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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1910-12-01 · 3 (1.12.1910) · p. Seite 14

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
1 (1910)
Issue
3 (1.12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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r reich in Ansehung bei von ihr betriebenen Sportes wie in Ansehung der Tendenz; denn es hat sich gezeigt, das; unsere jungen Juden ihren ganzen Ehrgeiz barein setzen, hinter den anderen Nuververeinen, die Juden a!s Mitglieder ausschließen, nicht zurückzustehen und daß dann dem Stolz und dem Bewußtsein der körperlichen Gleich-rertigkeit auch das moralische Selbstbewußtjein und die Liebe zum Judentum folgten. Es darf überhaupt bei unserer Bereinsarbeit in Berlin nicht veraeffen werden, daß wir für die große Menge der jüdischen Jugend nicht nur etwas Neues wollen und bezwecken, sondern daß wir unsere neuen Ziele auch vereinstechnisch mit andern als den allhergebrachten Mitteln verfolgen muffen. Wollten wir uns aus die Veranstaltung von belehrenden Vorträ en beschränken, würden wir sehr bald bei der großen Menge gleicher und ähnlicher Organisationen an Interesse bei unsern Mitglieder» und Außenstehenden verlieren, die Besucherzahl würde im Verhältnis zur Mitgliederzahl verschwindend gering werden und schließlich würden wir die große Anzahl derjenigen jüdischen Vereine in Berlin um einen vermehren, deren Mitglieder den Beitrag entrichten und allenfalls die Generalversammlung besuchen, ihre Mitgliederpflichten dann aber für erledigt erachten. In Berlin, mehr denn irgend wo anders muffen wir Interesse und Verständnis für unsere Ziele auch aus jeden andern im Vereinsleben nur möglichen Wege zu erwecken und, was noch wichtiger ist, zu pflegen suchen. Aus dieser Erkenntnis heraus wurden unsere Gruppen begründet, die infolge ihrer Mitgliederbeschränkung mehr als der Hauptverein selbst geeignet sind, unsere Mitglieder, die sich anfangs meist völlig fremd und persönlich gleichgiltig gegenüberstehen, einander näher zu bringen, eine direkte Einwirkung von Person zu Person zu ermöglichen und eine gewiffe Kairieradschaft herzusieüen, die für einen Jugendverein unbedingt notwendig ist. Tie kurze Zeit, die der Berliner Verein tätig ist, hat genügt, zu zeigen, daß das angenommene Programm wie der eingeschlagene Weg zur Erreichung desselben geeignet und richtig ist, und bereits jetzt kann die Hoffnung als gerechtfertigt gelten, daß der Verein bald das werden wird, was seinen Gründern als Vorbild vorschwebte: der Sammelpunkt der gesamten jüdischen Jugend Berlins, aller Richtungen und Anschauungen, soiveit sie jür Erhaltung und Förderung eines lebendigen Judentums eintreten, und ein Werbemittel ersten Ranges für denjenigen Teil der Berliner jüdischen Jugend, der diesem Ideal noch nicht gewonnen ist. Referendar Dr. Simon, 1. Vorsitzender. Frankfurt a. M. Der Verein „Montefiore" in Franksun a. M., Verein zur Pflege der idealen Interessen jüdischer junger Leute, gegründet 1836, welcher aus kleinen Anfängen heraus sich zu dem größten Jugendvereine Deutschlands entwickelt hat, und heute die staatliche Zahl von 1400 Mitgliedern zählt, versendet sein reicuhaltiges Winterprogramm. Den jungen Mitgliedern ist Gelegenheit geboten, ihr Wiffen und Können auf jedem G»biete zu erweitern: Es sind französische und englische Lehrkurse für Ansänger und Vorgeschrittene eingerichtet, ebenso Nurse für Stenographie und Turnen. Ein literarischer Lesezirkel vermittelt den jungen Leuten das Verständnis für die klassische und moderne Literatur und die sorgfältig gewühlte Bibliothek des Vereins bietet die der Jugend" so nötige geistige Anregung. Wie sehr diese Einrichtung gewürdigt wird, beweist die rege Inanspruchnahme derselben. Eines ganz besonderen Interesses und Zuspruchs erfreuen sich aber die F r e i t a g - A b e n d - .Veranstaltungen, die das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Mitgliedern stäiken und den von auswälts gekommenen Jünglingen das Elternhaus ersetzen. Sie fühlen sich im Vecemslokal zuhause und bringen den Herren des Vorstandes, die sich liebenswürdig um sie bemühen, herzliche Dankbarkeit entgegen. An jedenc Freitag Abend werden die Erschienenen im festlich eileuchtiten Saale unentgeltlich mit Tee und Kuchen bewirtet, aber dieser leidliche Genuß ist nicht der einzige, der ihrer wartet. Mehr noch als derselbe erfreuen sie die Vorträge religiösen und profanen Inhalts, die ihnen von Fachmännern und Freunden des Vereins geboten werden, und wer einmal einem solchen Abend beigewohnt, wird sicher an keinem der folgenden s.hlen. Am Samstag mittag wird ein jüdischer Lehrvorlrag abgehalien. Außerdem hat der Verein ein reichhaltiges llnterhaltungs- und Vergnügungsprogramm aufgestellt und für seine wissenschaftlichen Vorträge Vertreter aller Fakultäten gewonnen. Sa ist für alles gesorgt und die Leitung dieses bedeutenden, für die Jugend so segenbringenden Vereins darf mit Befriedigung auf die Vergangenheit und mit froher Zuversicht in die Zukunft blicken. Leider hat der Verein durch das Ableben des Rabbiners Dr Markus H o r o w i tz , des Begründers und eifrigen Förderers desselben, der als Ehrenpräsident noch bis in sein letztes Lebensjahr hinein besten Entwicklung und Aufschwung mit regem Interesse verfolgte, einen herben Verlust erlitten, aber die Saat, die dieser hervorragende Mann gesäet, wird weiter wachsen und Früchte tragen. Der Verein Montestore, das Vermächtnis, auf das er noch zuletzt die Aufmerksamkeit seiner Umgebung gelenkt, wird sicher bemüht sein, durch sein ferneres Streben das Andenken seines nun verewigten Begründers und Förderers zu ehren, und vorbildlich auf die Jugendvereine, die sich in allen größeren Städten bilden, zu wirken. Freiburg. In diesen Wochen kann der Jüdische Jugendbund auf ein dreijähriges Bestehen zurückblicken. Aus den 8—10 jungen Leuten, mit denen er seine Tätigkeit aufnahm, sind heute etwa 50 treue und zuverlässige Anhänger, etwa 15 Mädchen darunter, geworden. Aus dem äußeren Wachstum und auf Giund der Eifahrungen hat sich für uns folgender Arbeitsplan entwickelt, der vielleicht auch anderwärts Nutzen stiften könnte: 1. Allgemeiner Vortrag (Politik, Geistes¬ und Raturwiffenschaflen, Kunst, Technik). 2. Jüdischer Vorirag (Geschichte, Zeiiströmungen, Religionswissenschaft). 8. Umerhallungsabend (Musik und Dichtung). 4. Besprechung von Tagerfragen allgemeiner und jüdischer Natur. 5. Vortrag (unter Zuziehung der außerordentlichen Mitglieder.) Von Anfang an haben wir unsere Mitglieder wöchentlich zusammengerufen, und das hat sich als durchaus notwendig erwiesen. Die regelmäßige, in nicht zu großen Abständen erfolgende Zusammenkunft hält das Interesse aufrecht, weckt das Gemeinsamkeitsgefühl, erfüllt auch die Jüngsten mit den Zielen der Vereinigung. Es ist demgegenüber unwesentlich, daß seltenere Veranstaltungen wohl eine größere Besucherzahl aufweisen würden. Ein zweiter Leitsatz hat durch die Praxis seine volle Richtigkeit erwiesen, und gerade ihn möchten wir besonders betonen: Der Vortrag, der zu Gehör kommt, hat nur dann Wert, wenn er von den Zuhörern verarbeitet wird. Das geschieht am besten durch die DlSkussion: Die Diskussion allein bringt uns vorwärts, sie ist das Fundament, auf dem sich die Weiterentwicklung deS einzelnen ausbaut. Daher betrachten wir die Vorträge unter dem Gesichtspunkt, ob sie Anregung zur Debatte geben können, und daher haben wir die Einrichtung getroffen, daß jeweils bei der folgenden Zusammenkunft ein jüngeres Mitglied über Bortrag und Diskussion kurz zusammenfassend referiert. Wir haben es dadurch erreicht, daß der lange Zeit bestehende Zwang, auf ältere und zum Teil außerbalb des I. I. B. stehende Personen zu greifen, damit sie durch Vorträge unsere Tätigkeit unterstützten (wir sind ihnen deshalb zu großem Dank verpflichtet), heule in ganz erheblichem Maße nachgelassen hat. Unsere Arbeit hat den erfreulichen Erfolg gehabt, daß wir aus eigenen K ästen arbeiten können. Die günstige Lage Freiburgs hat uns auch die Pflege des Sports, insonderheit der Wanderungen, ermöglicht mit dem Erfolg, daß wir in dlcsem Sommer 4 Halbtags- und 3 Tagertouren veranstalten konnten. Leider ist uns die dringend gewünsch e turneritche Betätigung deswegen unmöglich gemacht, weil es an einer geeigneten Turnhalle fehlt. Wir hoffen aber, diese Schwierigkeit üverwinden zu können. Wir erwähnen noch, daß in wenigen Tagen eine Bibliothek mit einer stattlichen Bücherzahl eröffnet wird, wobei wir uns der dankenswerten llnterstützung des Mendelsohn-Verems erfreuen. 14

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