Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1 (1910)
- Issue
- 2 (1.11.1910)
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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den Mitgliedern Gelegenheit, ihre körperlichen Fähigkeiten auszubilden und zu erhöhen. Dann soll auch die Geselligkeit, die an jedem Abend in unseren Vereinsräumen gepflegt wird, noch ganz besonders durch größere Festlichkeiten betont werden, von denen die erste als Unterhaltungsabend mit Cabaret und Tanz am 6. November stattfinden soll. Wir glauben, daß unser jüdischer Jugendverein, wenn er auch noch nicht das Ideal eines Jugendvereines darstellt, so doch mit seinen Arbeiten und seinen Einrichtungen auf dem besten Wege ist, sein sich gestecktes Ziel zu erreichen. Dieses ist uns aber nur möglich durch das hier bestehende einträchtige und opferfreudige Zusammenwirken aller unserer ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder, deren Zahl heute ca. 200 beträgt. Möge es auch ferner so bleiben! Hamburg. Der jüdische Jugend-Bund vollendete am 1. Oktober 1910 sein 14. Jahr, das reich an Ereignissen gewesen ist. Nachdem im November 1909 die Statuten einergänzlichen Neufassung unterworfen waren, gestaltete sich das Leben innerhalb des Bundes zu eincni recht anregenden, denn es wurden nicht nur Vorträge bedeutender Gelehrter geboten, sondern auch aus dem Kreise der eigenen Mitglieder fanden sich Herren, welche an verschiedenen Abenden über interessante Themata sprachen. Die leitenden Herren unseres Verbandes waren im letzten Jahre in Hamburg und haben durch ihre Vorträge viel zur weiteren Entwicklung des Bundes getan. Als im März 1910 sich im Bunde zwei gegensätzliche Richtungen bemerkbar machten, kam es zu einer außerordentlichen Hauptversammlung, in welcher der Standpunkt des Bundes dahin Präzisiert wurde, daß keine politische oder religiöse Propapanda im Bunde gestattet werde. Die vereheliche Henrh-Jones-Loge in Hamburg überbrückte die beiden Richtungen und vereinigte sie wieder zu weiterer possttivcr Arbeit. Seitens der Deutsch- Israelitischen Gemeinde und der Henry-Fones-Loge wird der Hamburger Bund subventioniert. Auf Anregung unseres Bundes wurde im Mai 1910 der Nordwcstdeutsche Bezirksvcrband begründet, der ein weiteres Bindeglied zwischen den einzelnen Vereinen und dem Verband werden soll. Wir hoffen im neuen Jahre weitere Erfolge unserer Arbeit zürn Besten des Judentums. 8. Iugcndverein Gabriel Niestcr, Cöln. Der Verein nimmt am 1. November seine Tätigkeit in vollem Umfange wieder auf und zwar eröffnet er seine Veranstaltungen mit einem Vortragsabend des Herrn Georg Kiesan von den Vereinigten Stadttheatern Cölns über ein Epos Heinrich Leutyolds: „Penthesilea-. Daran reiht sich am 8. November ein Vortrag des Herrn Dr.Scheftclowitz über „Faustnaturen in der hebräischen Literatur"; in der gleichen Woche findet der erste große Familien- Freitagabend statt,' an dem einleitend Herr Rabb. Dr. Rosenthal über '„Grundprinzipien des Judentunis" sprechen wird und Fräulein Charlotte London vorn Stadttheater zu Barnren „Perlen der Poesie aus jüdischer Literatur" zum Vortrage bringt. Rechtsanwalt Dr. Siegmund Klein vom Oberlandesgcricht wird am 16. November ein modernes Thema „Koalitionsrecht und Streik" erörtern, und Herr Rabb. Dr. Ludwig Roscnthal am 22. November „Die Stellung unserer großen Organisationen zur Falaschafrage" besprechen. Am Sonntag, den 27. November, findet nachmittags 5 Uhr im großen Saal der Rheinlandloge ein „kive o'cloclc tea“ mit literarisch-musikalischen Darbietungen und anschließendem Tanz statt. Für die folgenden Monate sind jetzt schon hervorragende Kräfte gewonnen. Neu eingeführt.werden in diesem Jahre 8 Vorlesungen über ältere, mittelalterliche und neuere jüdische Geschichte, und zwar lesen die Herren Dr. Scheftelowitz über „Die Zeit der Entstehung des Christentums", Herr Dr. Caro über „Die Geschichte der Juden in Spanien" und Herr Dr. Hanover über „Die Geschichte der Juden seit Mendelssohn". Außerdem wird ein Kursus über Rechts- und Handelswissenschaft unter Leitung des Herrn Referendar Bernhard Kahn eingerichtet. Ein französischer-, englischer- und Stenographie-Kursus findet, wie in den vergangenen Jahren, so auch in diesem Jahre statt. Alle Kurse sind unentgeltlich, mit Ausnahme der Sprachkurse die sich rndessen höchstens auf Mk. 4-5 belaufen. Durch Mitbenutzung der Bibliothek des Vereins für jüd. Geschichte und Literatur, die in den Räumen des Rießervereins ihre Aufstellung findet, ist den Mitgliedern gediegene und vornehme Lektüre gesichert. Eine ReiheweitererNeucinrichtungen, wie die Beratungsstelle, die über alle Frayen des Lebens, ob juristischer oder sozialer Natur, unentgeltlich Auskunft erteilen wird, ferner die Ermäßigung auf die von der Oekonomie der Rheinlandloge in unsere behaglichen Klubräume gelieferten Speisen und Getränke, sowie der teils freie, teils sehr ermäßigte Eintritt zu den Veranstaltungen des Literaturvereins, seien nur dem Namen nach erwähnt. Unser neu gegründetes Verbandsorgan kam cinenl dringendem Bedürfnis entgegen, und hat allgemeinen Beifall gefunden. — So ist der Jugendverein eifrig bemüht, zur geistigen Hebung seiner Mitglieder auf jüdischem, wie allgemeinem Gebiete fördernd zu wirken. Hoffen wir, daß die Fülle von Arbeit und Mühe, durch stetiges Anwachsen des Vereins, und mit ihm der gesamten Jugendbewegung, gekrönt werde! Gustav Lazarus. Kempen. Verein zur Förderung der idealen Interessen jüdischer junger Leute. (Aus gig aus dem Jahresbericht 1909/10.) Das erste Vereinsjahr hat mit 21 Mitgliedern begonnen. Am Schluffe des Geschäftsjahres war der Mitgliederbestand auf 45 gestiegen. Mit Genugtuung können wir auf die erfolgreiche und ausgedehnte Tätigkeit unseres Vereins im abgelaufenen Jahre zurückblicken. Zunächst war unsere Aufmerksanikeit auf die Einrichtung eines Lesezimmers gerichtet. Dasselbe wurde mit 20 Zeitschriften und Zeitungen ausgestattet und war regelmäßig am Sonnabend nachmittag für einige Stunden geöffnet; im Winterhalbjahr auch am Vormittage. Probeweise wurden auch am Mittwoch abend und am Sonntag nachmittag Lesezeiten angesetzt, haben stch aber nicht als zweckmäßig erwiesen. Dagegen war der Besuch des Lesezimmers am Sonnabend relativ sehr stark; die Gesamtbesucherzahl in diesem Vereinsjahr belief sich auf 550. Im Lesesaal befand ffch auch eine Brettspielgelegenheit, sodaß die Besucher Abwechslung halten. Einen ähnlichen günstigen Zuspruch hatte unsere Vereinsbibliothek zu verzeichnen, die 63 Bände, teils jüdischer, teils allgemeinerLiteratur, umfaßt. EineErweiterung auf jüdischem Gebiete erfuhr unsere Bibliothek durch eine mit dem hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur getroffene Vereinbarung, durch welche unsere Mitglieder die Berechtigung erhielten, aus der Bibliothek dieses Vereins Bücher zu entleihen. Vorträge und Vorlesungen des Vereins, an die stch auch lebhafte Diskussionen anschloffen, waren stets gut besucht. Auch die Referate über aktuelle Vorgänge im jüdischen Leben haben lebhaftes Jntereffe gefunden. Die Vortragenden waren fast sämtlich Vereinsmitglieder. Auch konnten unsere Mitglieder die Vorträge des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur stets besuchen. Auf Anregung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands wurde in den letzten Wintermonaten ein Versuch mit der Abhaltung von Freitagabenden gemacht, jedoch fehlen uns zur Wetterführung dieser Veranstaltung die genügenden Kräfte. Wir möchten nicht unerwähnt lassen, daß sich unser Verein auch in sportlicher Hinsicht betätigt hat, und zwar haben mir durch Anschaffung von Utensilien zum Fußballspiel unseren Mitgliedern hierzu Gelegenheit geboten, von der in ausgiebiger Weise Gebrauch gemacht wurde. Schließlich haben wir' noch der Chanukah- und Purimseier zu gedenken, sowie eines anläßlich unseres Stiftungsfestes veranstalteten Ausfluges nach Schildberg, der eine Annäherung unserer Vereinsmitglieder an die des Jugendvereins Ostrowo bewirkte. Wir wollen nicht verfehlen, hier noch der Caritas- Loge, dem Verein für jüdische Geichichte und Literatur, dem hiesigen Waisenverein und Herrn Adolf Stahl ans Guatemala für die uns zuteilgewordene Förderung zu danken. Emil Breslauer. 15