Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1 (1910)
- Issue
- 2 (1.11.1910)
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine weitere Aussprache findet über fosgende Vorschläge statt: a) Austausch sämtlicher Vereinsdrucksachen zwischen allen angeschloffenen Vereinen. b) Monatliche Mitteilungen des Bezirksverbandes. c) Veranstaltung von Rednertournees. Der erste Vorschlag bietet keine Schwierigkeiten und kann den Verbandsvereinen nicht warm genug empfohlen werden. Das wesentliche ist, daß der Austausch mit der größten Regelmäßigkeit vor fich geht. — Bei Punkt d entspinnt sich eine rege Diskussion (von deren Wiedergabe glaubt die Redaktion dieses Blattes absehen zu können, da sie inzwischen durch das Erscheinen des Verbandsorgans hinfällig geworden sein dürste). Punkt c: Der Bezirksverbandsvorstand wird sich wegen einer Tournee mit einigeu Rednern in Verbindung setzen und die Vereine befragen, ob sie gewillt sind, sich für einen' Bortrag zu verpflichten. Zu Punkt 3 der Tagesordnung wird beschlossen, den Vereinen in Nordhausen und Göttingen die Protokolle zugänglich zu machen und erneut deren Anschluß anzuregen. Es wird darauf gerechnet, daß jeder Jugendverein des nordwestdeutschen Bezirks sich dem Bezirksverbande anschließen wird. Der Verbandsvorstand wird es sich angelegen sein lassen, die Neugründung von Vereinen an geeigneten Plätzen zu unterstützen und die nächstgelegenen Vereine zu veranlassen, die nötigen Vorarbeiten zu leisten. Beschlossen wird ferner, die Protokolle des Nordwestdeutschen Bezirksverbandes den Vereinen Frankfurt und Köln zuzusenden. Zu Punkt 4 bringt der Bremer Verein die von ihm beim Verbände beantragte Gleichmäßigkeit der Mitgliedskarten für alle Verbandsvereine vor. Durch diese Karten soll die kostenlose Umschreibung von einem Verbandsverein in den andern ermöglicht werden, ohne daß Eintrittsgeld und Mitgliedsbeitrag für das bereits bezahlte Quartal von neuem zu entrichten wäre. Von Hamburg wird auf die Schwierigkeit hingewiesen, die darin besteht, daß durch diese Neuerung das Budget des empfangenden Vereins entgegen seinen Statuten belastet werden könnte; ferner, daß dem auch formelle Schwierigkeiten, so die verschiedene Abrechnung in den angeschlossenen Vereinen, entgegenständen. Bon Bremen weist man dagegen auf die eher verbürgte Stabilität der Mitgliedschaften hin. Auf Vorschlag von Hannover werden die Verbandsvereine ersucht, soweit tunlich, in jedem Falle den Fortzug eines Mitgliedes an den in Frage kommenden Bruderverein weiterzugeben. Von Bremen angeregt wurde ferner ein gemeinsames Vereinsabzeichen, das aber von Hannover sehr energisch abgelehnt wurde, dagegen von einer Hamburger Seite verteidigt worden ist. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Unter Punkt 5 wurde noch ein Delegiertentag für 1911 besprochen, für welchen Bremen in Vorschlag gebracht wurde, was auch im allgemeinen Zustimmung fand. Auf Wunsch wurde der Gegenstand jedoch zunächst verlassen, um später endgültig erledigt zu werden. A. Zacharias-Bremen, Schriftführer. Jugendvcrein Elberfeld-Barmen. Der hiesige Verein, seil dessen Gründung erst 1*/, Jahre verflossen sind, kann heute schon ans eine gedeihliche Entwicklung und schöne Erfolge im Sinne unserer Jugendbewegung zurückblicken. Die Vorträge und sonstigen Veranstaltungen unseres ersten Vereinsjahres haben uns einen Stamm treuer und arbeitsfreudiger Mitglieder geschaffen, bei denen bald der Wunsch entstand, statt der bisherigen, uns freundlich von der hiesigen Loge zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten, ein eigenes Heim zu besitzen, das es uns ermögliche, den Vereinsaufgaben noch besser gerecht zu werden und durch zweckmäßige Ausgestaltung imstande sei, uns neue Freunde und Mitglieder aus den Kreisen, die uns nochl fern standen, zu gewinnen. Rüstig ging man an die Verwirklichung dieses Planes, dem sich hauptsächlich Schwierigkeiten finanzieller Art entgegenstellten. Doch auch jetzt ließ unsere Gönnerin, dieBergischeLoge, uns nicht im Stich und bewilligte inhochherziger Weise eine größere Summe zu obigem Zwecke. Nicht minder freigiebig und jugendsreundlich zeigte sich die Vertretung der hiesigen jüdischen Gemeinde, und da sich auch unsere außerordentlichen Mitglieder nicht lange bitten ließen, war die materielle Grundlage eines jüdischen Jugendheimes bald geschaffen. Am 16. September d. I. wurde das neue Heim, welches fich in einer abgeschlossenen Etage im Mittelpunkte von Elberfeld befindet, seiner Bestimmung übergeben. Unser Vorstandsmitglied, Herr Asr. Alsberg, hat in geschmackvoller und vornehmer Weise drei Räume für unsere Zwecke eingerichtet. Das Gesellschaftszimmer macht einen gemütlichen und behaglichen Eindruck und lädt die Mitglieder ein, hier ihre Abende in edler Geselligkeit zu verbringen. Tageszeitungen, sowie Zeitschriften unterhaltender und belehrender Natur und vor allem jüdische Blätter liegen auf und versprechen dem nach geistiger Nahrung Dürstenden vielseitigen Genuß. Ein weiterer Raum beherbergt unsere erst im Entstehen begriffene Bibliothek und ist gleichzeitig als Spielzimmer gedacht. Zu Schach-, Domino-, Damespiel und vielem anderen ist Gelegenheit geboten, Kartenspiel dagegen ist untersagt. Dann haben wir ein größeres Zimmer zur Abhaltung unserer belehrenden Kurse in zweckmäßiger Weise eingerichtet. Das Heim steht jeden Abend und später wahrscheinlich auch am Tage zur Verfügung unserer Mitglieder, welche dort auch Erfrischungen in Gestalt von Obst und alkoholfreien Getränken zu mäßigen Preisen erhalten können. Zur'Einweihung des Jugendheimes war die Mehrzahl der Vereinsmitglieder und viele Gäste erschienen, u. a. als Vertreter der Loge und der Gemeindevertretung Herr Rechtsanwalt Brück. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Or. med. Loeb, übergab die neuen Räume mit einer Ansprache ihrer Bestimmung Er dankte den Gönnern des Jugendvereins für ihre tatkräftige Hilfe und wies auf die große Bedeutung hin, die ein eigenes Heim für das Gedeihen des Jugendvereins haben muß. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich bei uns das alte Sprichwort bewähren möge „Eigener Herd ist Goldes Wert". Schon an diesen: ersten Abend konnte man die Beobachtung machen, daß sich die Vereinsmitglieder in dem neuen Heim recht wohl fühlten und mit besonderer Befriedigung nahmen diejenigen Mitglieder von den Räumen Besitz, die in Elberfeld und Barmen ihr elterliches Haus entbehren müssen. Im weiteren Verlauf des Abends dankte Herr Ref. Dr. Wetzstein den Vorstandsmitgliedern, die sich hauptsächlich um die Errichtung der Vereinscäume verdient gemacht hatten. Erst in später Stunde wurde aufgebrochen. Die Einweihung unseres Heimes war gleichzeitig das Signal zum Beginn des Vereinslebens für den diesjährigen Winter. Hatte auch im Sommer unsere Arbeit nicht geruht (es hatten Vortragsabende, Sprachkurse, sportliche Veranstaltungen und Morgenwanderungen an den Sonntagen stattgefunden) so sollte doch der Winter erst recht zur Förderung unserer Ziele benutzt werden. Die regelmäßigen Vortragsabende, an denen bewährte Redner über Temata aus den verschiedensten Gebieten zu Worte kommen, haben schon begonnen. Für einen kleinen geschloffenen Kreis unserer Mitglieder findet ein Vortragszyklus des Herrn Rabb. Or. Norden über Jüdische Geschichte statt. Herr Rechtsanwalt Brück leitet einen D i s k u s i o n s - Kursus, in dem unsere Mitglieder sich in der Kunst des Diskutierens auSbilden können Französische, englische und italienische Sprachkurse, geleitet von Lehrern der belr. Nationen, sorgen dafür, daß unser Kurszimmer kaum einen Abend in der Woche unbesetzt ist. Ein Buchführungslursus wird von unserem Mitglied Herrn Gumpert geleitet. Der im vorigen Jahre mit gutem Erfolge abgeyaltene Kursus über „erste Hilfe bei Unglücksfällen " wird auch in diesem Jahre von Herrn Or. med. Loeb wieder abgehalten. Die sich großer Beliebtheit erfreuenden Morgen Wanderungen sollen auch im Winter an schönen Sonntagen stattfinden. Eine Turnrieg e gibt 11