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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1910-12-01 · 3 (1.12.1910) · p. Seite 13

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
1 (1910)
Issue
3 (1.12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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stattfindet. Der Vorstand selber überläßt die Entscheidung darüber den Vereinen deshalb, w^il er die Richtlinien seiner Arbeit bereits in Hamburg sestgestellt hat und für die Bremer Sitzung vorwiegend die ebenso nötige wie erwünschte Fühlungnahme mit den einzelnen Vereinen im Vordergrund stand. Die Vereine werden gebeten, umgehend mitzuteilen, ob sie es für wünschenswert halten, daß die Sitzung am 4. Dezember in Bremen stattfindct, und wollen etwaige Wünsche zur Tagesordnung rechtzeitig, spätestens jedoch bis zum 2b. November äußern. Genauere kurze Benachrichtigung über Tagesordnung, Lokal und Zeit wird da>-n noch erfolgen. Andernfalls findet die nächste Vorstandssitzung vermutlich im Januar 1911 in Emden statt. Indem wir der Hoffnung auf ein gedeihliches Zusammenarbeiten Ausdruck geben, zeichnen wir mit Bundesgruß ergebenst Nordwcstdeutscher Bezirksverein Jüdischer Jugendvereine Geschäftsstelle Hamburg, i. A. Nathan. Rus unleren Vereinen Jüdischer Jngendliund Berlin. Es mag zweifelhaft erscheinen, ob es angemessen ist, über einen verhättnismäßig jungen Verein schon mehr als weibend oder mehr als nur aufzählcnd zu berichten, und es mag noch zweifelhaster erscheinen, ob es angemessen ist, einen tolchen Bericht jetzt über den Berliner Jüdischen Jugendbund zu erstatten, der erst vor kurzer Zeit nach inneren Rämpjen zur neuen Konsolidation gelangt ist. Zwei Argumente jedoch müssen diesem Zweifel entgegengesetzt werden und überwinden ihn. Einmal sind die Verhältnisse in Berlin, wo bekannilich gegen '/« aller deutschen Juden koiizentrieu ist, so eigenartig und doch so symptomatisch für das ganze deutscheJudentum, daß es interessant genug erscheint zu beobachten, wie unser Jug-ndbund-Gedanke hier ausgenommen ist und gewirkt hat. Dann aber liegt es auch im Interesse des Berliner Vereins selbst, über den so viele falsche Ansichten und Meinungen — auch innerhalb des Verbandes der jüdischen Jugendvereine — verbreitet zu sein scheinen, durch einen objektiven Bericht über seine Zusammensetzung, sein Programm, seine Organisation und seine Tätigkeit die falschen Nachrichten zu widerlegen und für seine wirtlichen Ziele Propaganda zu machen. Sehr verbreitet ist die Meinung, in Berlin seien Boden und Verhältnisse für einen jüdischen Jugendverein ini Sinne unserer Verbandslendenz und seine Entwicklung besonders günstig. Dies mag insoweit zutrcffen, als hier dem Verein reiches Menschenmaterial, aber auch reiche ideelle Unterstützung, Berater, Vortragende usw. zur Verfügung stehen. Richtig ist auch, daß dem Jugendvereine in Berlin eine Riesenarbeit und, wenn er diese richtig zu leisten verstehen wird, ein Riesenerfolg winkt, denn in Berlin ist nicht nur das Zentrum für das jüdische Leben Deutschlands, hier ist auch bei viele», sehr vielen die Indolenz und die Gleichgiltigkeit am größten, die Schar der jungen Leute am zahlreichsten, die von ihrem Judentum nichts mehr wissen und wissen wollen, die vielleicht auch vor deni äußeren Abfall stehen, und deren Rückgewinn für ein lebendes Judentum eine der vornehmsten Aufgaben unserer Vereine ist. Man würde jedoch die Sachlage einseitig beurteilen. Wollte man die besonderen und nicht zu unterschätzenden Sckiwierigkeiten übersehen, mit denen der Jüdische Jugendbund gerade in Berlin zu kämpfen hat. Da ist einmal die schon erwähnte Gleichgiltigkeit und Indolenz weiter Kreise, die es zu überwinden gilt, um diejenigen erst überhaupt einmal heranzuziehen, die wir gewinnen wollen. Ferner hindert unsere Propaganda und unsere Arbeit ein Umstand beträchtlich, den ich vulgär als „Konkurrenz" bezeichne» möchte. ES gibt in Berlin so zahlreiche und so verschiedenartige Organisationen — jüdische und paritätische — in denen den Mitgliedern und Gästen so viel an Belehrung, Anregung und Unterhaltung geboten wird, daß unser Verein schon immer etwas „ganz Besonderes" bieten muß, um unsere Mitglieder und vor allem Gäste zu uns zu ziehen. Wohl jeder junge Kausmann gehört hier einer kaufmännischen Organisation an, die ihm Vorträge. Kurse, Geselligkeit usw. bietet, jeder Student einer Verbindung, einem Verein öder der Finkenschast. Und selbst wer nicht in einer Organisation ist, hat fast täglich Gelegenheit, irgend welchen Veranstaltungen — auch jüdischen — kostenlos beizuwohnen; ganz zu schweigen von den gesellschaftlichen und famil>ären Verpflichtungen des Einzelnen. Diese „Konkurrenz" erschwert naturgemäß unsere Arbeiten außerordentlich. Etwas anderes kommt hinzu. In Berlin befinden sich die Zentren wohl der meisten jüdischen politischen und religiösen Organisationen, die sich bekämpfen Der Kampf ver Meinungen innerhalb deS Judentums ist hier ein besonders heftiger und auch die jüdische Jugend, soweit sie sich eine Meinung in diesem Geisteskampse gebildet hat, beteiligt sich lebhaft an ihm. Die Folge ist die Gefahr, daß diese Känipfe auch in den Jugendbund Hinei,>- getragen werden und sein Wirken nach außen behindern oder lahm lege», sodaß es großer Geschicklichkeit der Leitung bedarf, damit der Kampf der Meinungen, den wir ja weder verhindern können noch wollen, sondern sogar für wünschenswert und erforderlich halte», in den Grenzen bleibe, die die Solidarität des Vereins, seine absolute Neutralität in allen innerjüdischeu Fragen, die erste Voraussetzung eines gedeihlichen Wirkens im Sinne unseres Programms, nicht gefährden. Wenn der Jüdische Jugendbund Berlin trotz aller dieser Schwierigkeiten eine stetig fortschreitende Entwicklung nach innen und nach außen zeigt, so ist dies zum Teil wohl ber eifrigen Arbeit einer Reihe von begeisterten Anhängern, nicht zu vergessen der unermüdlichen Tätigkeit einiger Herren, die als Vertreter der Logen im Vorstände sitzen, zu verdanken. Das beweist doch aber vor allem die Zugkraft und die Nichtigkeit unseres Programms. Am 23. März 1902 gegründet, zählte der Verein anfangs gegen 300 Mitglieder; jetzt nach Verlauf von noch nicht zwei Jahren ist die Zahl auf fast das Doppelte gewachten und wird voraussichtlich sich in nächster Zeit weiter erheblich vergrößern. Besonders erfreulich ist dabei die Tatsache, daß die Mitglieder sich aus allen gesellschaftlichen und Berussschichten der Berliner jüdischen Getneiude zusammensetzen. Daß auch Angehörige aller politischen und religiösen Richtungen im Judentum sich dem Verein angeschloffen haben, ist bereits erwähnt. Mil großer Genugtuung muß seiigestellt werden, daß, nachdeni vielleicht im ersten Vereinejahre von verschiedenen Setten gegen das Prinzip der Toleranz jeder Richtung gegenüber gefehlt worden ist, jetzt alle Känipfe innerhalb des Vereins zwischen Angehörigen verschiedener Meinungen völlig aufgehört haben und sich die lleberzeugung durchgesetzt hat, daß nur weitgehendste Toleranz gegen alle Ileberzeugungen die absolut erforderliche völlige Neutralität des Vereins gewährleistet Die Arbeit im Verein in Verfolgung seiner Programm- Ziele wird durch wöchentliche Vorträge' aus allen Gebieten des jüdischen und des allgemeinen Wissens, durch Diskussionsabende, gesellige Zusammenküusle usw. geleistet. Der Verein hat an drei Abenden in der Woche im Burghotel in der Burgftraße eigene Räume für die Mitglieder zur Verfügung, wo eine Bibliothek und zahlreiche jüdische und mchtjüdiscue Zeitungen ausliegen; er veranstaltet eine» Kursus zur Erlernung der yebräischekt Sprache und plant mehrere andere Kurse. Mehrere Gruppen befassen sich »tit sportlicher Tätigkeit, eine andere mit kleinen Diskusjionsabenden. Besonders erfreulich hat sich die Ruderabieilung entwickelt, die die destorganisierte u»o erfolgreichste der Gruppen darstellt. Erfolg- 13

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