere ideelle Früchte tragen, als wenn sie dazu dienen sollen, einen rückgratfesten, überzeugungstreuen jüdischen Nachwuchs heranzubilden? Man bringt im deutschen Judentum jährlich so unendlich viel Geld für alle möglichen sozialen und charitativen Zwecke auf. Das ist gewiß sehr lobenswert, aber all diese Summen dienen doch mehr oder weniger nur der Linderung gegenwärtiger Not. Uns aber liegt die ganze geistige Not, die Zukunftsnot unseres Judentums am Herzen. Wir wollen eben dafür sorgen, daß in einem Menschenalter überhaupt noch Juden vorhanden sind, die für alle die erwähnten Zwecke ein Herz übrig haben. Schon ein gewisser Egoismus müßte das ältere Gefälscht dazu bringen, uns zu unterstützen. Denn all die vielen jüdischen Organisationen. Logen und Vereine werden in 20—30 Jahren keine Mitglieder mehr haben, wenn wir den Nachwuchs nicht zu jüdischem Fühlen erziehen. Damit Euer Werk, ihr Aelteren und Alten, auch fortgesetzt werde, dafür arbeiten wir, und deshalb ist es die größte Mizwoh, wenn Ihr uns die Mittel zu unserer Arbeit nicht vorenthaltet. Ihr dürft nicht nur an die Gegenwart denken. Blickt einmal weiter, fragt, wer nach Euch kommt und helft uns! Man sollte meinen, das wunderbare Aufblühen der Jugendbewegung, die wie ein belebender Frühlingshauch durch das ganze Vaterland zog, die Gründung unseres Verbandes und die wirklich hervorragenden Leistlingen, die er in der kurzen Zeit seines Bestehens aufzuweisen hat, müßten überall begeisterte, freudige Anerkennung bei der älteren Generation finden. Und wenn man da bekennen mußte, die paar Tausend Mark, die wir alljährlich zum gedeihlichen Arbeiten nötig haben, seien nicht aufzubringen, so wäre das doch tatsächlich ein vernichtendes Armutszeugnis für die deutsche Judenheit, für dessen wohlhabende Kreise aber ein schwerer Vorwurf und eine tiefernste sittliche Verantwortung. Man denke doch nur: — um einmal die Frage greifbar zu beleuchten — ein Kapital von 100000 M. würde ausreichen, um lins für imuier aller Sorge zu überheben. Wir könnten frohen Mutes schaffen, ohne die tägliche Furcht, daß der nackte Mangel unseren Weg hemmt. Und das sollte nicht zu erreichen sein? Alle möglichen Stiftungen werden von unserell wohlhabenden Glaubensgenossen gemacht und ganz besonders durch letztwillige Verfügungen. Uns aber sollte man übersehen, uns, die wir die Gedanken so hochherziger Stifter mit frischem Mut der Zukunft entgegentragen wollen? Das kann und darf Nichtsein! Deshalb ist es nötig, immer und immer wieder mit der vorstehenden Begründung für uns zu werben. Schafft Aufklärung über das, was wir wollen, und der Erfolg wird nicht ausbleiben! Keine andere Organisation kann mit so gutem Recht, mit so zwingender Logik Unterstützung erbitten lvie wir. Nichts liegt uns dabei ferner, als etwa den anderen Vereinen und Korporationen irgendwie zunahe zu treten oder gar Konkurrenz zu machen. Indem wir vielmehr unser Interesse vertreten, nehmen wir zugleich das ihrige wahr. Von uns kommt ihnen dereinst der Nachwuchs, llnd nur von uns! Die vorstehenden Ausführungen gelten in erster Linie dem Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Gewiß mag auch der einzelne Verein durch die Hilfe der Außenstehenden seine Lage zu bessern suchen. Die Hauptwerbearbeit aber muß dem großen Ganzen gelten, der Verkörperung dessen, was uns alle eint, unserem mit so viel Mühe und Arbeit geschaffenen und erhaltenen Verband! Je mehr er gedeiht, desto befruchtender kann er auf die einzelnen Vereine wirken, und deshalb muß ihm unsere erste Sorge gewidmet sein. Von materiellen Dingen wollte ich reden, und nüchtern klingt auch die Ueberschrift dieser Zeilen. Aber der Kern meiner Ausführungen ist doch ein ideeller geworden. Das ergibt sich eben ganz von selbst aus dem Wesen unserer Sache. Wir können selbst finanzielle Erfolge nur erringen durch einen Appell an die Ideale. Diesen Appell aber laßt uns laut und eindringlich in die Lande rufen. Die deutsche Judenheit hat dabei noch nie versagt. Sie wird und kann auch nicht versagen, wenn es sich um ihre eigene Zukunft handelt! wtr Schlußtermine der Redaktion. 1» a) für den Allgemeinen Teil 81. jeden Monats b) für den Verbandsteil 83. „ „ c) für den Inseratenteil 85. „ „ Zusendungen, die uns nach den angegebenen Daten zugehen, können für die nächste Nummer nicht mehr Berücksichtigung finden. Die Redaktion. ♦ ♦ ♦ ♦ .♦ .♦ .♦ ♦ ♦ ♦ o