Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1 (1910)
- Issue
- 2 (1.11.1910)
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4926451-6352326-6352440--0038-4929320- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
betonen, daß die allgemeine Kenntnis der hebräischen Sprache bei den Juden zur Förderung unserer Literatur vielfach beitragen wird. Die jüdische Wissenschaft wird dann nicht mehr wie jetzt auf eine Handvoll Gelehrter beschränkt bleiben, vielmehr wird sie sich in die verschiedensten Kreise unserer Gemeinden Eingang verschaffen und Mitarbeiter wie Leser in den breitesten Schichten gewinnen. Bei der letzt herrschenden großen Unwissenheit auf hebräischem Gebiete, in allen Lagern und Richtungen unserer Glaubensgemeinschaft kann das Jntereffe für unsere Wissenschaft unmöglich rege sein. Denn wie soll Liebe zu dieser Wissenschaft vorhanden sein, wenn die Kenntnis ihrer Urelemente fehlt?- Was unsere Umgebung betrifft, so bin ich überzeugt, daß unsere Bestrebungen zur Pflege und Erhaltung der hebräischen Sprache in unserer Mitte sicherlich bei Freund und Gegner uns zum Ruhme gereichen werden. Die hebräische Sprache wird, wie Sie wissen, seit der Zeit der Renaissance bei den Christen sehr geachtet; das Studium dieser Sprache wird seit den Tagen des Humanismus gerade an unsern deutschen Universitäten mit besonderer Liebe und Sorgfalt gepflegt, und deutsche Gelehrte haben auf diesem Gebiete Hervorragendes geleistet. Gerade die Nichtjuden werden dem jüdischen Stamme große Achtung zollen dafür, daß er trotz des Flügelschlages der neuen Zeit und trotz der Teilnahme und Mitarbeit der Juden an den Literaturen und Kulturen aller Völker sich die heilige Sprache seines Glaubens erhalten will, daß der jüdische Stamm nach dem bekannten Dichterwort bemüht ist, das von den Vätern Ererbte zu erwerben, um es zu besitzen. — Und so schließe ich meine Zeilen mit der Hoffnung, daß Sie, verehrter Freund, Ihre eigenen Kinder, Sulamith und Manfred, dem Jugendverein an Ihrem Platze bald zuführen und ihnen die Teilnahme an den zu errichtenden hebräischen Sprachkursen empfehlen werden. Und wenn Sie nach Verlauf von zwei Jahren an Ihren Kindern den wohltuenden Einfluß unserer Jugendvereine und der Sprachkurse wahlgenommen haben, dann werden Sie sicherlich den Männern und insbesondere den jungen Leuten Dank wissen, die in ihrer Begeisterung für das Judentum die Jugendbewegung entfacht haben, um uns die Jugend zurück zu gewinnen. „Nicht zurück ins Ghetto" ist unsere Losung, sondern: „Zurück zum Judentum"! In alter Anhänglichkeit und Hochachtung Ihr ergebenster Berlin, 23. Oktober 1910. Dr. E. Finkel. Preffe-Schau „General-Anzeiger für die gesamte» Interessen d. Jud." Nr. 4L. „Jüdische Lebenspooste für unsere Jugend". Es heißt dort über Veranstaltung von Sukkotfeiern für die Jugend u. a.: „Wir können nicht für jede Familie eine Laubhütte bauen, aber wir können wohl an einem der Festtage eine große Kinderfeier in einem dem Eharakter des Festes entsprechend geschmückten Saale abhalten, mit schönen Ansprachen, anmutigen Liedern und Gesängen, um den Kindern zu zeigen, daß das Wort Laubhüttenfest kein bloßer Schall ist, daß ihm eine große Bedeutung innewohnt". „Ebenso ließe sich wohl am Paffahfest ein gemeinsamer Sedertisch errichten für unsere reife und unreife Jugend, die zu Hause nicht die Gelegenheit dazu hat." — Was die Sukkotfeier betrifft, erscheint der Gedanke recht erwägenswert. — Sederfeiern aber in der angegebenen Art brauchen nicht erst gedanklich angeregt werden, denn sie bestehen schon und haben sich in verschiedenen Jugendvereinen glänzend bewährt. K. O.-Blätter Nr. 1 vom 1. Oktober. In dieser neuen, durch eine prächtige llmschlagzeichnung des Malers und Bildhauers Hans Wildermann-Köln geschmückte Monatsschrift der im Kartell-Konvent vereinigten Korporationen finden wir eine ganze Anzahl trefflicher Aussätze, die nicht nur die Aufmerksamkeit der X. C -Mitglieder, sondern wegen ihres gediegenen Inhalts auch diejenige der großen jüdischen Gesamtheit verdienen. Aus einem Bericht über den 15. ordentlichen IC L.-Tag erhalten wir die uns interessierende Mitteilung, daß, da in letzter Zeit Streitigkeiten zwischen Mitgliedern des X. C. und des „Vereins jüdischer Studenten" vorgekommen waren, sich der X. C. mit Recht dahin ausspricht, daß er einen Ehrenhandel zwischen jüdischen Studenten in jedem einzelnen Falle lebhaft bedauere und er seine Mitglieder von vornherein dazu erziehe, daß derartige Streitigkeiten nach Möglichkeit vermieden werden sollen. Unter den „Akademischen Fragen" lesen wir dann, daß sämtliche jüdische Verbindungen an der Berliner Universität gemeinsam die Eingabe an den Rektor Erich Schmidt wegen Verlegung einer festlichen Veranstaltung voni Vorabend des Versöhnungsfestes auf einen anderen Tag (stehe „Rundschau") gemacht habe». Diese Solidarität in einer prinzipiellen Frage gefällt uns besser, als die oben erwähnten Streitigkeiten. „Ost und West" Nr. 10, Oktober, bringt einen interessanten Aussatz: Jüdische Dozenten an der Berliner Universität und gibt ihm eine Anzahl von Bildnissen bei. Leider sind in der Aufzählung der „jüdischen" Dozenten einige längst g e - taufte mitaufgeführt. „Mitteilungen der Organisation für hebräische Sprache und Kultur". Aus einer zusammenfaffenven Revue erfahren wir, daß gegenwärtig 17 hebräische Journale und Zeitungen bestehen und demnächst drei neue kebräische Blätter erscheinen werden. In einer Uebersicht des hebräischen Büchermaiktes werden als besonders um das neu-hebräische Schrifttum verdiente Berlagsinstitute „Tii8chia" und „Achiasaf“ in Warschau aufgeführt. Besonderer Beachtung für Westeuropäer verdienen namentlich die in der „Tuschia“ (erschienenen Leserin d Lehrbücher der hebräischen Sprache für verschiedene Altersnnd Kenntnisstufen, nach der Uebersetzungsmethode sowie nach der „Ibrith beibritb"-Methode (von D. Uellin, I. Grasowsky, M. Krinsky, N. Pines, S. L. Gordon. I. CH. Tawjew). Der „Organisation für hebräische Sprache und Kultur" gehören übrigens gegenwärtig etwa hundert Ortsgruppen in allen Ländern mit zahlreicher jüdischer Bevölkerung an. Das deutsche Landeskomitee dieser Organisation hat es sich zur Hauptaufgabe gestellt, hebräische Sprachkurse an möglichst vielen Orten des Reiches zu begründen. Dieses Komitee befaßt sich auch mit der Ausarbeitung und Vorbereitung von hebräischen Lehrbüchern für die deutschen Juden. (Siehe dazu den Aufsatz über „Hebräische Sprachkurse" auf Seite 7 ff.) Israelit. Gemeindcblatt Köln Nr. 4$. Unter der Spitzmarle: „Eingewickeltes Judentum" (Eingesandt) lesen wir: „Man hat die Freude am Judentum verloren und schleppt es vielfach nur als Bürde weiter, und während man in anderen Kreiien frohes und freudiges Glaubensbekenntnis bemerkt, schämt sich der Jude seines Judentums und sucht es oftmals zu verstecken. Selbst in geringfügigen Dingen kommt dieses Versteckspiel dann zuni Ausdruck. Man hat aus dem Hause 10